Konflikte · Angriff auf den Markt von Abyei

Angriff auf den Markt von Amiet: Zahl der Toten laut Amtsträger auf mindestens 153 gestiegen

Abyeis Informationsminister schätzt, dass nach dem Angriff vom 19. Oktober mindestens 153 Menschen getötet und rund 8.000 vertrieben wurden. Widersprüchliche Zahlen sind weiterhin nicht miteinander in Einklang gebracht, und die Verantwortung ist nicht bewiesen.

Ausgestrahlt Verfasst 5 Min. Lesezeit75 QuellenHeyDay News Desk · About usWatch report

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Wie viele Menschen starben, als Drohnen den Markt von Amiet trafen – und wer griff einen Handelsplatz an, den Gemeinden auf beiden Seiten der territorialen Trennlinie von Abyei gemeinsam nutzen? Die gemeldete Opferzahl ist stark gestiegen, doch auf keine der beiden Fragen gibt es eine gesicherte Antwort.

Yohana Akol Ngor, Informationsminister der Übergangsverwaltung des umstrittenen Gebiets, sagte am 20. Oktober, bei dem Angriff am Vortag seien mindestens 153 Menschen getötet worden – mehr als doppelt so viele wie die zunächst gemeldeten 73 Toten. Zudem schätzte er, dass rund 8.000 Menschen vertrieben worden seien. Beide Zahlen sind Schätzungen der lokalen Verwaltung und keine unabhängig überprüften Angaben. 1

Klar ist, dass der Angriff einen belebten Markt traf, Treibstoff entzündete und Menschen mit schweren Verletzungen und Verbrennungen ins Krankenhaus brachte. Seine Bedeutung reicht über die Explosionen hinaus: Amiet ist ein wichtiger Handels- und Treffpunkt für Gemeinden, deren konkurrierende Ansprüche auf Abyei ungeklärt bleiben. 1

Ein Angriff, eine ungeklärte Zahl der Toten

Die Bombardierung begann am Montag, dem 19. Oktober 2026, gegen Mittag. Radio Tamazuj zitierte Ngor mit der Angabe, sie habe gegen 11:30 Uhr begonnen; die genaue Minute wurde nicht unabhängig bestätigt. Radio Community berichtete von Einschlägen im nördlichen Teil des Marktes, wo Treibstoff verkauft wird, während das Außenministerium des Südsudan von Angriffen an mehreren Stellen rund um den Markt sprach. Diese Berichte belegen mehrere gemeldete Einschläge, nicht aber eine verifizierte Zahl der eingesetzten Waffen. 15 64 1

Von Deutsche Welle übermittelte Augenzeugenberichte beschrieben einen Treffer in einem Treibstofflager. Das dadurch ausgelöste Feuer ließ sich über Nacht nur schwer unter Kontrolle bringen und brannte am Dienstag, dem 20. Oktober, noch. Das ist die letzte belegte Beobachtung – kein Beleg dafür, dass das Feuer bis zum 21. Oktober andauerte. Weder der Zeitpunkt des verifizierten Erlöschens noch eine spätere Aktualisierung zum Brand sind bekannt. 1

Der Anstieg von 73 Toten auf mindestens 153 bezieht sich auf denselben Angriff vom 19. Oktober. Es handelt sich um eine am folgenden Tag bekannt gegebene Revision, nicht um einen Hinweis auf eine zweite Bombardierung. Deutsche Welle berichtete über Ngors aktualisierte Zahl und seine Schätzung von rund 8.000 Vertriebenen; auch ein von WTOP veröffentlichter Bericht der Associated Press nannte mindestens 153 Tote. Dass mehrere Medien die Zahl eines Amtsträgers melden, bestätigt die zugrunde liegende Zahl nicht unabhängig. 1 9

Es gibt zudem eine erhebliche Abweichung, die sich nicht einfach durch den Ersatz einer älteren Zahl erklären lässt. AFP bezifferte die Opferzahl in einem am 20. Oktober von Arab News veröffentlichten Bericht auf 53 Tote und mindestens 27 Verletzte und schrieb diese Angaben den lokalen Behörden zu. Das weicht deutlich von der an diesem Tag von Deutsche Welle und AP gemeldeten Schätzung von mindestens 153 Toten ab. Die Berichte wurden nicht miteinander in Einklang gebracht. Die Zahlen lassen sich weder addieren noch als gleichermaßen vollständige Erfassungen der Verluste behandeln. 6 1 9

Auch die Schätzung zur Vertreibung ist mit ähnlicher Vorsicht zu betrachten. Rund 8.000 Menschen, die geflohen sind, wären ein schwerer Notfall; Ngors Angabe ist jedoch weder eine überprüfte Registrierungszahl noch eine unabhängige Einschätzung der Vereinten Nationen. Sie sagt den Lesern nicht, wie viele Menschen Unterkunft, Nahrung oder andere Hilfe erhalten haben. 1

Das Krankenhaus zeigt ein anderes Ausmaß der Folgen

Im nahe gelegenen Ameth-Bek-Krankenhaus meldete Médecins Sans Frontières, auch bekannt als Ärzte ohne Grenzen, die Aufnahme von mehr als 20 Verletzten. Die Teams arbeiteten gemeinsam mit Beschäftigten des Gesundheitsministeriums des Südsudan. Mehrere Patienten waren in kritischem Zustand, andere hatten Verbrennungen. 70 1

Bislang haben wir mehr als 20 Patienten aufgenommen, darunter mehrere kritische Fälle. Auch Patienten mit Verbrennungen wurden aufgenommen.

Dr. Christian Lindauer, Leiter der medizinischen Aktivitäten von MSF 1

Dieser Bericht gibt Aufschluss über die Belastung eines Krankenhauses, nicht über die Gesamtzahl der Verletzten. Er kann weder an die Stelle der frühen lokalen Meldung von 19 Verletzten noch an die separate Angabe von AFP von mindestens 27 treten. Ebenso wenig belegt er, wie viele Menschen im Krankenhaus starben. Er zeigt jedoch, dass der Notfall nach den ersten Explosionen andauerte und Überlebende intensivmedizinische Versorgung und Behandlung ihrer Verbrennungen benötigten. 15 6 70

Eine Anschuldigung ist keine Zuschreibung der Verantwortung

Ngor und südsudanesische Amtsträger machten das sudanesische Militär verantwortlich. Sie legten keine Belege dafür vor, wer den Angriff gestartet hatte. Das Außenministerium des Südsudan bestellte aus Protest den sudanesischen Botschafter ein und forderte Sudan auf, „von allen Handlungen abzusehen, die das Leben und Eigentum von Zivilisten gefährden“. Der diplomatische Protest ist eine belegte Reaktion, aber kein Beweis für die Verantwortung. 1

Der Krieg in der Umgebung verleiht der Anschuldigung Gewicht, klärt die Frage aber nicht. Die sudanesische Armee und die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) kämpfen seit April 2023, und Abyei grenzt an Südkordofan, ein wichtiges Zentrum des Konflikts. Beide Kriegsparteien setzen Drohnen in großem Umfang ein. Der Besitz und Einsatz solcher Waffen identifiziert nicht den Angreifer in Amiet. 1

Das sudanesische Militär behauptet, die RSF operiere von Abyei aus; Amtsträger in Abyei und im Südsudan bestreiten dies. Die Interimstruppe der Vereinten Nationen für Abyei warnte im Mai, die Präsenz der RSF gefährde die Bewohner und könne den Territorialstreit verschärfen. Diese Warnung ist ein relevanter Sicherheitskontext, aber keine Feststellung dazu, wer den Markt bombardiert hat. 1

Abyeis Anfälligkeit für Konflikte besteht schon vor dem aktuellen Krieg im Sudan. Das Friedensabkommen von 2005, das den jahrzehntelangen Bürgerkrieg weitgehend beendete, ließ den Status des Gebiets ungeklärt; auch die Unabhängigkeit des Südsudan im Jahr 2011 löste die Frage nicht. Ein vorgeschlagenes Referendum scheiterte an der Uneinigkeit über die Wahlberechtigung. Bis 2026 war eine vorläufige UN-Sicherheitstruppe seit 15 Jahren vor Ort, während das Gebiet weiterhin gemeinsam verwaltet und politisch ungeklärt blieb. 1

Die mehrheitlich aus Ngok-Dinka bestehende Bevölkerung befürwortet einen Anschluss an den Südsudan; die Nomaden der Misseriya, die die Weideflächen des Gebiets nutzen, befürworten Sudan. Der Markt von Amiet dient beiden Gruppen. Gewalt zwischen Ngok-Dinka und den benachbarten Twic-Dinka-Gemeinschaften sowie anderen bewaffneten Gruppen erschwert die Sicherheit der Zivilbevölkerung bereits zusätzlich. Ein Angriff auf einen gemeinsam genutzten Handelsplatz beschädigt eine der praktischen Verbindungen, die trotz dieser Spaltungen bestehen bleibt. 1

Bekannt

  • Zuletzt wurde am 20. Oktober gemeldet, dass ein durch Treibstoff angefachtes Feuer noch brannte; MSF meldete mehr als 20 Verletzte, darunter Patienten in kritischem Zustand und mit Verbrennungen. 170

Unbekannt

  • Die endgültigen Zahlen der Toten und Verletzten, eine unabhängig ermittelte Zahl der Vertriebenen, der spätere Stand des Brandes und die Identität des Angreifers sind weiterhin ungeklärt.

Als Nächstes

  • Belege zur Identität des Angreifers und Einschätzungen zum Bedarf der Überlebenden würden die Reaktion wesentlich klarer machen. Ein Datum für Ergebnisse einer Untersuchung oder einer Bedarfserhebung zur Hilfe wurde nicht bekannt gegeben.

Am 20. Oktober warnte UN-Sprecher Stéphane Dujarric, Drohnenangriffe und Schäden an kritischer Infrastruktur im gesamten Sudan forderten einen verheerenden Tribut von Gemeinden, die bereits seit mehr als drei Jahren unter dem Konflikt litten. Amiet veranschaulicht diese Gefahr ganz konkret: Ein gemeinsam genutzter Markt wurde getroffen, Treibstoff stand in Flammen, Patienten waren in kritischem Zustand, und Tausende sollen nach Schätzungen geflohen sein. Die Unsicherheit über die endgültigen Zahlen macht eine sorgfältige Erfassung notwendig. Sie mindert weder die Dringlichkeit, Überlebende zu behandeln, noch die Bedeutung, die Verantwortlichen zu ermitteln. 1

Wie ausgestrahlt 15 Zeilen
  1. A drone attack set Amiet Market's fuel-selling section ablaze. A local official says at least 153 people died and around 8,000 fled the shared trading hub. The final death toll and the identity of whoever launched the attack are still unresolved.
  2. Abyei's caretaker information minister, Yohana Akol Ngor, raised his estimate to at least 153 on October 20. That more than doubled the 73 deaths announced the previous day. Both figures concern the same attack on Amiet Market.
  3. The bombing hit the busy market around midday on October 19, in territory disputed between Sudan and South Sudan. Local officials described several impacts, including in the northern section where fuel is sold. Witnesses said a fuel depot caught fire, and the blaze proved difficult to control overnight.
  4. Local officials initially counted 73 people killed and 19 wounded after the October 19 bombing. By October 20, Ngor had raised the death estimate, while the fuel fire was still burning. There's no confirmed later update on the fire.
  5. Ngor also estimated that around 8,000 people had been displaced. That gives a sense of the flight from the market area, but it's a local administration estimate. It doesn't tell us how many people have received shelter or other assistance.
  6. Another local-authority estimate put the deaths at 53, with at least 27 people wounded. That differs sharply from Ngor's at-least-153 figure. The totals haven't been reconciled, and they can't be added together. The final number of people killed is still unsettled.
  7. Doctors Without Borders says its teams received more than 20 wounded people at nearby Ameth Bek Hospital. Several patients were in critical condition, and others had burns. Those admissions describe one hospital's workload, so they don't give a complete injury toll for everyone caught in the attack.
  8. Medical teams worked alongside South Sudan's Ministry of Health staff. The hospital's medical activities manager, Doctor Christian Lindauer, described several critical cases and patients with burns. His account shows how the need for treatment continued after the explosions and the initial flight from the market.
  9. South Sudanese officials and Ngor blamed Sudan's military, but supplied no evidence identifying who launched the attack. South Sudan's Foreign Ministry said several locations around the market were struck. It summoned Sudan's ambassador in protest and urged Sudan to refrain from actions that endanger civilian lives and property.
  10. Abyei borders Sudan's South Kordofan state, a major center of fighting. Sudan's army and the Rapid Support Forces, a paramilitary force, have been at war since April 2023. Their conflict adds another danger to communities already living with an unresolved territorial dispute.
  11. Sudan's military alleges that the Rapid Support Forces operate from Abyei. Officials in Abyei and South Sudan dispute that. In May, the UN security mission warned that the force's presence endangered residents and could deepen the territorial dispute. Both sides in Sudan's war use drones extensively, but that doesn't identify the attacker at Amiet.
  12. The 2005 peace agreement broadly ended decades of civil war but left Abyei's status unsettled. South Sudan's independence in 2011 left that dispute unresolved too. By 2026, an interim United Nations security force had been present for 15 years.
  13. A proposed referendum stalled over who could vote. The majority Ngok Dinka population favors joining South Sudan, while Misseriya nomads who use the pastures favor Sudan. Amiet Market serves both communities. Violence between Ngok Dinka and neighboring Twic Dinka communities, alongside other armed groups, already complicates civilian security in the jointly administered territory.
  14. Drone attacks are damaging critical infrastructure across Sudan. UN spokesperson Stéphane Dujarric warned on October 20 that they're taking a devastating toll on communities already struggling through more than three years of conflict. His warning addressed the wider danger surrounding the market attack.
  15. Nobody has produced evidence identifying who launched the attack on Amiet Market. Ngor's estimate of at least 153 deaths remains provisional. No date has been announced for an investigation result or an aid assessment.

Quellen

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