Konflikte · Schifffahrt im Schwarzen MeerFortlaufendes Thema · Bericht 1 von 2
Zwei von 13 Besatzungsmitgliedern tot, nachdem Maisfrachter vor Rumänien sinkt – und niemand hat bislang bewiesen, was ihn getroffen hat
Die Royad Mammadov sank am 5. Oktober innerhalb der rumänischen Wirtschaftszone. Die Ukraine macht zwei russische Drohnen verantwortlich. Rumänien bestätigt Brand, Untergang und Todesfälle, nennt aber keine Ursache.
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Fortlaufendes ThemaTag 1
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Das ganze ThemaDreizehn Menschen waren an Bord der Royad Mammadov, als sie am Montag, dem 5. Oktober, im Schwarzen Meer in Brand geriet. Elf kamen lebend davon. Rumäniens Innenministerium zufolge sind die anderen beiden tot 12. Das ist der einzige Teil der Geschichte, den im Kern niemand bestreitet. Fast alles andere, von der Ursache bis zur genauen Zahl der Toten, beruht weiterhin auf konkurrierenden Darstellungen.
Die wichtigsten Fakten
Zwei Opferzahlen, die nicht ganz übereinstimmen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb gegen 12.45 Uhr GMT auf X, der Kapitän des Schiffes sei getötet worden, das Schicksal einer weiteren Person werde noch geklärt, und elf Besatzungsmitglieder seien gerettet worden, eines davon verletzt 1. Rumänien zählt zwei Tote. Die Differenz könnte schlicht dieselben zwei Personen in unterschiedlichen Phasen der Suche betreffen. Das ist unsere Schlussfolgerung. Keine Quelle nennt es so.
Auch die Zahlen änderten sich im Tagesverlauf. Eine frühe Meldung der rumänischen Marinebehörde besagte, der Kapitän sei verletzt und 13 Besatzungsmitglieder würden vermisst 40. Das wurde überholt. Die Sprecherin der Marinebehörde, Irina Puscasu, sagte gegenüber AFP, drei Besatzungsmitglieder seien verletzt und acht unverletzt 13. Selenskyj zählte einen Verletzten. Indiens Botschaft in Bukarest erklärte später, zwei ausländische Staatsangehörige seien gestorben und alle drei indischen Besatzungsmitglieder in Sicherheit, eines davon verletzt und im Kreiskrankenhaus Constanța behandelt 28.
Ein aserbaidschanisches Medium nannte als Tote den Kapitän, nur als „Rustam“ bezeichnet, und den Koch und sagte, die Leiche des Kochs sei mit dem Schiff untergegangen 21. Die rumänischen Behörden haben keinen der beiden Namen bestätigt. Die Besatzung bestand aus aserbaidschanischen und indischen Staatsangehörigen 1.
Was Rumänien gesagt hat und was nicht
Die Küstenwache wurde gegen 11 Uhr vom Seenotrettungszentrum in Constanța alarmiert. Das Schiff befand sich etwa 30 Seemeilen südlich von Sfântu Gheorghe, nahe dem Donaudelta 5. Das liegt innerhalb der rumänischen ausschließlichen Wirtschaftszone und außerhalb der Hoheitsgewässer 4. Selenskyj bezeichnete die Gewässer als „neutral“. Das ist seine eigene Charakterisierung. Eine Zone, in der Rumänien Wirtschaftsrechte hat, ist nicht dasselbe wie hohe See und auch nicht dasselbe wie rumänisches Staatsgebiet.
Das Schiff wurde in der Nähe der von OMV Petrom betriebenen Plattform Pescăruș gemeldet, deren Betreiber sagte, sie arbeite normal 10. Boote der Küstenwache und ein Hubschrauber der Luftfahrtinspektion führten die Rettung durch, der Hubschrauber barg die Verletzten 9.
Zur Ursache gehen die Darstellungen auseinander. Selenskyj sprach von einem Angriff zweier russischer Drohnen 1. Euronews und andere berichteten von einem Drohnenangriff 3. AFP berichtete hingegen, die rumänischen Behörden hätten keine Ursache genannt und Fragen dazu, ob eine Drohne beteiligt war, nicht beantwortet 13. Eine Untersuchung des Wracks oder ein Ermittlungsergebnis wurde nicht veröffentlicht. Die Zuschreibung an eine Drohne ist eine ukrainische Behauptung, die breit wiederholt wird. Rumänien hat sie nicht bestätigt.
Ein schrecklicher Angriff zweier russischer Drohnen auf ein Zivilschiff in neutralen Gewässern, das Mais geladen hatte und der Türkei gehört.
Das Schiff und das Schweigen um es herum
Öffentlich zugängliche Schiffsdaten weisen das Schiff als Stückgutfrachter mit der IMO-Nummer 9356969 aus, etwa 139 bis 140 Meter lang und 2006 gebaut 30. Es fuhr unter der Flagge von St. Kitts und Nevis, nicht der Türkei. Eingetragene Eigentümerin ist die in der Türkei ansässige MG Shipping 5 Co Ltd. Aserbaidschanische Medien bringen es mit der Palmali-Gruppe in Verbindung und sagen, es sei 2022 nach einem im Karabach-Krieg 2020 getöteten Soldaten umbenannt worden 31. Laut Trackingdaten hatte es Mais von Ismajil in der Ukraine nach Ravenna in Italien geladen 30. Kein Amtsträger hat diese Ladung oder Route bestätigt.
Russland hat sich zu diesem Schiff nicht geäußert. Sein Verteidigungsministerium erklärte am Montag zuvor, es habe zwei ukrainische Frachtschiffe getroffen, eines mit Militärausrüstung in Tschornomorsk und ein weiteres mit Militärgütern südlich von Odessa 25. Es nannte kein Schiff beim Namen. Die Orte unterscheiden sich von der Stelle, an der die Royad Mammadov sank, und nichts Öffentliches verknüpft eine der beiden Angaben mit ihr. Beide sind als voneinander unabhängig zu betrachten, bis jemand das Gegenteil belegt.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha verurteilte den Angriff als zynisch und verwies auf die Rolle der Türkei in der Schwarzmeer-Diplomatie 15. Eine eigene Erklärung zu diesem Schiff haben wir weder vom türkischen noch vom aserbaidschanischen Außenministerium gefunden. Indiens Botschaft erklärte, sie unterstütze ihre Staatsbürger 28.
Was die Fakten ergeben
Zwei Dinge lassen sich klar sagen. Ein Handelsschiff mit Lebensmitteln sank in der Wirtschaftszone eines NATO- und EU-Mitglieds, zwei Seeleute starben, und Bukarest hat so viel bestätigt. Und die einzige angebotene Erklärung stammt von einer Kriegspartei. Selenskyj hat jeden Grund, den Verlust als russischen Terror darzustellen, und könnte durchaus recht haben. Doch die Behauptung einer Kriegspartei ist kein Befund, und die einzige Regierung, die die Beweise prüfen kann, hat sich nicht geäußert.
Das größere Muster liefert der Behauptung Kontext, ohne sie zu beweisen. Die türkische Schifffahrtskammer (IMEAK) hat erklärt, seit Kriegsbeginn seien im Schwarzen Meer 226 zivile und kommerzielle Schiffe angegriffen worden, die meisten davon in diesem Jahr. Das ist eine Zahl eines Branchenverbands, und wir haben sie nicht überprüft. Russland hat jüngste Angriffe im Schwarzen Meer als Vergeltung für ukrainische Angriffe auf seine Raffinerien und seine Schifffahrt dargestellt.
Bekannt
- Das Schiff geriet in Brand und sank; Rumänien meldet zwei Tote und 11 Gerettete. 122
- Es sank etwa 30 Seemeilen südlich von Sfântu Gheorghe, innerhalb der rumänischen Wirtschaftszone und außerhalb der Hoheitsgewässer. 54
- Die rumänischen Behörden haben keine Ursache genannt und nicht gesagt, ob eine Drohne beteiligt war. 13
Unbekannt
- Ob die Bilanz zwei Tote oder ein Toter und ein Vermisster lautet und wer die Opfer sind.
- Was das Schiff tatsächlich getroffen hat und ob Russland dies bestätigen oder dementieren wird.
Als Nächstes
- Jede rumänische Erklärung zur Ursache oder zur Identität der Toten.
- Reaktionen aus Ankara, Baku und Neu-Delhi und die Frage, ob Versicherer oder Reeder ihr Verhalten auf der ukrainischen Getreideroute ändern.
Wie ausgestrahlt 12 Zeilen
- A corn ship sank in the Black Sea, and two sailors are dead.
- The Royad Mammadov was Turkish-owned, crewed by Azerbaijani and Indian seafarers, and went down inside the economic zone of Romania, a NATO and EU member. Ukraine says two Russian drones hit it.
- So what actually hit the ship, and how many people did it kill?
- The numbers do not match. Romania's interior ministry says two people died and eleven were rescued. Ukraine's president counts one confirmed death, the captain, and one person still unaccounted for. They may describe the same two people at different stages of the search, but that is an inference, and no source states it. India's embassy in Bucharest also says two foreign nationals died.
- Zelensky posted at about 12:45 GMT on Monday. The words "civilian" and "neutral waters" are his own characterisation. He accused Russia of choosing terror and sinking civilian vessels, said Ukraine and third countries have proposed Black Sea de-escalation steps, and called for pressure to restore food-security shipping.
- The count moved during the day. An early alert from Romania's Naval Authority said the captain was injured and 13 crew were missing. That has been superseded: 13 were aboard, and 11 were pulled out alive. The Naval Authority says three crew were injured and eight unharmed, while Zelensky said one. An interior ministry helicopter winched three injured people off, and rescue vessels took the rest. India's embassy says all three Indian crew are safe, one of them injured and treated at Constanța County Hospital. Names have circulated for the dead, a captain identified only as Rustam and the cook, whose body is said to have gone down with the ship. Romania has not confirmed either.
- The ship went down about 30 nautical miles south of Sfântu Gheorghe, near the Danube delta. That is outside Romania's territorial waters but inside its economic zone, which is why Zelensky's "neutral waters" wording is his own. The coast guard was alerted by the Constanța rescue centre at around 11 a.m. The ship was reported near the Pescăruș platform run by OMV Petrom, and the operator says the platform kept running normally. Coast guard vessels and an aviation helicopter ran the rescue.
- The ship was a general cargo vessel, about 139 to 140 metres long, built in 2006 and flagged in Saint Kitts and Nevis, not Turkey. Its registered owner is a Turkey-based company, MG Shipping 5. It is tied to the Palmali group and was renamed in 2022 after an Azerbaijani serviceman killed in the Second Karabakh War. It was carrying corn from Izmail in Ukraine toward Ravenna in Italy, a cargo and route no official has confirmed.
- On cause, the sources split. Ukraine's government blames two Russian drones. Romania confirms the fire and the sinking but has not said what caused them, and it did not answer questions on whether a drone was involved. No wreck examination or investigation finding has been published.
- Russia has not commented on the Royad Mammadov. Its defence ministry said earlier on Monday that it struck two Ukrainian cargo vessels: a dry-cargo ship carrying military equipment at Chornomorsk, and another carrying military supplies south of Odesa. It named no vessel, the locations differ from where this ship sank, and nothing public links either to it. Russia has framed recent Black Sea strikes as retaliation for Ukrainian attacks on its refineries and shipping.
- Turkey's Chamber of Maritime Commerce counts 226 civilian and commercial vessels attacked in the Black Sea since the war began, most of them this year. Ukraine's foreign minister, Andrii Sybiha, called the strike cynical, given Turkey's role in Black Sea diplomacy. No Turkish or Azerbaijani foreign ministry statement on this ship has surfaced, and India's embassy says it is assisting its citizens.
- So, what hit the ship, and how many died? Romania confirms the fire, the sinking and two deaths. The drone is Ukraine's claim, and Romania has not confirmed it. Still unresolved: whether the toll is two dead or one dead and one missing, who the victims are, whether Russia will acknowledge or deny the strike, and how Turkey, Azerbaijan, India and Romania respond when a Turkish-owned ship sinks in a NATO and EU member's economic zone. It is also unclear whether the loss changes insurance or shipping behaviour on the Ukrainian grain route. The people at the centre are working seafarers from Azerbaijan and India, whose ship was carrying food.
Quellen
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