Justiz · Bleivergiftung in einem Kindergarten

Betreiberin eines Kindergartens in China erhält wegen Servierens giftiger Lebensmittel an Kinder lebenslange Haft

Das erstinstanzliche Urteil bestraft sechs Angeklagte wegen bleiverseuchter Mahlzeiten in Tianshui. Die langfristige Gesundheit der Kinder, Entschädigungsfragen und separate Aufsichtsverfahren sind weiterhin ungeklärt.

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Eine Entscheidung, Kindergartenmahlzeiten Anfang 2024 farbenfroher aussehen zu lassen, hat nun zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe geführt. Am 16. Oktober 2026 verurteilte das Mittlere Volksgericht Lanzhou die Betreiberin Li Huifang und fünf weitere Personen wegen der Herstellung und des Verkaufs giftiger oder gesundheitsschädlicher Lebensmittel im Heshi-Peixin-Kindergarten in Tianshui, China. Das erstinstanzliche Urteil begründet die strafrechtliche Verantwortung in einem Vergiftungsfall, von dem mehr als 200 Kinder betroffen waren; es klärt nicht abschließend, welche Versorgung und Entschädigung diese Kinder benötigen werden. 31 36

Das Gericht stellte fest, dass Li und die geschäftsführende Leiterin Zhu Jinglin Küchenkräfte angewiesen oder veranlasst hatten, giftige, nicht für den Verzehr bestimmte Zutaten zu den Mahlzeiten für Kinder und Beschäftigte des Kindergartens im Bezirk Maiji in der Provinz Gansu hinzuzufügen. Es bezeichnete die Umstände als besonders schwerwiegend. Dies war die Feststellung einer vorsätzlichen rechtswidrigen Lebensmittelherstellung und kein ungeklärter Küchenunfall. 36

Li wurde zu lebenslanger Freiheitsstrafe, lebenslangem Entzug der politischen Rechte und der Einziehung von persönlichem Vermögen im Wert von 500,000 Yuan verurteilt. Zhu erhielt eine 15-jährige Haftstrafe und eine Geldstrafe von 300,000 Yuan. Vier Küchenkräfte – Niu Aiyuan, Wen Yafang, He Xuxia und An Chunling – erhielten Haftstrafen von sechs bis acht Jahren sowie Geldstrafen. Die von Xinhua wiedergegebene, dem Gericht zugeschriebene Mitteilung nennt keine individuelle Haftstrafe oder Geldstrafe für die einzelnen Küchenkräfte. 36

Die finanziellen Sanktionen müssen genau eingeordnet werden: Lis Vermögenseinziehung ist keine Geldstrafe, und weder diese Einziehung noch Zhus Geldstrafe ist als Entschädigungszahlung an die Familien dokumentiert. In der Mitteilung wird das Urteil außerdem als erstinstanzlich bezeichnet; ob einer der Angeklagten Berufung eingelegt hat, ist nicht geklärt. 36

Wie Farbe in die Küche kam

Die im Juli 2025 veröffentlichte Untersuchung der Provinz führte die Entscheidung auf die Bemühungen des Kindergartens zurück, mehr Kinder zu gewinnen. Zhu wollte optisch ansprechendere Speisen, Li stimmte zu, und eine Köchin wurde angewiesen, Farbstoff zu kaufen. Fotos und Videos der Mahlzeiten wurden zu Werbezwecken verbreitet. Dieses Motiv der Anwerbung stammt aus der früheren Untersuchung und nicht aus einer ausführlichen Darstellung der Werbeaktivitäten in der Mitteilung zur Urteilsverkündung. 31

He Xuxia kaufte am 23. April 2024 und erneut am 20. Februar 2025 gelbe, rote und grüne Farbstoffe im Internet. Auf der Verpackung stand ausdrücklich, dass sie nicht essbar seien. Dennoch mischten Niu und Wen die Farbstoffe in Mehl für Maiswurstrollen und dreifarbige Dampfkuchen mit roten Datteln. Von Mai 2024 bis zum Vorfall wurden diese Speisen Kindern und Beschäftigten durchschnittlich sechsmal im Monat serviert. Diese Häufigkeit belegt nicht, wie viele Portionen ein bestimmtes Kind gegessen hat. 13

Die wichtigsten Fakten

  1. 1,052 mg/kgBlei in zurückbehaltenem Dampfkuchen 2726
  2. 1,340 mg/kgBlei in zurückbehaltener Wurstrolle 2726
  3. ≤0.5 mg/kgZulässiger nationaler Höchstwert für Blei in Lebensmitteln 26

Die Lebensmitteltests machten die Verunreinigung konkret. Eine zurückbehaltene Frühstücksprobe des Kuchens enthielt 1,052 Milligramm Blei pro Kilogramm; eine zurückbehaltene Wurstrolle vom Abendessen enthielt 1,340. Der geltende nationale Grenzwert lag bei höchstens 0.5 Milligramm pro Kilogramm. Dies sind Konzentrationen in Lebensmitteln – keine Bluttestergebnisse und keine Messwerte für die Dosis, der ein einzelnes Kind ausgesetzt war. 27 26

Die Ermittler untersuchten auch andere mögliche Quellen. Unter 93 Probenchargen im Kindergarten waren 19 Chargen zurückbehaltener Mahlzeiten und 36 Chargen von Zutaten. Abgesehen von den beiden genannten Speisen hielten die zurückbehaltenen Mahlzeiten die nationalen Bleigrenzwerte ein; das galt auch für alle 36 Chargen von Zutaten. Zwei Chargen Trinkwasser erfüllten die angeführten Normen. Eine Untersuchung der Umgebungsluft, des Oberflächenwassers, des Grundwassers und des Bodens ergab in den untersuchten Gebieten und Proben keine Bleibelastung. Diese Befunde stützen den Fokus der Untersuchung auf die zugesetzten Farbstoffe, beweisen aber nicht, dass es anderswo keinerlei denkbare Exposition gab. 26 23

Als die Polizei am 1. Juli 2025 den Kindergarten betrat, versteckten He und An laut der Untersuchung der Provinz die verbliebenen Farbstoffe. Zwei Tage später stellte die Polizei sie sicher. Die Untersuchung dokumentierte damit nicht nur eine unsichere Zutat, sondern auch ihren Kauf, ihre wiederholte Verwendung und den Versuch, sie zu verbergen. 13

Die unbeachteten Warnzeichen

Die medizinischen Zahlen zu den Kindern erfordern eine genauere Betrachtung, als eine einzelne Schlagzeilenzahl zulässt. Bis zum 7. Juli 2025 um 22:00 Uhr waren alle 251 angemeldeten Kinder untersucht worden. Die am folgenden Tag veröffentlichte Mitteilung verzeichnete 233 auffällige Blutbleiwerte und 18 normale Ergebnisse. Das ist eine Momentaufnahme der Tests zu einem bestimmten Zeitpunkt, keine abschließende Bilanz der Gesundheitsschäden. 27

Xinhua bezeichnete in seiner Berichterstattung zur Untersuchung vom 20. Juli 2025 und in seinem Bericht zur Urteilsverkündung vom 17. Oktober 2026 insgesamt 247 Vorschulkinder als vergiftet. Im Bericht von Lianhe Zaobao zur Urteilsverkündung war von 233 Kindern mit auffälligen Blutbleiwerten die Rede. Die vorliegenden Berichte erklären die Differenz von 14 Kindern nicht und belegen auch nicht, ob erneute Tests, eine andere Personengruppe oder eine geänderte Einstufung dafür verantwortlich sind. Ein auffälliges Testergebnis und eine Vergiftungsdiagnose sind keine austauschbaren Beschreibungen. 17 4 1

Die Mitteilung des Gerichts enthält keine abschließende medizinische Aufschlüsselung. Sie belegt weder, dass alle betroffenen Kinder gleich schwer beeinträchtigt waren, noch, dass sich ein bestimmtes Kind erholt hat oder bleibende Entwicklungsbeeinträchtigungen bestätigt wurden. Diese Einschränkungen sind wichtig, weil es in dem Fall um die Gesundheit von Kindern geht und nicht nur um eine Zahl im Zusammenhang mit einer Verurteilung. 36

Warnzeichen gab es bereits lange vor der öffentlichen Reaktion. Ermittler stellten fest, dass das Zweite Volkskrankenhaus Tianshui zwischen Mai 2024 und Juni 2025 bei sieben Kindergartenkindern auffällige Blutbleiwerte festgestellt hatte. Die Befunde von zwei Kindern wurden nach unten korrigiert: Ein Wert wurde von 292.37 auf 42.37 Mikrogramm pro Liter geändert, ein weiterer von 440.14 auf 103. Die Befunde der fünf übrigen Kinder in dieser Gruppe wurden nicht verändert. Diese Messwerte beziehen sich auf Blut und sind von den Konzentrationen in den Lebensmitteln zu unterscheiden. 14

Bei einem Kind war im November 2024 erstmals ein auffälliger Wert festgestellt worden; innerhalb von sechs Monaten folgten fünf weitere auffällige Ergebnisse. Dennoch brachte das Krankenhaus die sieben Fälle nicht systematisch miteinander in Verbindung und warnte den Kindergarten nicht. Die Ermittler stellten mangelhafte Leitung, unzureichende Qualitätskontrollen im Labor, unzureichende Schulungen und die direkte Veränderung von Ergebnissen anstelle der vorgeschriebenen Wiederholungstests fest. Das Versagen beschränkte sich nicht auf zwei gefälschte Befunde: Wiederkehrende Auffälligkeiten bei Kindern desselben Kindergartens lösten keine Warnung aus. 14

Auch die Blutbleidaten der Gesundheitsbehörde der Provinz waren nach den Ermittlungen stark verfälscht; zudem gab es schwerwiegende Verfahrensverstöße. In Berichten vom Juli 2025 wurde zwischen 17 Personen, gegen die Disziplinarermittlungen eingeleitet wurden, und zehn weiteren Amtsträgern unterschieden, gegen die wegen Versäumnissen bei der Aufsicht Rechenschaftsverfahren liefen. Diese Verfahren bedeuten nicht, dass 27 Personen verurteilt wurden; ihre detaillierten Ergebnisse sind auch nicht durch das Urteil gegen die sechs Angeklagten aus dem Kindergarten geklärt. 21 35 32

Eine Strafe ist keine Wiedergutmachung

Tianshui genehmigte bereits am 20. Juli 2025, lange vor der Urteilsverkündung, einen Plan für Behandlung und Unterstützung. Zu den erfassten Personen gehörten 251 angemeldete Kinder, 48 Kinder, die 2024 ihren Abschluss gemacht hatten, sowie 29 Beschäftigte; maßgeblich war ihre Anwesenheit zwischen dem 23. April 2024 und dem 30. Juni 2025. Die Unterstützung bezog sich auf auffällige Blutbleiwerte im Zusammenhang mit dem Vorfall sowie auf die anschließende Behandlung, Rehabilitation und Bildung. Diese Anspruchsgruppen dürfen nicht addiert und als bestätigte Zahl der Vergiftungsopfer ausgegeben werden. 15 33

Der Plan sagte eine zeitnahe Behandlung und Rehabilitation, bevorzugten Zugang zu medizinischen Ressourcen, eine von nationalen Fachleuten geleitete Versorgung und psychologische Beratung zu. Außerdem sah er finanzielle und schulische Unterstützung, Rechtsberatung, ein Servicezentrum zum Schutz der Rechte sowie zuständige Amtsträger vor, die die Hilfe koordinieren und den Kontakt zu den Familien halten sollten. Für die Umsetzung war in erster Linie der Bezirk Maiji verantwortlich. Der Kindergarten wurde vorübergehend unter die Leitung des Experimentellen Kindergartens Tianshui gestellt. 52 53 55

Diese Zusagen sind umfangreich, belegen aber nicht, dass die Leistungen tatsächlich erbracht wurden. Aus den verfügbaren Bestimmungen gehen weder ein bestätigter Zeitplan für kostenlose Leistungen noch eine festgelegte Dauer der Nachsorge, die Übernahme sämtlicher Kosten, Entschädigungssummen oder bereits erfolgte Zahlungen hervor. Auch die langfristigen medizinischen Folgen für die Kinder sind in der Berichterstattung nicht geklärt. 52 55 36

Die Strafen beantworten die Frage, wer strafrechtlich für das Servieren der giftigen Lebensmittel verantwortlich war. Entscheidend bleibt, ob die Kinder eine verlässliche medizinische Nachsorge und die ihnen zugesagte Unterstützung erhalten – und ob die separaten Versäumnisse bei Untersuchungen und Aufsicht ebenfalls Konsequenzen haben. Eine lebenslange Freiheitsstrafe klärt keine dieser Fragen.

Wie ausgestrahlt 27 Zeilen
  1. A kindergarten served sausage rolls containing 1,340 milligrams of lead per kilogram.
  2. The operator has received a life sentence, and five others are going to prison. More than 200 children were affected. The case exposes how toxic pigment entered everyday meals, and how medical safeguards failed to stop the exposure.
  3. Heshi Peixin Kindergarten served the meals in Tianshui's Maiji district, in Gansu province. Lanzhou Intermediate People's Court sentenced the six defendants on October 16, 2026. All were convicted of producing and selling toxic or harmful food.
  4. The court found that operator Li Huifang and executive principal Zhu Jinglin directed or arranged for kitchen workers to add toxic non-food ingredients. Children and employees ate the food. The court described the circumstances as particularly serious.
  5. Li received life imprisonment and lost her political rights for life. The court ordered confiscation of 500,000 yuan in personal property. Zhu received 15 years in prison and a separate 300,000-yuan fine.
  6. The four kitchen workers are Niu Aiyuan, Wen Yafang, He Xuxia and An Chunling. Their prison terms range from six to eight years, and each received a fine. The court announcement gives the range without assigning an individual term or fine amount to each worker.
  7. Zhu wanted brighter-looking meals to attract students. Provincial investigators traced that decision to early 2024. Li agreed, a cook was told to buy pigment, and photographs and videos of the food circulated for promotion.
  8. He Xuxia bought pigment online on April 23, 2024, and again on February 20, 2025. The purchases included 1,200 grams of yellow, 1,000 grams of red and 900 grams of green. Yellow and red cost 6.12 yuan per hundred grams. Green cost 6.88 yuan.
  9. The packaging explicitly warned that the pigments weren't edible. Niu and Wen mixed them into flour for corn sausage rolls and three-colour red-date steamed cakes. From May 2024 until the incident, these foods were served about six times a month.
  10. Children and staff received those meals. That frequency doesn't tell us how much any one person ate. When police entered the kindergarten on July 1, 2025, He and An hid the remaining pigments. Police recovered them two days later: 458 grams of red, 57 grams of yellow and 444 grams of green.
  11. The national food limit was half a milligram of lead per kilogram. A retained breakfast cake contained 1,052 milligrams per kilogram. A retained dinner sausage roll contained 1,340. These measurements describe lead in the food.
  12. Investigators also checked other possible sources. They sampled 93 batches at the kindergarten, including 19 retained-meal batches and 36 ingredient batches. Apart from those two foods, the retained meals met national lead limits. All 36 ingredient batches met them too.
  13. Two drinking-water batches met the cited standards. Investigators also found the surrounding air, surface water, groundwater and soil within environmental standards. Their survey identified no lead pollution, supporting the investigation's focus on the added pigments.
  14. Air lead measured between 0.006 and 0.026 micrograms per cubic metre. Groundwater lead wasn't detected. Two soil measurements were 24.6 and 27.6 milligrams per kilogram, below the relevant screening level. Those results describe the places and samples examined.
  15. All 251 enrolled children had been tested by July 7, 2025. The initial announcement counted 233 abnormal blood-lead results and 18 normal results. Later coverage described 247 preschoolers as poisoned, a count 14 higher.
  16. Nobody has explained how those two totals fit together. An abnormal test and a poisoning diagnosis describe different things, and the court announcement doesn't give a final medical breakdown. The children’s individual severity and lasting effects remain unclear.
  17. Seven kindergarten children had already shown abnormal blood lead at Tianshui Second People's Hospital between May 2024 and June 2025. Investigators found that two children's results were altered downward. The other five children's reports weren't altered.
  18. One blood-lead result changed from 292.37 to 42.37 micrograms per litre. Another changed from 440.14 to 103. These were alterations to blood-test results, separate from the lead concentrations measured in food.
  19. One child first tested abnormal in November 2024, then had five further abnormal results within six months. The hospital failed to connect the seven cases or warn the kindergarten. Investigators found poor management, weak laboratory quality control and inadequate training. Staff changed results directly instead of carrying out required repeat testing.
  20. The provincial disease-control agency's blood-lead data were also seriously distorted, with procedural violations and tampering identified. Seventeen people were placed under disciplinary investigation. Another ten officials faced accountability proceedings over failures of oversight.
  21. The seventeen included twelve hospital and disease-control personnel, plus five others. Among those five were Maiji education bureau director He Xu and market-regulation bureau director Zhang Haibin. A provincial team formed on July 12 brought together health, education, police and other authorities, with national experts and central food-safety supervision.
  22. Six arrests announced that July led to the six kindergarten defendants now convicted. The separate official-accountability proceedings have their own outcomes still to come. The judgment against the kindergarten defendants was issued at first instance, and no appeal decision has been announced.
  23. Tianshui approved a treatment-and-support plan on July 20, 2025. It promised timely care and rehabilitation, priority medical resources, treatment guided by national experts and psychological consultation. Its commitment was to ensure everyone needing treatment received it.
  24. The eligibility groups included 251 enrolled children, 48 children who graduated in 2024 and 29 staff. The attendance period ran from April 23, 2024, through June 30, 2025. Coverage applied to incident-related abnormal blood lead and subsequent treatment, rehabilitation and education.
  25. The plan also promised financial and education support, along with legal services. Designated officials were to coordinate care, explain policy, record family requests and maintain contact. A rights-protection service centre was prescribed within the Maiji District Education Bureau.
  26. Maiji district was assigned primary responsibility, with a dedicated team and detailed implementation rules. Municipal departments were directed to coordinate, strengthen routine supervision and build longer-term prevention. The kindergarten was placed under temporary management by Tianshui Experimental Kindergarten.
  27. The sentences fix criminal responsibility for serving the toxic food. Families still face unresolved medical and financial consequences. The children's long-term outcomes, the assistance actually delivered and any compensation paid haven't been made clear.

Quellen

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