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Wissenschaft · Uraltes Abwerfen des Schwanzes

Wie ein Eidechsenschwanz in Bernstein einen 99 Millionen Jahre alten Fluchtmechanismus offenbart

Scans zeigen Gewebe an der Trennstelle eines fossilen Eidechsenschwanzes, das für eine Selbstabtrennung spricht. Das winzige Exemplar bewahrt den Mechanismus – nicht das Schicksal der Eidechse.

Ausgestrahlt Verfasst 4 Min. Lesezeit17 QuellenHeyDay News Desk · About usWatch report

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ThemenverlaufTag 1

1 Bericht11 Medien17 Quellen

Wie können Forschende feststellen, ob der Schwanz einer Eidechse vor etwa 99 Millionen Jahren abgerissen wurde – oder ob sie ihn über einen Fluchtmechanismus abwarf? Ein winziges Fossil in Bernstein aus dem Norden Myanmars liefert an der Trennstelle eine Antwort. Entscheidend ist nicht einfach, dass der Schwanz abgetrennt ist. Es ist die Anatomie, die an der Stelle erhalten blieb, an der sich der Schwanz löste. 1

Dreidimensionale Röntgenrekonstruktionen zeigten an dieser Stelle einen symmetrischen Gewebering. Den Forschenden zufolge entspricht er den Muskelrosetten, die bei heutigen Eidechsen am Abwerfen des Schwanzes beteiligt sind. Zusammen mit einer sauberen Bruchstelle ohne die für eine versehentliche Verletzung typischen Quetschmuster stützt diese Struktur ihre Deutung: Der Schwanz wurde selbst abgetrennt und nicht lediglich mit Gewalt abgerissen. 1

Diese Unterscheidung macht aus einem isolierten Körperteil einen Beleg für einen uralten biologischen Mechanismus. Die Begegnung, die zum Verlust des Schwanzes führte, lässt sich damit jedoch nicht rekonstruieren. Das Fossil kann Forschenden etwas darüber sagen, wie die Eidechse ihren Schwanz abwarf, ohne zu klären, wovor sie floh – oder ob sie überlebte.

Die wichtigsten Fakten

  1. ~99 Millionen JahreUngefähres Alter des Bernsteins 3
  2. 18 MillimeterLänge des Bernsteinfragments 1

Angesichts der geringen Größe des Exemplars sind die anatomischen Details bemerkenswert. Der Bernstein ist 18 Millimeter beziehungsweise 0.7 inches groß; das ist die Größe des umgebenden Bernsteins und kein bestätigtes Maß für die ursprüngliche Gesamtlänge des Tierschwanzes. Dolev Fabrikant, ein Student, der mit seinem Betreuer Leonidas-Romanos Davranoglou zusammenarbeitete, entdeckte das Exemplar in der Sammlung des Steinhardt-Museums für Naturgeschichte der Universität Tel Aviv. 1

Ahmed Nasser, ein Spezialist am Volcani-Institut, führte auf Anfrage des Teams Mikro-Computertomografie-Scans durch. Bei der Mikro-CT werden mithilfe von Röntgenstrahlen Strukturen dreidimensional rekonstruiert. So konnten die Forschenden hier die Anatomie im undurchsichtigen Bernstein untersuchen, ohne das Exemplar aufzuschneiden. 1

Was an der Bruchstelle erhalten blieb

Ein abgelöster Schwanz allein lässt mehrere Erklärungen zu. Auch eine versehentliche Verletzung kann dazu führen, dass sich der Schwanz eines Tieres ablöst. Die Forschenden benötigten daher Hinweise auf den Ablösungsmechanismus selbst: eine geordnete Struktur an der Trennstelle und nicht bloß den Nachweis, dass eine Trennung stattgefunden hatte.

Der beschriebene Gewebering und die Beschaffenheit der Bruchstelle liefern diese Hinweise in Kombination. Ihre Ähnlichkeit mit der Anatomie heutiger Eidechsen, die ihren Schwanz abwerfen, bildet die Grundlage für die Deutung des Teams. Der Scan zeigt eine physische Struktur; sie als Anpassung zur Selbstabtrennung zu identifizieren, ist der anschließende analytische Schritt. 1

Was hier mit «erhaltenes Gewebe» gemeint ist, hat wichtige Grenzen. In den ergänzenden Materialien der Studie ist das Exemplar als SMNHTAU.R.21353 aufgeführt; beschrieben werden eine gut erhaltene äußere Form und Muskulatur. Seine inneren Strukturen sind jedoch vollständig mineralisiert, sodass sich Merkmale des Skeletts nicht untersuchen lassen. Erhalten blieb eine erkennbare anatomische Anordnung, die die Fossilisierung überstanden hat – kein unverändertes lebendes Fleisch und kein vollständig untersuchbares Skelett. 13

Der biologische Fachbegriff für die Selbstabtrennung des Schwanzes lautet Caudalautotomie. Die Bezeichnung als freiwillig oder gezielt unterscheidet den Ablösungsmechanismus von einem versehentlichen Abriss; sie bedeutet nicht, dass sich eine bewusste Entscheidung dieses Tieres nachweisen lässt. Bei heutigen Eidechsen kann körperlicher Kontakt mit einem Fressfeind eine Autotomie auslösen. 9

Die Studie mit dem Titel «Direct fossil evidence of caudal autotomy in a Cretaceous lizard» erscheint im Jahrgang 2026 der Palaeontologia Electronica. Zu den Autoren zählen Fabrikant, Apostolos Christopoulos, Nasser und Davranoglou. Die Universität Tel Aviv gab den Fund am 25. Oktober 2026 bekannt; dieses Datum der Ankündigung sollte nicht mit einem bestätigten Veröffentlichungstag der Studie verwechselt werden. 5 14

Ein uralter Mechanismus, eine unvollendete Begegnung

Das ungefähre Alter des Bernsteins verortet den Mechanismus in der späten Kreidezeit. Der Fortschritt besteht im direkten Nachweis durch erhaltene Weichteilanatomie. Frühere Deutungen von Fossilien konnten sich auf Bruchflächen in Knochen stützen; dies ist also nicht der erste Beleg für die Vermutung, dass urzeitliche Reptilien ihre Schwänze abwerfen konnten. Ebenso wenig belegt der Fund, dass die Autotomie vor 99 Millionen Jahren entstand. Er zeigt, dass es den Mechanismus bereits damals gab. 3

Vergleiche mit heutigen Arten helfen zu erklären, warum ein solcher Mechanismus von Bedeutung ist. Das Abwerfen des Schwanzes kann eine Eidechse aus dem Griff eines Fressfeinds befreien, während die Bewegung des abgeworfenen Teils den Fressfeind ablenken kann. Das Fossil dokumentiert jedoch keine Bewegung: Es kann nicht zeigen, ob der Schwanz nach dem Abwerfen zappelte, geschweige denn, wie lange. 1

Die Regeneration ist eine andere, davon getrennte Frage. Die Fähigkeit, einen Schwanz abzuwerfen, belegt nicht, dass ein bestimmtes Tier später einen neuen wachsen ließ. Die Fossilbelege betreffen das Abwerfen, nicht die anschließende Erholung des Tieres, zu dem der Schwanz gehörte. 4

Mitautor Christopoulos betonte, dass sich die genaue Art anhand des isolierten Schwanzes nicht bestimmen lasse. Auch der unmittelbare Auslöser ist ungeklärt. Möglicherweise warf die Eidechse ihren Schwanz ab, als sie sich aus klebrigem Harz zu befreien versuchte. Alternativ könnte sie den Schwanz angesichts eines Fressfeinds abgeworfen haben, bevor das abgetrennte Stück im Harz gefangen wurde. Das sind mögliche Abläufe, keine beobachteten Ereignisse. 1

Diese Ungewissheit ist kein Mangel, der mit einer dramatischeren Geschichte gefüllt werden müsste. Hier wurde weder ein Fressfeind identifiziert noch eine erfolgreiche Flucht nachgewiesen, und es gibt keine Belege für das spätere Überleben des Tieres. Die Aussagekraft des Fossils ist enger gefasst und dennoch beträchtlich: Es bewahrt anatomische Hinweise darauf, wie eine urzeitliche Eidechse ihren Schwanz abwerfen konnte, während der Ausgang unbekannt bleibt.

Wie ausgestrahlt 14 Zeilen
  1. Amber preserves a lizard's tail-release anatomy from roughly 99 million years ago. Researchers say the tissue supports self-detachment, an escape mechanism living lizards still use. The evidence fits inside an amber piece just 18 millimeters long. What can that tiny tail tell us about how the animal let go?
  2. Dolev Fabrikant spotted the tail in a museum collection. The student was working with supervisor Leonidas-Romanos Davranoglou at Tel Aviv University. The specimen was already held at the university's Steinhardt Museum of Natural History, where its preserved anatomy became the focus of investigation.
  3. The amber piece measures 18 millimeters, or 0.7 inches. That's the size of the amber surrounding the fossil. The scientific value comes from something smaller still, the tissue preserved where the tail separated.
  4. The amber comes from northern Myanmar. The museum collection is in Tel Aviv, Israel. That places this tiny fossil in two settings, its ancient environment and the institution where researchers recognized the significance of its anatomy.
  5. Ahmed Nasser examined the fossil without cutting it open. The Volcani Institute specialist performed the scans at the team's request. Fabrikant, Davranoglou and Nasser worked with co-author Apostolos Christopoulos, who also discussed why the animal's exact species remains unknown.
  6. A detached tail alone leaves several explanations open. An injury can also separate a tail from an animal. The researchers needed to examine the anatomy at the break to understand how this one came away.
  7. X-rays revealed tissue hidden inside the opaque amber. The technique is called micro-computed tomography, or micro-CT. It produced three-dimensional reconstructions, allowing the team to examine the separation point while leaving the specimen intact.
  8. The tail's outer form and musculature are well preserved. Its internal structures, though, are completely mineralized, preventing examination of skeletal features. What survives is recognizable anatomical organization through fossilization, rather than unchanged living tissue.
  9. A symmetrical ring of tissue survives at the separation point. The researchers say it matches muscle rosettes involved in tail shedding in living lizards. They also found a clean break without typical crushing patterns. Together, those clues support their interpretation of self-detachment.
  10. Biologists call that mechanism caudal autotomy, meaning self-detachment of the tail. In living lizards, physical contact from a predator can trigger the release. The word deliberate describes the release mechanism here. It doesn't tell us what this ancient animal was thinking.
  11. The amber is roughly 99 million years old. That places the mechanism in the Late Cretaceous. Earlier fossil interpretations drew on fracture planes in bones. This specimen adds direct evidence from the preserved soft-tissue anatomy involved in release.
  12. The finding shows the mechanism existed by then. Its evolutionary beginnings could be older. The university announced the discovery on October 25, 2026, and the study appears in the journal's 2026 volume.
  13. Living lizards can escape a grasp by releasing their tails. Movement of the discarded portion can also distract a predator. Regeneration is a separate, later process. This fossil gives researchers evidence of the release mechanism itself.
  14. The exact species and the immediate trigger remain unknown. The animal may have shed its tail while pulling free of sticky resin. Or it may have released the tail against a predator before the discarded piece became trapped. The preserved anatomy supports self-detachment, but the lizard's fate remains unknown.

Quellen

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