Politik · Stichwahl in BrasilienFortlaufendes Thema · Bericht 3 von 3
Bolsonaros Sohn liegt 1.9 Punkte vor Lula, und die Umfragen, die Lula vorn sahen, scheinen falsch gelegen zu haben
Flávio Bolsonaro, 45, wurde in Brasiliens erster Runde Erster, Lula Zweiter. Bei der Stichwahl am 25. Oktober kommt es darauf an, ob die rund 8 % der Stimmen, die an andere gingen, dem rechten Lager folgen.
Video in der Originalsprache
Transkript · WIRD GELADEN
Aus dem englischen Original übersetzt.
Fortlaufendes ThemaTag 71
3 Berichte42 Medien56 Quellen5 Videos
Das ganze ThemaWas sich seit unserem letzten Bericht geändert hat
50 Tage später
Damals
27 Jahre Haft, 25% Zoll: Lula und Bolsonaros Sohn kämpfen um den OktoberDamals noch offen
- Genaue Umfragewerte, die vollständige Zollliste und die konkreten Folgen möglicher Gegenseitigkeitsmaßnahmen.
- Identität und Programme der drei abgeschlagenen Kandidaten sowie Einzelheiten zu weiteren Skandalen.
Worauf wir achten wollten
- Ob Lula vor Oktober zügig nach dem Gesetz über wirtschaftliche Gegenseitigkeit vorgeht.
- Ob der Zollschmerz sich zu einer Souveränitätswahl oder einer Wahl gegen den Amtsinhaber verfestigt.
Jetzt
Flávio Bolsonaro, 45, wurde in Brasiliens erster Runde Erster, Lula Zweiter. Bei der Stichwahl am 25. Oktober kommt es darauf an, ob die rund 8 % der Stimmen, die an andere gingen, dem rechten Lager folgen.
Inzwischen gesichert
- Nach Auszählung von 100 % hat Flávio Bolsonaro 47.03% der gültigen Stimmen und Lula 45.16%; keiner überschritt 50 %.
- Die Stichwahl findet am 25. Oktober statt. Flávio hat eine Amnestie für seinen Vater versprochen, der wegen eines Putsches 27 Jahre verbüßt.
- Flávio gewann in 15 Bundesstaaten die meisten Stimmen, Lula in 12 Einheiten.
Wir haben dieses Rennen seit seinem Beginn begleitet. Am 26. Juli nahm Flávio Bolsonaro in São Paulo die Nominierung der Liberalen Partei an, begleitet von einer KI-generierten Botschaft seines Vaters, des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. Am 17. August berichteten wir, dass die beiden Männer in den Umfragen dicht beieinanderlagen, vor dem Hintergrund eines Zollstreits mit den USA. Eine von Reuters gemeldete Umfrage von Ende Juli sah Lula in einer hypothetischen Stichwahl vor Flávio 27. Die erste Runde am Sonntag stellte dieses Bild auf den Kopf. Flávio, ein 45-jähriger Senator bei seiner ersten Präsidentschaftskandidatur, wurde Erster. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, 80, der eine vierte, nicht aufeinanderfolgende Amtszeit anstrebt, wurde Zweiter. Keiner erreichte 50 %, daher treffen sie am 25. Oktober erneut aufeinander 1.
Die wichtigsten Fakten
Wie knapp es war
Nach Auszählung aller Stimmen sieht O Globo Flávio bei 47.03% der gültigen Stimmen, etwa 56.1 Millionen, und Lula bei 45.16% 6. G1 nennt den Abstand von rund 1.9 Punkten den kleinsten Vorsprung in einer ersten Runde in der Geschichte Brasiliens. Zudem berichtet G1, Lula habe etwa 3.4 Millionen Stimmen weniger erhalten als in seiner ersten Runde 2022 12. Die beiden veröffentlichten Abstände weichen geringfügig voneinander ab: 47.03 minus 45.16 ergibt 1.87. Die wahrscheinliche Erklärung ist Rundung oder eine andere Bezugsgröße, doch die Quellen sagen dazu nichts.
Auch war der Abstand früher am Abend größer. Bei 97.36% ausgezählten Stimmen führte Flávio mit 47.42% zu 44.70% 8. Die frühe Berichterstattung, darunter die Formulierung der BBC „a couple of points“ (ein paar Punkte) 1, beschrieb einen Vorsprung, der mit dem Ende der Auszählung schrumpfte.
Die erste Runde brachte mit 119.3 Millionen einen Rekord an gültigen Stimmen, etwa 1.07 Millionen mehr als 2022 11. Flávio gewann in 15 Bundesstaaten die meisten Stimmen und Lula in 12 Föderationseinheiten 13. Prozentwerte zu Wahlbeteiligung oder Enthaltung konnten wir nicht ermitteln. Ergebnisse der Kongresswahl liegen uns ebenfalls nicht vor.
Lula sagte Anhängern in São Paulo, er sei überrascht und habe erwartet, in der ersten Runde zu gewinnen 1. Reuters berichtete, das Ergebnis habe die meisten privaten Umfragen übertroffen 15. Die Quellenlage zeigt nur, dass die Umfragen danebenlagen. Sie zeigt nicht, warum.
Die Arithmetik der Stichwahl
Flávio und Lula halten zusammen etwa 92.2% der gültigen Stimmen. Die übrigen Kandidaten teilen sich rund 7.8%, was den „etwa 8 %“ entspricht, die der Analyst Clinton Portius bei ABC Australia nannte 4. Vorläufige Ergebnisse zeigen Augusto Cury bei 2.89%, Renan Santos bei 2.24% und Ronaldo Caiado bei 2.19% 7. Flávio braucht etwa drei weitere Punkte an gültigen Stimmen, um 50 % zu erreichen. Lula braucht fast fünf.
Diese Arithmetik ist das stärkste Argument dafür, dass Flávio der Favorit ist, und die Grenzen dieses Arguments sollten klar benannt werden. Portius, die einzige Quelle zu diesem Punkt, erwartet, dass die überwiegend rechtsgerichteten Stimmen unter diesen 8 % zu Flávio wandern 4. Das ist eine Prognose, kein Ergebnis. O Globo berichtet, Flávio umwerbe unterlegene Kandidaten, setze auf den Gouverneur von São Paulo, Tarcísio de Freitas, und plane einen stärkeren Vorstoß im Nordosten gegen Lula 25. Bis zum 5. Oktober fanden wir keine förmliche Unterstützungserklärung eines unterlegenen Kandidaten. Wir fanden auch keine Umfrage zur Stichwahl, und die Umfragen vor der ersten Runde haben sich gerade als unzuverlässig erwiesen.
Dennoch sind die Zahlen der ersten Runde für den Amtsinhaber unbequem. Lulas Gesamtergebnis sank um etwa 3.4 Millionen Stimmen, während die Zahl der gültigen Stimmen wuchs. Ein Präsident, der in einer ersten Runde, die er direkt zu gewinnen erwartete, Zweiter wird, muss nun Wähler überzeugen, statt nur seine Basis zu halten. Weder die Quellen noch die Zahlen erklären, wer fernblieb oder wechselte.
Worum es bei der Wahl geht
Flávio hat eine Amnestie für seinen Vater versprochen, der eine 27-jährige Haftstrafe verbüßt, weil er einen Putsch angeführt haben soll. Ione Wells von der BBC berichtet zudem, er habe engere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten versprochen und würde wahrscheinlich der von den USA geführten Anti-Drogen-Koalition Shield of the Americas beitreten. Diesen zweiten Punkt äußerte sie mit weniger Gewissheit 1. Portius sagt, Donald Trumps Unterstützung für Flávio sei weniger offen als in Kolumbien oder Argentinien, während Lula einen USA-kritischen Kurs eingeschlagen habe 4. Das Amnestieversprechen macht die Stichwahl teilweise zu einem Referendum darüber, ob ein verurteilter Putschführer freikommt.
Ein Detail bedarf einer Einschränkung. Unser Bericht vom Juli beschrieb Jair Bolsonaros Strafe als Hausarrest, während die aktuelle Berichterstattung sagt, er sitze im Gefängnis. Die Form der Haft haben wir nicht klären können. Von dort aus hat er seinen Sohn unterstützt 4.
Die Themen, die Portius nennt, sind Kriminalität und Sicherheit, einschließlich Femizid, sowie eine schwache Wirtschaft mit Zinssätzen über 13 % 4. Das sind die Belastungen, die ein Herausforderer gegen einen Amtsinhaber ins Feld führen kann.
Die BBC merkt außerdem an, dass Brasiliens elektronisches Wahlsystem sicher ist, Zweifel daran aber gewachsen sind. Flávio und Jair Bolsonaro haben Probleme behauptet, ohne konkrete Beweise vorzulegen 1. Betrugsvorwürfe sind eine unbequeme Waffe für einen Mann, der gerade eine Runde gewonnen hat. Ob einer von beiden sie vorbringt, falls die Stichwahl knapper wird, ist offen.
Was die Märkte dachten
Anleger werteten das Ergebnis als gute Nachricht für Flávio. Reuters und Bloomberg erwarteten am Montag steigende brasilianische Märkte und verwiesen auf Hoffnungen auf eine Fiskalreform und niedrigere Zinsen 2218. Die einzige belastbare Bewegung, die wir fanden, stammt vom Ausland: Ein in Tokio gelisteter, auf Brasilien ausgerichteter ETF stieg im frühen Handel um 7.6 % 19. Die Notierungen für den Ibovespa und den Real, die wir fanden, etwa 192,115 und 5.22, wirken wie das Niveau vor der Wahl, nicht wie die Reaktion darauf 16. Bloomberg Economics schätzt, dass ein Sieg Flávios die Rendite zehnjähriger Anleihen um 70 Basispunkte senken und den Real um fast 3 % stärken könnte 3. Das ist ein Szenario, kein Ergebnis.
Bekannt
- Nach Auszählung von 100 % hat Flávio Bolsonaro 47.03% der gültigen Stimmen und Lula 45.16%; keiner überschritt 50 %. 6
- Die Stichwahl findet am 25. Oktober statt. Flávio hat eine Amnestie für seinen Vater versprochen, der wegen eines Putsches 27 Jahre verbüßt. 1
- Flávio gewann in 15 Bundesstaaten die meisten Stimmen, Lula in 12 Einheiten. 13
Unbekannt
- Ob die rund 8 % der unterlegenen Kandidaten zu Flávio wechseln und ob Unterstützungserklärungen folgen.
- Wahlbeteiligung, Enthaltung, Ergebnisse der Kongresswahl und wie der Ibovespa und der Real am Montag tatsächlich schlossen.
- Ob Flávio oder Jair Bolsonaro Betrugsvorwürfe vorbringen und ob Jair im Gefängnis sitzt oder unter Hausarrest steht.
Als Nächstes
- Die erste Umfrage zur Stichwahl, die der erste Test dafür sein wird, ob die Fehlprognose der ersten Runde ein Ausreißer war.
- Unterstützungserklärungen von Caiado, Cury, Santos und Tarcísio sowie Lulas Reaktion auf einen Abstand von unter zwei Punkten.
Wie ausgestrahlt 13 Zeilen
- A first-time candidate just beat Brazil's president in round one, by under two points.
- He is Flávio Bolsonaro, 45, son of a former president serving 27 years for a coup, and he has pledged amnesty for his father. Neither he nor Lula cleared 50 percent, so the two meet in a runoff.
- The question: can Lula, 80, close the gap, or do the defeated candidates' votes carry Flávio past the line?
- With every ballot counted, Flávio took 47.03 percent of valid votes, about 56.1 million. Lula took 45.16 percent, about 53 million. Everyone else shared roughly 7.8 percent.
- That gap is the smallest in a first round in Brazilian history. The published figures differ slightly, since 47.03 minus 45.16 is 1.87, likely rounding. Early counts made it look wider: at 97 percent counted, it was 47.42 to 44.70. Lula collected about 3.4 million fewer votes than in his 2022 first round, even as valid votes hit a record 119.3 million. Flávio won the most votes in 15 states, Lula in 12 units.
- Lula told supporters in São Paulo he was surprised and had expected to win outright. The result beat most private polls, and a July poll had him ahead of Flávio in a runoff. We reported in August that the two were polling closely.
- The arithmetic runs through those other candidates. Flávio needs about three more points of valid votes to reach 50 percent; Lula needs nearly five. The expectation is that those mostly right-wing votes move to Flávio, but that is a forecast, not a result. Flávio is courting defeated candidates, counting on São Paulo governor Tarcísio de Freitas, and planning a bigger push in the Northeast. No formal endorsement from any defeated candidate had been established by Monday, and no runoff poll has surfaced.
- The amnesty pledge makes this runoff partly a vote on whether a convicted coup leader walks free. Reports differ on whether Jair Bolsonaro is jailed or under house arrest; he has backed his son from custody. Flávio has also pledged closer ties with the United States and would likely join the US-led Shield of the Americas anti-narco coalition, though that assessment is less firmly sourced. Donald Trump's backing of Flávio is less overt than in Colombia or Argentina, while Lula has taken an anti-US line.
- At home, the top concerns are crime and security, including femicide, and a weak economy with interest rates above 13 percent. Those are the pressures a challenger has used against an incumbent of 80.
- Brazil's electronic voting system is secure, but doubts about it have grown. Flávio and Jair Bolsonaro have alleged problems without concrete evidence. Whether either presses fraud claims after a first round Flávio won is open, and a closer runoff would raise the stakes of any such claim.
- Investors read the result as favorable to Flávio. Brazilian markets were expected to jump on Monday on hopes for fiscal reform and lower interest rates, and a Brazil-focused ETF in Tokyo rose 7.6 percent in early trading. The actual moves in the Ibovespa and the real are not yet established. One estimate says a Flávio win could cut ten-year yields by 70 basis points and lift the real almost 3 percent. That is a scenario, not an outcome, and it shows what capital wants, not what the public needs.
- So can Lula close the gap? That is unknown. No runoff poll exists yet, no defeated candidate has formally endorsed Flávio, and turnout and congressional results are not established.
- What is known: Flávio needs about three points, Lula nearly five, and on October 25 Jair Bolsonaro's amnesty, US alignment, crime and a 13 percent interest-rate economy are all on the ballot.
Quellen
34 Quellen22 Medien3 Videos1 Agenturtext
Quellenkarte
Verfolgen Sie die Belege zu diesem Bericht. Die Karte zeigt die Zusammenhänge; die Links darunter öffnen die im Artikel zitierten Quellen.
Die Quellenkarte lädt, während Sie lesen.
Übersetzung aktualisiert:
Änderungsprotokoll
- r1Erstmals veröffentlicht.


