Konflikte · Stromnetz der Ukraine
Ukraine schließt nach neuem russischem Angriff auf Stromnetz mehr als 500.000 Verbraucher wieder an
Nach Russlands jüngstem Angriff auf das Stromnetz waren bis zum Morgen mehr als 500.000 Stromkundenanschlüsse wieder angeschlossen. Die Gesamtzahl der landesweiten Stromausfälle und der Reparaturzeitplan sind weiterhin unbekannt.
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Bis zum Morgen des 17. Oktober waren in der Ukraine nach einem weiteren russischen Angriff auf das Stromnetz mehr als 500.000 Stromkundenanschlüsse wieder angeschlossen. Das ist eine beträchtliche Wiederherstellungsleistung – und dennoch keine Aussage darüber, wie viele Menschen weiterhin im Dunkeln saßen. Bis zum Abend hatten die ukrainischen Behörden weder eine landesweite Gesamtzahl der noch bestehenden Stromausfälle noch eine allgemeine Frist für die Reparaturen bekannt gegeben. 125 109
Der neue Angriff in der Nacht vom 16. auf den 17. Oktober 2026 richtete sich gegen mehr als 15 wichtige Anlagen zur Stromerzeugung und -übertragung in mehreren Regionen, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj. Er setzte sowohl die Stromerzeugung als auch das Netz unter Druck, das den Strom verteilt. Die Einschätzung stützt sich auf Aussagen des ukrainischen Präsidenten, des Militärs und der Energiebehörden; eine vollständige, unabhängig überprüfte Schadensbilanz für einzelne Anlagen liegt nicht vor. 5 170
Dies ist ein neuer Angriff und keine aktualisierte Fassung der Ausfallzahl aus unserem vorherigen Bericht. Am 16. Oktober berichtete HeyDay News über russische Angriffe und 600.000 Menschen ohne Strom. Die zugrunde liegende Einschätzung stammt vom 14. Oktober und umfasste Kyjiw, die umliegende Region Kyjiw und Charkiw – nicht allein die Stadt Kyjiw. Sie zählte mindestens 600.000 Verbraucher. Diese historische Zahl kann nicht als Zahl der nach der jüngsten Angriffswelle vom Netz getrennten Verbraucher fortgeschrieben werden. 65
Auch lassen sich die jüngsten Wiederanschlüsse nicht davon abziehen. Die beiden Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Angriffe und unterschiedliche Berichtszeitpunkte. Ein Verbraucher ist ein Stromanschluss, über den mehr als eine Person versorgt werden kann; die Zahl ist daher nicht mit der Zahl der Einwohner oder Haushalte gleichzusetzen. Die morgendliche Meldung zur Wiederherstellung belegt erhebliche Fortschritte, nennt aber keinen Ausgangswert, anhand dessen sich berechnen ließe, wie viele weiterhin keinen Strom hatten. 65 125
Ein Angriff auf das gesamte Stromsystem
Selenskyj nannte die Lage in Luzk, Riwne, Schytomyr, Winnyzja, Schepetiwka, Slawuta und Netischyn besonders schwierig. Außerdem meldete er Treffer auf Energieanlagen in den Regionen Charkiw, Kyjiw und Dnipro sowie andernorts. Seine Angabe von mehr als 15 bezieht sich auf angegriffene Anlagen, nicht auf eine bestätigte Zahl zerstörter Kraftwerke. Weder die verlorene Erzeugungskapazität noch die Schäden an den einzelnen Standorten sind festgestellt worden. 12 5
Das Energieministerium listete unabhängig davon Angriffe in der Nacht und am Morgen in zehn Regionen auf: Winnyzja, Wolyn, Donezk, Saporischschja, Schytomyr, Odesa, Riwne, Ternopil, Chmelnyzkyj und Charkiw. Das beschreibt die Reichweite der Angriffe auf Energieanlagen, nicht eine Karte der anhaltenden Stromausfälle. Es bedeutet nicht, dass alle Verbraucher in diesen Regionen die Versorgung verloren oder nach den Reparaturen weiterhin keinen Strom hatten. Ministerium und Präsidialamt verwendeten zudem unterschiedliche Berichtszeiträume und -umfänge, sodass ihre geografischen Listen keine konkurrierenden Bestandsaufnahmen sind. 124
Die Einschätzungen zur historischen Größenordnung des Angriffs gingen auseinander. Am 17. Oktober bezeichnete Sky News ihn als den größten Angriff auf den Energiesektor seit Kriegsbeginn; The Guardian sprach von einem der bislang schlimmsten Angriffe, während Channel 4 News ihn zu den schwersten bisherigen Angriffen zählte. Selenskyjs eigene, von Ukrinform und CGTN wiedergegebene Formulierung war enger gefasst: «einer ihrer größten». Die Belege stützen diese zugeschriebene Einschätzung, nicht jedoch einen unabhängig festgestellten Rekord für die Kriegszeit. 4 3 2 5 170
Channel 4 ordnete den Beschuss zeitlich nach dem Zusammenbruch der verkündeten Energie-Waffenruhe ein. Unabhängig von der Bezeichnung des Angriffs wurde das Stromsystem weiter beschädigt, während Reparaturen an früheren Schäden die Versorgungsbeschränkungen weiterhin mitbestimmten. 2 109
Die Abwehr verschonte das Stromnetz nicht
Die nächtliche Bilanz der ukrainischen Luftwaffe begann am 16. Oktober um 18 Uhr. Sie meldete 332 Drohnen, darunter 31 düsengetriebene Fluggeräte, sowie Raketen. Zu den Drohnen gehörten Fluggeräte vom Typ Shahed, S-8000 Banderol sowie Täuschkörper vom Typ Gerbera und Parodiya. Selenskyj beschrieb einen Zeitraum von zwölf Stunden, von 19 bis 7 Uhr, und zählte dabei mehr als 320 düsen- und benzinbetriebene Shaheds sowie weitere Waffen mit längerem Aufenthalt im Zielgebiet und Raketen. Das sind unterschiedliche Berichtszeiträume und Beschreibungen, keine exakte Gesamtzahl aller abgefeuerten Waffen. 38 12
Die Luftabwehr schoss nach Angaben der Luftwaffe 289 Drohnen ab oder setzte sie außer Gefecht, darunter 23 düsengetriebene Fluggeräte, und fing alle vier gemeldeten Kalibr-Marschflugkörper ab. Damit wurden 293 Luftziele neutralisiert. Das Ausschalten kann eine Waffe stoppen, ohne sie physisch abzuschießen; die Behauptung, alle 289 Drohnen seien zerstört worden, würde daher zu weit gehen. 38
Die vier Kalibrs waren nicht die gesamte Raketenwelle. Die Luftwaffe meldete außerdem ballistische Raketen vom Typ Iskander-M oder KN-23 und Marschflugkörper vom Typ Kh-22 oder Kh-32, ohne deren Abschusszahlen anzugeben. Ihrer Zusammenfassung zufolge wurden diese weiteren Raketentypen nicht abgefangen. Selenskyj sagte, die schwindenden Bestände an Flugabwehrwaffen erschwerten es, die nächtlichen Angriffe aufzuhalten, nannte jedoch weder den verbleibenden Munitionsbestand noch ein Datum, an dem dieser erschöpft sein könnte. 38 3
Die Luftwaffe registrierte Waffeneinschläge an 22 Orten; an weiteren drei Orten gingen abgefangene Ziele oder Trümmer nieder. Diese Zahlen beziehen sich auf den umfassenderen Angriff und geben nicht an, wie viele Kraftwerke beschädigt wurden. Ebenso lässt sich aus der Differenz zwischen den abgewehrten und den gestarteten Drohnen nicht auf die Zahl erfolgreicher Treffer schließen. Der Angriff umfasste weitere Waffen, und ein Fluggerät, das nicht als abgefangen aufgeführt ist, gilt nicht automatisch als bestätigter Treffer. 59
Wiederanschlüsse sind keine Reparaturfrist
Am 17. Oktober galten in mehreren Regionen Zeitpläne für Stromabschaltungen in Privathaushalten; landesweit galten zudem Einschränkungen der Stromkapazität für Industrie und Unternehmen. Die Einschränkungen gingen auf Schäden durch diesen und frühere Angriffe zurück und waren keine ermittelte Zuordnung sämtlicher Ausfälle zur jüngsten Angriffswelle. 109 113
Gemeldete Abschaltpläne für Haushalte betrafen Lwiw, Transkarpatien, Iwano-Frankiwsk, Riwne, Wolyn, Ternopil, Tscherniwzi und Chmelnyzkyj sowie weitere regionale Pläne in der Region Kyjiw, in Odesa und Dnipropetrowsk. Einige veröffentlichte Betriebszeitfenster reichten ungefähr von 6 Uhr morgens bis Mitternacht. Innerhalb dieser Zeitfenster konnten die Betreiber Verbrauchergruppen abwechselnd abschalten; das bedeutete nicht, dass jeder Haushalt den ganzen Tag ohne Strom sein würde. 109 111
Einige Zeitpläne sahen einzelne Unterbrechungen von bis zu etwa vier Stunden vor, doch die Dauer variierte je nach Region und die Zeitpläne konnten sich ändern. Es gibt keine belastbare landesweite Angabe zur Dauer der Stromausfälle in Privathaushalten – und eine geplante Unterbrechung ist für sich genommen keine Prognose, wie lange die Reparatur beschädigter Anlagen dauern wird. 106 113
Russland versucht, in der Ukraine einen Blackout herbeizuführen – kurz vor dem Winter. Russland versucht, Millionen unserer Menschen ohne Strom und Heizung zurückzulassen.
Das war Selenskyjs Warnung vor Russlands Absichten und den drohenden Gefahren, keine Mitteilung, dass derzeit Millionen Menschen ohne Strom oder Heizung seien. Er sagte, die Angriffe brächten die ukrainischen Reserven und Reparaturkapazitäten an ihre Grenzen. Die Energiearbeiter stellten die Versorgung überall dort wieder her, wo es die Sicherheitslage zuließ; Luftalarm und die Gefahr weiterer Angriffe erschwerten ihre Arbeit. 12 125
«Die Wiederherstellungsarbeiten laufen», sagte Selenskyj und beschrieb den Einsatz aller erforderlichen Dienste und der verfügbaren Ressourcen der Energieunternehmen. Dieser Unterschied ist wichtig: Wiederanschlüsse von Verbrauchern zeigen Fortschritte, belegen aber weder, dass alle beschädigten Anlagen repariert sind, noch, dass die Einschränkungen enden können. 170
Das nächste aussagekräftige Update muss klären, was die hohe Zahl der am Morgen wieder angeschlossenen Verbraucher nicht zeigt: Wie viele Anschlüsse sind noch ohne Strom, wie viel Erzeugungs- und Übertragungskapazität ist nicht verfügbar und wann können beschädigte Anlagen wieder in Betrieb genommen werden? Vorerst hatten mehr als eine halbe Million Stromkundenanschlüsse wieder Strom, andere waren weiterhin von Ausfällen und Einschränkungen betroffen, und die Einsatzkräfte mussten die Versorgung unter der fortbestehenden Gefahr eines weiteren Angriffs wiederherstellen. 125 109
Wie ausgestrahlt 27 Zeilen
- On October 16, we reported 600,000 without power. Now Russia has launched another attack on Ukraine's electricity system.
- President Volodymyr Zelenskyy says more than 15 critical energy facilities were targeted. The Energy Ministry says crews have restored electricity to more than 500,000 consumers, while others still face outages. How many remain disconnected, and how long will repairs take?
- The earlier outage figure covered Kyiv, the surrounding Kyiv region and Kharkiv. That assessment dates to October 14, two days before our broadcast. It counted at least 600,000 consumers across those areas.
- The new assault ran overnight from October 16 into October 17. Its restoration figures belong to a separate attack, so subtracting them from the older outage count won't tell us how many consumers still lack electricity.
- The Energy Ministry says more than 500,000 consumers had regained electricity by the morning update. A consumer is an electricity service account, which can serve more than one person. Crews were still repairing damaged networks.
- Zelenskyy identified the most difficult conditions in Lutsk, Rivne, Zhytomyr and Vinnytsia, and in Shepetivka, Slavuta and Netishyn. The attack put pressure on both electricity production and the network that carries power to consumers.
- Zelenskyy also identified hits on energy facilities in the Kharkiv, Kyiv and Dnipro regions. He described severe consequences. His more-than-15 figure counts facilities targeted; the damage sustained at each site is still unclear.
- The Energy Ministry listed attacks in ten regions overnight and that morning. They included Vinnytsia, Volyn, Donetsk, Zaporizhzhia and Zhytomyr, followed by Odesa, Rivne, Ternopil, Khmelnytskyi and Kharkiv. Those locations describe the reach of the attacks.
- The ministry and presidency covered different areas and reporting periods. Their lists don't measure how many consumers remained disconnected in each region after repairs.
- Whether this was the largest energy attack of the war is disputed. The descriptions range from the largest since the war began to among the heaviest. Zelenskyy's own assessment was more limited.
- Zelenskyy described a twelve-hour assault, from seven in the evening to seven the next morning. He counted more than 320 jet-powered and gasoline-powered Shaheds, alongside other loitering weapons, cruise missiles and ballistic missiles.
- The Air Force began its wider overnight count an hour earlier, at six in the evening. It counted 332 drones, including 31 jet-powered aircraft. The force also identified Shahed-type drones, S-8000 Banderol, Gerbera and Parodiya decoys.
- The Air Force says it shot down or suppressed 289 of the 332 drones, and intercepted all four Kalibr missiles. Together, that's 293 aerial targets neutralized. The drone total includes 23 jet-powered aircraft.
- Suppression can stop a weapon without physically shooting it down. The Air Force also reported Iskander-M or KN-23 ballistic missiles and Kh-22 or Kh-32 cruise missiles. It didn't give their launch totals, so the barrage included more than four missiles.
- The Air Force traced launches to several parts of Russia and occupied Ukrainian territory. Drones came from western and southern Russia, occupied Donetsk and Crimea. Kalibr missiles came from Novorossiysk, while ballistic and other cruise missiles approached from additional directions.
- The Air Force's summary claimed no interceptions of the ballistic missiles or the Kh-22 and Kh-32 missiles. Zelenskyy said dwindling stocks of anti-air weapons were making the nightly attacks harder to stop.
- The Air Force recorded weapon impacts at 22 locations, with intercepted targets or debris falling at another three. These totals cover the wider attack. They don't count damaged power plants, and the drone interception figures can't determine the number of successful strikes.
- Households faced scheduled power cuts on October 17, while industry and businesses faced electricity-capacity restrictions nationwide. The restrictions reflected damage from this attack and earlier strikes, adding to the pressure on an already constrained network.
- Household schedules covered Lviv, Zakarpattia, Ivano-Frankivsk, Rivne, Volyn, Ternopil, Chernivtsi and Khmelnytskyi. Regional schedules also applied in Kyiv region, Odesa and Dnipropetrovsk.
- Published household scheduling windows ran from about six in the morning until midnight. Operators rotated groups of consumers within those windows. Some schedules called for one to two-and-a-half groups disconnected at once, with individual interruptions up to about four hours.
- Actual interruptions varied by region, and schedules could change. A household listed within an all-day operating window wouldn't necessarily lose electricity for that entire period.
- Separate Russian airstrikes also hit civilian areas. Sloviansk's military administration initially reported one person killed and ten injured after bombs hit residential high-rises. Eight apartment buildings were damaged, including two that were partially destroyed, as rescuers searched for people beneath rubble.
- In Kherson, regional authorities reported an ambulance driver killed and at least 33 people wounded. A repeat strike hit after medics arrived. Those civilian attacks were separate from the drone-and-missile assault on energy infrastructure.
- Zelenskyy accused Russia of trying to leave millions without electricity and heating before winter. He said the attacks were stretching reserves and repair capacity. His warning describes the danger ahead; it gives no current nationwide count of people without those services.
- The assault followed the breakdown of the proclaimed energy ceasefire. Ukraine mobilized available energy-company resources and emergency services to restore supply, but air-raid alerts and the threat of further attacks complicated their work.
- Repair crews worked wherever security conditions allowed. More than half a million consumer accounts had been reconnected by the morning, while other consumers still faced outages and restrictions. That recovery was continuing as the threat of another strike remained.
- By the evening, Ukrainian authorities hadn't announced how many consumers remained disconnected nationwide. They also hadn't given an overall repair completion date. Crews still had to restore damaged infrastructure under the continuing threat of attack.
Quellen
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