Justiz · Schießerei, bei der Kohen Wiley getötet wurde

Mississippi erklärt Schusswaffeneinsatz bei der Tötung von Kohen Wiley für gerechtfertigt, lässt Beweislage aber unerklärt

Mississippi hat die Ermittlungen zu der Schießerei, bei der Kohen Wiley getötet wurde, abgeschlossen. In der kurzen Mitteilung wird nicht erklärt, wie die Videos die umstrittene Gefahr durch das Auto klärten.

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Ein Jahr alt. So alt war Kohen Wiley, als ein Polizeibeamter aus Senatobia auf das Auto schoss, in dem seine Mutter ihn hielt. Die Beamten waren wegen eines Ladendiebstahls von Windeln gerufen worden. Vier Monate nach seinem Tod gab die Behörde der Generalstaatsanwältin von Mississippi, Lynn Fitch, am 19. Oktober 2026 bekannt, dass der Schusswaffeneinsatz des Beamten gerechtfertigt war, und schloss damit die staatlichen Ermittlungen ab. Auch der Fahrer wurde angeschossen und schwer verletzt. 1 2

Die Entscheidung liefert eine offizielle Schlussfolgerung, aber keine öffentliche Erklärung zu dem entscheidenden strittigen Moment: Welche Gefahr ging von dem Auto aus, als der Beamte das Feuer eröffnete? Die Ermittler prüften verschiedene Arten von Videoaufnahmen. In der Mitteilung der Generalstaatsanwältin steht nicht, was auf den Aufnahmen zu sehen war oder wie sie die Feststellung stützten. 1 2

Die Schießerei ereignete sich am 14. Juni 2026 auf einem Walmart-Parkplatz in Senatobia, Mississippi. Nach Angaben der Behörden betraf der Anruf wegen der Windeln Kohens Mutter und die Frau am Steuer, die WMC/Gray News als seine Großtante bezeichnete. Kohen und seine Mutter saßen auf der Rückbank. Er starb an seinen Verletzungen; die Fahrerin überlebte. Der Vorwurf, der die Polizei zum Parkplatz führte, lautete Ladendiebstahl und nicht gerichtlich festgestellter Diebstahl. 1 2

In diesem Vorfall kam die Generalstaatsanwaltschaft zu dem Schluss, dass der Schusswaffeneinsatz gerechtfertigt war.

Generalstaatsanwaltschaft von Mississippi 2

Dieser Satz gibt den Kern der Entscheidung wieder. In der vollständigen, von WAPT wiedergegebenen Mitteilung heißt es, die Behörde habe ihre Überprüfung des Vorfalls vom 14. Juni mit einem Beamten aus Senatobia abgeschlossen; zuvor hatte das Mississippi Bureau of Investigation ermittelt. Als Rechtsgrundlage für die Überprüfung nennt sie Section 45-1-6 des Mississippi Code, bietet jedoch keine Analyse eines materiellen Maßstabs für den Schusswaffeneinsatz. Dies ist die Feststellung der Generalstaatsanwältin, kein Urteil einer Jury. 2

Die umstrittene Gefahr durch das Auto

Die erste Darstellung des Bundesstaats beschrieb einen Beinahe-Zusammenstoß. «Die Beamten versuchten, das Fahrzeug anzuhalten, doch der Fahrer fuhr in Richtung der Beamten und hätte einen von ihnen beinahe angefahren», erklärten die Ermittler. «Daraufhin gab ein Beamter einen Schuss ab, und das Fahrzeug flüchtete vom Tatort.» Die Polizei von Senatobia erklärte, der Beamte habe geglaubt, der Fahrer bewege sich auf ihn zu. 1 2

Diese Darstellungen hängen zusammen, sind aber nicht identisch. Die eine besagt, dass ein Fahrzeug beinahe einen Beamten angefahren hätte; die andere beschreibt die Wahrnehmung eines Beamten. Keine von beiden belegt für sich genommen, dass der Fahrer absichtlich versucht hat, einen Beamten zu überfahren. Die nun bekannt gegebene Feststellung erläutert öffentlich weder die Geschwindigkeit und den Weg des Fahrzeugs noch den Standort des Beamten oder den zeitlichen Zusammenhang zwischen den Schüssen und der Bewegung des Autos. 1 2

Kohens Mutter bestritt, dass das Auto auf den Beamten zugefahren sei. Im Juni sagte sie dem Mississippi Free Press, sie habe ihr Kind hochgehoben, als Beamte ihre Waffen auf das Fahrzeug richteten. Ihre Schilderung ist die Aussage einer Zeugin, keine unabhängig bestätigte Rekonstruktion. Doch sie stellt die Grundlage, auf der die offizielle Erklärung für die Schüsse beruht, unmittelbar infrage. In der Mitteilung vom Oktober werden die beiden Darstellungen nicht miteinander in Einklang gebracht. 7 2

Die staatlichen Ermittlungen wurden nicht ohne Aufzeichnungen geführt. Nach dem Bericht von WMC/Gray vom 19. Oktober setzte das Mississippi Bureau of Investigation fünf Ermittler ein, sammelte Aussagen und prüfte Zeugenaussagen, Aufnahmen von Körperkameras und Dashcams sowie Überwachungsvideos von Walmart. Bis September war die abgeschlossene Ermittlung an die Behörde der Generalstaatsanwältin weitergeleitet worden. Dass die Ermittler Zugriff auf diese Beweise hatten, bedeutet jedoch nicht, dass die Öffentlichkeit darauf zugreifen kann. 1 28

In der Mitteilung werden weder der Beamte genannt noch eine Abfolge der Schüsse dargelegt oder Kohens Position im Verhältnis zum Schusswaffengebrauch erörtert. Der Verweis auf einen Vorfall mit einem Beamten belegt nicht, dass nur ein Beamter anwesend war. Der schießende Beamte wurde nach der Schießerei beurlaubt; Stadtvertreter bezeichneten dies als übliches Vorgehen nach einer tödlichen Polizeischießerei. Diese frühere Maßnahme belegt nicht den derzeitigen Dienststatus des Beamten. 2 1

Die Forderungen der Familie gingen der Feststellung voraus

Die Familie beauftragte am 16. Juni die Anwälte Ben Crump und Van Turner. Bis zum 22. Juni forderten sie öffentlich Antworten, Polizeivideos und eine unabhängige Autopsie. Kohens Mutter beschrieb den Verlust in jenem Monat: «Ich sah, wie er seinen letzten Atemzug tat. Ich kann es immer noch nicht fassen.» 15 16

Auf der Pressekonferenz am 22. Juni stellte Crump den Anlass für den Polizeieinsatz bei Walmart dem Ergebnis gegenüber: «Sie wurden wegen einer Packung Windeln gerufen, und nun muss eine Familie ihr Baby begraben.» Außerdem argumentierte er, ein Einjähriger könne die Hände nicht heben und stelle für bewaffnete Beamte keine Bedrohung dar. Diese Äußerungen erfolgten vor der Entscheidung im Oktober; sie waren keine Reaktion darauf. 2

Crump stellte gesondert infrage, was die Beamten über die Mitfahrenden wussten. Er verwies auf ihre eigene Darstellung, wonach zwei Frauen und ein Kind in das Auto stiegen, und kritisierte die Entscheidung, zu schießen, obwohl ein Kind im Wagen war. «Sie wollen, dass wir glauben, es sei eine Situation auf Leben und Tod gewesen», sagte er zuvor. «Das haben sie uns erzählt, aber sie haben es uns nicht gezeigt.» 1

Dass das Kind anwesend war, klärt für sich genommen nicht, ob das Fahrzeug einen Beamten bedrohte. Ebenso wenig entscheidet der Vorwurf des Ladendiebstahls darüber, ob ein späterer Schusswaffeneinsatz gerechtfertigt war. Doch gerade diese Unterscheidungen machen die fehlende Erklärung umso wichtiger: Die Öffentlichkeit braucht Belege dafür, wie die behauptete Gefahr mit der Entscheidung zu schießen zusammenhing.

Am 30. Juni kündigten die Anwälte der Familie eine Vorstellung der Begutachtung der Eintritts- und Austrittswunde durch den Pathologen Dr. Roger Mitchell an und forderten zugleich Polizei- und Walmart-Videos. Diese Ankündigung belegt nicht, zu welchen forensischen Schlussfolgerungen die Begutachtung kam, und sie kann hier keine Aussage zur Flugbahn der Kugel stützen. In einer Mitteilung vom 25. August erneuerte die Familie ihre Forderung nach Aufnahmen von Körperkameras und Überwachungskameras. Die Familie hat sich außerdem für die Herausgabe von Dashcam-Aufnahmen und Ermittlungsergebnissen eingesetzt. Diese Forderungen dokumentieren, was die Familie offengelegt haben wollte, nicht den aktuellen Freigabestatus jeder Aufnahme. 17 18 14

WAPT erklärte, nach der Mitteilung der Generalstaatsanwältin eine Stellungnahme von Crump angefragt, aber keine Antwort veröffentlicht zu haben. Daraus lässt sich nicht schließen, dass er die Feststellung akzeptiert. Auch die längerfristige Genesung des verletzten Fahrers ist in der verfügbaren Berichterstattung nicht belegt. 2 1

Die staatliche Überprüfung ist nun abgeschlossen. In der Mitteilung werden weder eine bundesstaatliche Ermittlung noch eine Zivilklage oder ein separates Disziplinarverfahren angesprochen; aus den verfügbaren Informationen geht nicht hervor, dass eines davon anhängig ist. Ein nächster Anhörungstermin oder ein Veröffentlichungstermin wurde nicht angekündigt. Es bleibt eine erhebliche Lücke: Mississippi hat den Schusswaffeneinsatz für gerechtfertigt erklärt, ohne öffentlich darzulegen, wie die Beweise die umstrittene Gefahr durch das Auto klären. 2

Wie ausgestrahlt 15 Zeilen
  1. Mississippi's attorney general ruled the force that killed one-year-old Kohen Wiley justified. The state has closed its investigation into the shooting, which also seriously wounded the driver. His family has spent months demanding answers and police video. What did the evidence show about the danger the car posed when the officer fired?
  2. Kohen was shot in a Walmart parking lot in Senatobia on June 14, 2026. Police were answering a shoplifting call involving diapers. Officials said the call involved his mother and the woman driving the car.
  3. Kohen was in the back seat with his mother, who was holding him, when an officer fired toward the vehicle. The driver, his great-aunt, was also shot and seriously wounded. Kohen died from his injuries. He was one year old.
  4. The family sought answers and an independent autopsy on June 22. Their lawyers renewed a demand for video on August 25. Today's October 19 decision ends the state investigation with a finding that the officer's use of force was justified.
  5. Attorney General Lynn Fitch's office announced the finding after reviewing the Mississippi Bureau of Investigation's work. Her office's statement concerns the force used by one Senatobia police officer. The decision came through the attorney general's review of the shooting.
  6. The officer who fired was placed on administrative leave after the shooting. City leaders called that standard practice following a deadly police shooting. By September, state investigators had finished their work and sent the case to the attorney general's office.
  7. The announcement cites Mississippi law for the review that followed the bureau's investigation. It gives the office's conclusion in a short statement. The central dispute concerns the car's movement and what danger it presented when the officer opened fire.
  8. Senatobia police said the officer believed the driver was moving toward him. State investigators initially went further, saying the vehicle almost struck an officer. Kohen's mother challenged that account. She said the car wasn't driving toward the officer.
  9. State investigators said the driver drove toward officers, almost striking one, before an officer fired and the vehicle left. His mother said she raised Kohen when officers pointed guns toward the car. She disputed that the car was driving toward the officer.
  10. Family attorney Ben Crump also questioned what officers knew about the people inside. He pointed to their own account describing two women and a child getting into the vehicle, and challenged the decision to fire with a child inside.
  11. The Mississippi Bureau of Investigation assigned five agents to the case. They gathered statements and reviewed witness accounts, body-camera video, dashcam video and Walmart surveillance video. Investigators had recordings to examine as they worked through the competing accounts.
  12. The family retained Crump and attorney Van Turner on June 16. Community members and civil-rights leaders called for justice for Kohen. His mother described her loss in June, saying, “I watched him take his last breath. I’m still in disbelief.”
  13. At the June 22 news conference, Crump contrasted the diaper allegation with the family's loss. He said a one-year-old couldn't put his hands up and wasn't a threat to armed officers. That criticism came months before today's decision.
  14. On June 30, family counsel announced a presentation of pathologist Doctor Roger Mitchell's review of the gunshot wound's entry and exit. Counsel also demanded police and Walmart video. The family's campaign has sought those recordings, dash-camera footage and the investigative findings.
  15. The attorney general's announcement doesn't explain what the recordings showed or how the evidence resolved the competing accounts. There's no announced hearing or release date. The state has closed its investigation with a justified-force finding, while its public explanation leaves the reasoning behind that finding unanswered.

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