Justiz · Durchsetzung der Bürgerrechte

Dhillons Bürgerrechtsabteilung ändert den Kurs, während Anwälte die Behörde verlassen

Mitarbeiter berichten von Hunderten Abgängen und Rückzügen des Bundes aus Dutzenden Fällen. Das Justizministerium widerspricht ihrer Darstellung; Gerichtsakten zeigen zugleich Rückschläge bei der Durchsetzung und weiterhin laufende Verfahren wegen Behinderung.

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Wird einer Person die Mitfahrt verweigert, weil sie einen Assistenzhund oder einen Rollstuhl nutzt, kann die Durchsetzung der bundesweiten Bürgerrechtsgesetze bedeuten, dass die Regierung eine Beschwerde verfolgt, für die die Person sonst selbst kämpfen müsste. Wird eine Untersuchung eingestellt oder zieht das Justizministerium seine Rechtsposition in einem Verfahren zurück, schwindet diese Unterstützung durch den Bund – selbst wenn der zugrunde liegende Anspruch der Person bestehen bleibt.

Das steht bei den Umwälzungen in der Bürgerrechtsabteilung des Justizministeriums konkret auf dem Spiel. Ein NPR-Bericht vom 11. Oktober 2026 beschreibt eine veränderte Durchsetzungsagenda unter Abteilungsleiterin Harmeet K. Dhillon, den Weggang Hunderter Anwälte und Berichte von Beamten über Untersuchungen und gerichtliche Interventionen, die in Dutzenden Fällen aufgegeben wurden. Das Ministerium widerspricht der Darstellung der Beamten zu den Folgen und bestreitet, seine Einstellungspraxis geändert zu haben. Dhillon betont, die Abteilung setze die Bürgerrechtsgesetze für alle gleichermaßen durch. 1

Die Aktenlage stützt weder die Behauptung, die Abteilung habe jede herkömmliche Durchsetzung eingestellt, noch die Zusicherung, ihre frühere Arbeit gehe unverändert weiter. Eine Klage wegen fehlender Barrierefreiheit gegen Uber hat einen Antrag auf Abweisung überstanden. Die Antisemitismusklage der Regierung gegen Harvard nicht. Diese konkreten Verfahren helfen dabei, die Entscheidungen der Abteilung zu überprüfen, können aber nicht bemessen, welche Arbeit sie aufgegeben hat. 14 25

Eine veränderte Belegschaft, deren Umfang sich nicht verlässlich beziffern lässt

Laut NPR schätzen amtierende und ehemalige Mitarbeiter, dass nach Donald Trumps Rückkehr ins Amt etwa 300 Anwälte die Abteilung verlassen haben. Das Justizministerium erklärt, es habe etwa 130 Ersatzanwälte eingestellt. Mitarbeiter berichten außerdem, während der Abgangswelle hätten bis zu 80 % der Beschäftigten der Abteilung die Behörde verlassen. Dies sind zugeschriebene Angaben, keine verifizierte Zählung des heutigen Personalbestands. 1

Die wichtigsten Fakten

  1. Etwa 300Von amtierenden und ehemaligen Mitarbeitern geschätzte Abgänge von Anwälten 1
  2. Etwa 130Laut Justizministerium eingestellte Ersatzanwälte 1

Für die Gesamtzahlen der Anwälte und den Prozentsatz für alle Beschäftigten fehlen ein belegter gemeinsamer Nenner und ein genau angegebener Erhebungszeitraum. Sie voneinander abzuziehen und daraus eine genaue Zahl unbesetzter Stellen abzuleiten, würde eine nicht belegte Präzision vortäuschen. Entscheidender sind die fehlenden Zahlen zum Personalbestand in den einzelnen Durchsetzungsbereichen, zur dort verbliebenen Erfahrung und zu den Fällen, die Ersatzanwälten übertragen wurden.

Über die Abgänge wurde bereits lange vor diesem Bericht vom Oktober berichtet. In einer NPR-Schlagzeile vom 19. Mai 2025 hieß es, 70 % der Anwälte der Abteilung würden die Behörde verlassen. Das war ein früherer Bericht über Anwälte, keine konkurrierende aktuelle Schätzung der gesamten Belegschaft; der numerische Nenner und die Zählmethode sind hier nicht belegt. 8

Der Streit über die Einstellungen ist ungelöst. NPR beschreibt, dass ideologische Verbündete ausscheidende Mitarbeiter ersetzten; Beamte sagen, die Einstellungspraxis sei geändert worden, während das Ministerium dies bestreitet. Aus der verfügbaren Berichterstattung gehen weder die genauen Auswahlverfahren noch Änderungen bei der Prüfung durch Laufbahnbeamte oder die umstrittenen politischen Auswahlkriterien hervor. Sie stützt daher eine Kontroverse über die Arbeitsweise der Institution – nicht die Feststellung, dass Einstellungsrecht verletzt wurde. 1

Die politische Ausrichtung ist klarer als das Auswahlverfahren. In einem Bericht vom 16. September 2026 beschrieb Bloomberg Law Dhillons Prioritäten als den Schutz von Waffenbesitzern und den Kampf gegen illegale Einwanderung. Diese datierte Beschreibung hilft, die Agenda der Regierung zu verstehen; sie belegt nicht, dass jeder Bereich der Abteilung diese Ziele verfolgt oder dass alle Diskriminierungsfälle verdrängt wurden. 4

Ein Rückzug ist nicht dasselbe wie eine Niederlage

Vier amtierende und ehemalige Mitarbeiter der Abteilung sagten NPR, nach Trumps Rückkehr ins Amt seien in Dutzenden Fällen Untersuchungen eingestellt und Stellungnahmen des Bundes zurückgezogen worden. Eine vollständige Aufstellung oder separate Gesamtzahlen für die beiden Kategorien liegen nicht vor. Auch die Zahl der Personen, deren Ansprüche betroffen waren, ist unbekannt. 1

Diese Unterschiede sind wichtig. Wird eine Untersuchung beendet, endet damit die betreffende bundesweite Ermittlung. Eine Stellungnahme ermöglicht es der Regierung, ihre Rechtsauffassung in einem Verfahren anderer Parteien darzulegen; ihr Rückzug lässt die Klage nicht automatisch fallen und belegt nicht, dass das Verfahren beendet wurde. Der Verlust einer eigenen Klage der Regierung ist ein dritter, anderer Vorgang. Alle drei in einer Zahl gescheiterter Bürgerrechtsfälle zusammenzufassen, würde verschleiern, was den Betroffenen tatsächlich widerfahren ist.

NPR berichtet, dass Richter mehr als zwei Dutzend Klagen des Justizministeriums abwiesen, mit denen Bundesstaaten zur Herausgabe von Wählerinformationen aufgefordert wurden. Das ist ein erheblicher, berichteter Rückschlag; die einzelnen Verfahren und Gründe für die Abweisungen sind hier jedoch nicht belegt. Aus der Zahl lässt sich weder ableiten, dass alle Richter dasselbe Argument zurückwiesen, noch dass jede Abweisung in der Sache entschied oder alle derartigen Verfahren beendet sind. 1

Der Fall Harvard ist ein genaueres Beispiel. Am 20. März 2026 reichten die Vereinigten Staaten vor dem Bundesbezirksgericht für Massachusetts eine Klage zur Durchsetzung von Title VI gegen President and Fellows of Harvard College ein, Aktenzeichen 26-11352-RGS. Am 13. August gab Richter Richard G. Stearns Harvards Antrag auf Abweisung nach Rule 12(b)(6) der Federal Rules of Civil Procedure statt, weil keine Klage dargelegt worden sei, auf die ein Anspruch gestützt werden könne. 14 16

The Harvard Crimson berichtete, Stearns habe die angeführten antisemitischen Vorfälle als „zu vereinzelte und sporadische Ereignisse“ bezeichnet, um den behaupteten Verstoß zu belegen. Es handelte sich um eine eigene Durchsetzungsklage der Regierung – nicht um eine Klage von Studierenden und auch nicht um Harvards separate Anfechtung der Kürzungen von Bundesmitteln. 23 14

Eine Abweisung auf Grundlage der Klageschrift ist kein Urteil nach einer Verhandlung, in der alle Beweise vorgelegt wurden. Sie belegt weder, dass es keine antisemitischen Vorfälle gab, noch, dass jüdische Studierende keine berechtigten Anliegen hatten. Ob die Regierung ihre Klage ändern durfte, ob die Abweisung mit endgültiger Wirkung erfolgte und ob Berufung eingelegt wurde, ist nicht belegt. Die belegte Schlussfolgerung ist enger gefasst: Diese Klage der Regierung scheiterte. 14 23

Die Durchsetzung, die weitergeht

Das Verfahren gegen Uber ist ein konkretes Gegenbeispiel zu jeder Behauptung, die Durchsetzung sei vollständig aufgegeben worden. Die Regierung reichte am 11. September 2025 im Northern District of California die Klage United States v. Uber Technologies, Inc., Nr. 3:25-cv-07731, ein. Das Justizministerium gab die Klage am folgenden Tag bekannt. 24 26 28

In der Klage werden Verstöße gegen Title III des Americans with Disabilities Act behauptet, die Fahrgäste betreffen, die Assistenztiere oder Mobilitätshilfen wie zusammenklappbare Rollstühle nutzen. Vorgeworfen werden regelmäßige Beförderungsverweigerungen, unzulässige Gebühren und das Versäumnis, Richtlinien angemessen anzupassen, um Diskriminierung aufgrund einer Behinderung zu verhindern. Dabei handelt es sich weiterhin um Vorwürfe, nicht um Feststellungen, dass Uber haftbar ist. 26 27

Am 6. Februar 2026 lehnte das Justizministerium Ubers Antrag auf Abweisung ab; Dhillon wurde dabei als Assistant Attorney General aufgeführt. Ein Gerichtsbeschluss weist den Antrag zurück: Die Klage überstand einen Antrag auf Abweisung, doch damit hat die Regierung den Fall nicht gewonnen. Die wiederhergestellten Informationen aus dem Gerichtsregister reichen bis zu einer Eingabe vom 11. August und einer Aktualisierung vom 12. August; einen vollständigen Verfahrensstand zum 11. Oktober belegen sie nicht. 31 25 28

Davon zu unterscheiden ist die Klage vom 10. November 2021, die sich gegen behinderungsbezogene Wartezeitgebühren für Fahrgäste richtete, die mehr als zwei Minuten brauchten, um in ein Fahrzeug einzusteigen. Dazu zählte auch die Zeit, die nötig war, um einen Rollstuhl oder Rollator zusammenzuklappen und zu verstauen. Ein Vergleichsdokument nennt für das ältere Verfahren das Aktenzeichen 3:21-cv-08735-WHA; Datum und Bedingungen des Vergleichs sind in den verfügbaren Auszügen jedoch nicht belegt. Die neueren Vorwürfe zur Zugänglichkeit der Fahrten sollten nicht als bereits beigelegtes oder bewiesenes Verhalten behandelt werden. 30 33

NPR berichtet außerdem, dass die Durchsetzung im Wohnungsbereich teilweise weiterging, doch die verfügbaren Informationen nennen weder die Beklagten noch die Vorwürfe oder Ergebnisse. Weder ein nicht näher beschriebenes Portfolio im Wohnungsbereich noch ein einzelner weitergeführter Fall zur Zugänglichkeit liefert ein Maß für die Gesamtarbeitslast der Abteilung. Ebenso belegen die Berichte über Abgänge und Rückzüge nicht, dass der Schutz im Bereich Behinderung und Wohnen vollständig eingestellt wurde. 1

Quellen für diesen Bericht

NPR: Bericht vom 11. Oktober über die Arbeit und Belegschaft der Abteilung. Nachdrucke: Georgia Public Broadcasting und Montana Public Radio. 1 2 3

Bloomberg Law: Bürgerrechte neu gestaltet nach Trumps Vorstellung vom Justizministerium. 4

Red Line for Civil Rights: Rückwärts arbeiten. The Atlantic: Harmeet Dhillon verliert keine Zeit. Los Angeles Times: „Komplette Kehrtwende“. 5 6 7

NPR: Bericht vom 19. Mai 2025 über den Weggang von Juristen und Bericht vom 12. Mai 2025 über die Abwanderung von Anwälten. 8 13

Verwandte Zusammenfassungen und Berichterstattung: Newsgather; WDC News 6; Particle; The New Republic; DNYUZ. 9 10 11 12 34

Kopien des Gerichtsbeschlusses im Harvard-Verfahren: CourtListener, Courthouse News und zwei Dokumente von PACERMonitor. 14 16 17 21

Berichte über die Abweisung der Harvard-Klage: NPR, CBS News, PBS News, CNN, Inside Higher Ed und The Harvard Crimson. 15 18 19 20 22 23

Neueres Verfahren gegen Uber: Fallseite des Justizministeriums, Abweisungsbeschluss, Ankündigung, Klageschrift und Erwiderung auf den Antrag auf Abweisung. 24 25 26 27 31

Gerichtsunterlagen und Berichte zum Uber-Verfahren: CourtListener, Civil Rights Litigation Clearinghouse und Associated Press. 28 29 32

Älteres Uber-Verfahren zu Wartezeitgebühren: Fallseite des Justizministeriums und Vergleichsdokument. 30 33

Wie ausgestrahlt 15 Zeilen
  1. A federal judge dismissed the government's antisemitism complaint against Harvard. Across the Civil Rights Division, officials describe dozens of investigations and court interventions being dropped as hundreds of lawyers leave. Those decisions affect people seeking federal protection from discrimination. The unresolved question is whose complaints still receive that protection, and whose have lost it.
  2. Harmeet Dhillon says the division enforces civil-rights laws equally. She directs that work under President Donald Trump. But current and former division officials describe a retreat from investigations and court participation, and the Justice Department disputes how they describe the effects.
  3. Protecting gun owners and fighting illegal immigration were among Dhillon's priorities described in September. Those priorities help explain the changed agenda, though individual sections handle different work. Officials also say hiring practices changed as ideological allies replaced departing staff. The department denies changing its hiring practices. That dispute hasn't been resolved, and the specific selection procedures haven't been explained.
  4. Current and former officials estimate about 300 attorneys left after Trump returned to office. The department says it hired about 130 replacements. Officials also put staff departures during the exit wave at up to 80 percent. Those figures count different groups.
  5. The figures don't tell us how many people work there now, or which enforcement sections retained experienced lawyers. A May 2025 estimate put the share of division lawyers leaving at 70 percent. That earlier lawyer-only estimate covers a different population from the later staff figure. Former attorneys Christy Lopez and Dena Robinson are among those discussing departures, institutional knowledge, hiring and enforcement.
  6. Four current and former officials describe dozens of cases affected by dropped investigations or withdrawn statements of interest. A statement of interest lets the federal government present its legal position in someone else's case. Withdrawing it leaves the underlying proceeding to continue.
  7. Ending an investigation stops that federal inquiry. Withdrawing a legal position removes the government's participation in that form. A judge dismissing a lawsuit has a different consequence again. For someone seeking protection, those decisions determine whether federal investigators keep working and whether the government brings its legal authority into court.
  8. Judges have reportedly dismissed more than two dozen Justice Department lawsuits demanding voter information from states. That puts a concrete setback alongside the division's changed priorities. The reasons for those dismissals aren't clear case by case.
  9. Each ruling would have to be examined to understand what authority the government invoked and why its lawsuit failed. The reported count alone can't show whether judges reached the same legal conclusion. The Harvard complaint provides a more specific example of an enforcement effort rejected in court.
  10. The government sued Harvard on March 20 under Title Six, the federal civil-rights law governing discrimination in federally funded programs. On August 13, Judge Richard G. Stearns granted Harvard's dismissal motion because the government's complaint failed to state a claim.
  11. Stearns described the cited antisemitic incidents as “too isolated and episodic” to show the violation alleged. He assessed whether the complaint made a legally sufficient case before trial. His ruling concerned the government's own enforcement action. Harvard's challenge to federal funding cuts is a separate lawsuit. The dismissal settled the sufficiency of this complaint, leaving the broader disputes over Harvard and antisemitism beyond that decision.
  12. The government also pursued a disability-access case against Uber. It alleges passengers using service animals or mobility devices, including stowable wheelchairs, were routinely refused rides. The complaint also alleges impermissible charges and policies that Uber failed to reasonably change to prevent disability discrimination.
  13. The government brought those allegations under the Americans with Disabilities Act. Uber's liability hasn't been decided. An older lawsuit, filed in November 2021, challenged disability-related wait-time fees. It concerned passengers who needed more than two minutes to enter a vehicle, including time to dismantle and store a wheelchair or walker. The newer case addresses ride access and the conduct alleged in that complaint.
  14. The newer suit was filed September 11, 2025, in Northern California. The department defended it against dismissal on February 6, with Dhillon listed as its civil-rights chief. The court denied Uber's motion. Another filing followed on August 11. Its precise status now isn't clear.
  15. Some housing enforcement has continued too. But those continuing matters don't measure the division's overall workload. Federal protection still reaches some disability and housing claims, while officials describe other work being abandoned. A complete case-by-case accounting of the withdrawals is still missing, leaving their consequences for affected people unclear.

Quellen

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