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Kultur · Novaya Gazeta

Novaya Gazeta plant für den 9. November die Schließung ihrer Moskauer Redaktion

Nach Jahren der Razzien, Strafverfolgung und Einschränkungen plant die unabhängige Zeitung, ihr Moskauer Zuhause zu verlassen und ihre Server abzuschalten. Der Zugang zu ihrem Archiv bleibt ungewiss.

Ausgestrahlt Verfasst 4 Min. Lesezeit16 QuellenHeyDay News Desk · About usWatch report

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ThemenverlaufTag 1

1 Bericht13 Medien16 Quellen

Die Novaya Gazeta überstand die Morde an Kollegen, Razzien und Strafverfolgung sowie den Verlust ihrer Medienlizenz, nachdem Russland in die Ukraine einmarschiert war. Nun hat die unabhängige Zeitung, die 1993 gegründet wurde, das Ende ihres verbliebenen Moskauer Redaktionsbetriebs angekündigt: Am 9. November 2026 wollen ihre Redakteure die Server abschalten und gehen. Dies ist kein weiterer Bericht über die 2022 verhängten Einschränkungen. Es ist ein neu angekündigter Abschied von dem Ort, an dem die Zeitung trotz dieser Einschränkungen weitergearbeitet hat. 2 3

Die Ankündigung erfolgte am Freitag, dem 30. Oktober, zehn Tage vor der geplanten Abschaltung. Chefredakteur Sergei Sokolov beschrieb sowohl das Ende einer Institution als auch die praktischen Schritte, die dazu führen sollen. Es gibt keine Belege dafür, dass die Server bereits abgeschaltet wurden; der 9. November ist die von ihm angekündigte Frist. 2

„Die Novaya Gazeta hört auf zu existieren. Am 9. November schalten wir in unserem Zuhause, in dem wir 30 Jahre gelebt haben, das Licht aus. Wir fahren die Server herunter und gehen.“

Sergei Sokolov 3

In der Erklärung der Zeitung selbst wird dieses Zuhause als Potapowski-Gasse 3 in Moskau angegeben. Ihre russischsprachige Ankündigung erschien am 30. Oktober unter der Überschrift „Wir wurden getötet“; eine englischsprachige Fassung erschien am selben Tag. Die Adresse ist von Bedeutung: Geplant ist der Verlust einer arbeitenden Redaktion und ihrer Online-Publikationsinfrastruktur, nicht lediglich die Einstellung einer gedruckten Ausgabe. 6 5

Die Redaktion machte ausdrücklich den russischen Staat verantwortlich. „Die Zeitung ist weg. Die russischen Behörden und … Geheimdienste haben die Redaktion gezwungen, ihre Arbeit einzustellen“, hieß es laut einem Bericht von Al Jazeera. Das ist die Erklärung der Redakteure dafür, warum sie nicht weitermachen können. Die Begleitumstände dokumentieren den Druck auf die Redaktion, belegen aber nicht, dass eine einzelne Durchsuchung oder Strafverfolgung diese Entscheidung unmittelbar verursacht hat. 3

Der Druck hinter der Ankündigung

Der jüngste Eingriff richtete sich gegen Sokolov selbst. Am 15. Oktober nahmen die Behörden ihn zum Verhör fest und durchsuchten seine Wohnung; sie stellten einen Zusammenhang zu einem Strafverfahren gegen seinen Kollegen Oleg Roldugin her. Ein Verhör und eine Durchsuchung sind keine Verurteilung, und aus den vorliegenden Berichten geht auch nicht hervor, dass Sokolov angeklagt wurde. Sie bilden den unmittelbaren Kontext für die Darstellung der Redaktion, sie sei zur Einstellung ihrer Arbeit gezwungen worden. 3

Roldugin wurde im April festgenommen und wegen dessen angeklagt, was die Behörden als „unrechtmäßigen Zugriff auf computergestützte Informationen“ bezeichneten. Der Vorwurf ist weiterhin ein Vorwurf. Laut dem Bericht des Guardian vom 30. Oktober steht er bis zum Prozess unter Hausarrest; über einen Ausgang des Strafverfahrens wird nicht berichtet. 3 4

Diese aktuelle Darstellung unterscheidet sich von der ursprünglichen Haftanordnung. Das Committee to Protect Journalists berichtete, ein Moskauer Gericht habe am 10. April angeordnet, Roldugin bis zum 10. Mai festzuhalten, während die Ermittler den Fall verfolgten. Das war eine frühere Verfahrensphase und kein Beleg dafür, dass er sich heute noch unter denselben Haftbedingungen befindet. 14

Der umfassendere Rückzug der Zeitung aus Russland begann Jahre vor dieser Ankündigung. Nach dem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 fuhr sie ihre Produktion zurück, und die Behörden entzogen ihr noch im selben Jahr die Medienlizenz. Der Entzug ihrer Online-Lizenz datiert vom 15. September 2022. Diese Maßnahmen bedeuteten jedoch nicht das nun für November geplante Ende des Betriebs: Eine Publikation kann ihren offiziellen Status verlieren und trotzdem Journalisten haben, die zusammenarbeiten, recherchieren und veröffentlichen. Diesen fortbestehenden Betrieb müssen die Redakteure nach eigener Aussage nun beenden. 3 14

Die russischen Behörden haben die Publikation außerdem als „ausländischen Agenten“ eingestuft, eine Bezeichnung, die zur Unterdrückung von Dissens eingesetzt wird. Reporter ohne Grenzen zählte laut Al Jazeera im Laufe der Geschichte der Zeitung sechs ermordete Journalisten und Mitarbeiter sowie Razzien in der Redaktion und Strafverfolgung ihrer Journalisten. Diese Todesfälle gehören zur Geschichte der Institution und sind keine neue Opferzahl im Zusammenhang mit der angekündigten Schließung. 3

Was Leser zu verlieren drohen

Der Umfang der Ankündigung muss sorgfältig eingeordnet werden. Sie betrifft die Moskauer Redaktion und die Online-Ausgabe der russischen Novaya Gazeta. Novaya Gazeta Europe ist eine separate Exilredaktion; aus der Moskauer Erklärung geht nicht hervor, dass auch sie schließt. Ebenso wenig ist die Ankündigung eine Garantie für die Zukunft der europäischen Redaktion. Wer beide als eine einzige Schließung behandelt, verschleiert, welche Redaktion genau vor dem Ende steht. 6 4

Für Leser gibt es zwei unterschiedliche mögliche Verluste: das Ende neuer Arbeit aus Moskau und den möglichen Verlust des Zugangs zu bereits veröffentlichten Beiträgen. Das Erste ist der angekündigte Plan. Das Zweite ist noch ungeklärt. Die Abschaltung der Server wirft naheliegenderweise die Frage nach dem Archiv auf, doch aus der vorliegenden Ankündigung geht nicht hervor, ob bestehende Artikel über eine andere Lösung zugänglich bleiben werden. 6

Bekannt

  • Die Moskauer Redaktion plant, ihre Räumlichkeiten zu verlassen und ihre Server am 9. November 2026 abzuschalten. 26

Unbekannt

  • Ob Leser nach der Abschaltung der Server weiterhin Zugriff auf das bestehende Archiv der inländischen Publikation haben werden.

Als Nächstes

  • Ob die angekündigte Abschaltung am 9. November stattfindet und ob die Redakteure einen Plan für den Archivzugang vorlegen.

2021 erhielt der damalige Chefredakteur der Zeitung, Dmitry Muratov, gemeinsam den Friedensnobelpreis für seine „Bemühungen zum Schutz der Meinungsfreiheit“. Fünf Jahre später bereitet sich die Institution hinter dieser Auszeichnung darauf vor, in Moskau das Licht auszuschalten. Der Gegensatz ist nicht nur symbolisch: Eine Auszeichnung kann den öffentlichen Wert des Journalismus würdigen, aber sie kann keine Redaktion arbeitsfähig halten. 3

Wie ausgestrahlt 13 Zeilen
  1. Novaya Gazeta plans to switch off its servers and leave its Moscow newsroom. The independent newspaper says Russian authorities have forced it to stop working, ending the domestic newsroom's continuing journalism. What will that shutdown take away, and what will readers still be able to access?
  2. November 9, 2026 is the shutdown date announced by editor-in-chief Sergei Sokolov. The newspaper announced the decision on October 30, ten days before the planned departure. Its servers are scheduled to be switched off then.
  3. The announcement covers Russia's Novaya Gazeta newsroom and its online publication. Novaya Gazeta Europe is a separate exile operation. The Moscow announcement gives readers no reason to treat the two operations as one closure.
  4. The editors identify their workplace as 3 Potapovsky Lane in Moscow. Sokolov says the team has spent 30 years in that home. The departure would remove both a physical newsroom and the servers supporting its online publication.
  5. Sokolov put the decision bluntly. “Novaya Gazeta is ceasing to exist.” He said the team would turn off the lights on November 9, shut down the servers and leave the premises where it has worked for 30 years.
  6. The editorial board blamed Russian authorities and intelligence services for forcing the team to end its work. Its Russian-language statement carried the heading “We were killed.” An English-language version also appeared on October 30.
  7. The editors describe state pressure as the reason they can no longer continue. Their announcement follows direct action against Sokolov himself. Authorities detained him for questioning on October 15 and searched his home, linking those actions to a colleague's criminal case.
  8. That colleague, journalist Oleg Roldugin, was arrested in April. Authorities charged him with what they called “unlawful access to computerised information.” He faces an allegation of illegally accessing computer information, and he's awaiting trial.
  9. A Moscow court ordered Roldugin detained on April 10, until May 10, while investigators pursued the case. The October 15 action against Sokolov followed months later. By October 30, Roldugin was under house arrest awaiting trial.
  10. Novaya Gazeta had already reduced its work inside Russia after the February 2022 invasion of Ukraine. Authorities revoked its media licence that year. The online-licence revocation was dated September 15, 2022. The shutdown now scheduled for November would end the Moscow newsroom's continuing operations.
  11. Novaya Gazeta was founded in 1993. Its then editor-in-chief, Dmitry Muratov, jointly received the Nobel Peace Prize in 2021 for his “efforts to safeguard freedom of expression.” Five years later, the newsroom is preparing to leave its Moscow home.
  12. Six of the newspaper's journalists and staff members have been murdered over its history. Its newsroom has faced raids, and its journalists have faced prosecution. Russian authorities have also designated the publication a “foreign agent,” a label used to stifle dissent.
  13. The announced loss is the Moscow newsroom's continuing reporting and online publication from November 9. Readers still don't know whether they'll retain access to its existing archive after the servers are switched off.

Quellen

16 Quellen13 Medien1 Agenturtext

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