Welt · Pether verlässt den Irak
Robert Pether verlässt den Irak – die Freiheit, die ihm die Entlassung aus dem Gefängnis nicht brachte
Der australische Ingenieur war 2025 aus dem Gefängnis entlassen worden, durfte den Irak aber weiterhin nicht verlassen. Nun ist seine Abreise bestätigt; sein Wiedersehen mit der Familie in Irland und die noch offenen rechtlichen Folgen des Falls sind es nicht.
Video in der Originalsprache

Transkript · WIRD GELADEN
Aus dem englischen Original übersetzt.
ThemenverlaufTag 1
1 Bericht18 Medien38 Quellen1 Video
Robert Pether durfte nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis nicht nach Hause zurückkehren. Erst mit seiner Ausreise aus dem Irak ist das nun möglich. Der australische Ingenieur ist aus Bagdad ausgeflogen, nachdem die Behörden das Reiseverbot aufgehoben hatten, das ihn auch nach seiner bedingten Freilassung aus der Haft im Jahr 2025 im Land festhielt. Außenministerin Penny Wong bestätigte seine Abreise. 2 7
Wie der Irish Independent berichtet, verließ Pether Bagdad am Sonntagabend, dem 11. Oktober 2026. Sein Flug sollte am Montagmorgen, dem 12. Oktober, am Flughafen Dublin landen. Seine Abreise ist bestätigt; eine tatsächliche Landung oder ein Wiedersehen mit seiner Frau und seinen Kindern ist bislang nicht verifiziert. Dieser Unterschied ist wichtig in einer Geschichte, in der ein früherer Durchbruch – eine offene Gefängnistür – die Familie dennoch getrennt ließ. 4
Seine Frau Desree Pether und ihre Kinder leben in Elphin im irischen County Roscommon. Während sie auf seine Rückkehr warteten, beschrieben seine Angehörigen ihn gegenüber SBS als „erschöpft“, aber „etwas glücklicher“. Diese Worte bringen die Vorfreude zum Ausdruck, nicht ein bereits erfolgtes Wiedersehen. 4 7 23
Die belegte Chronologie umfasst etwa vier Jahre im Gefängnis, gefolgt von einer weiteren Zeit, in der Pether den Irak nicht verlassen konnte – nicht fünf ununterbrochene Jahre hinter Gittern. The National dokumentierte seine bedingte Freilassung bis zum 6. Juni 2025 und berichtete am 24. September desselben Jahres, dass ihm die Ausreise weiterhin untersagt war. Das genaue Datum seiner Entlassung aus dem Gefängnis und die vollständigen Auflagen sind noch unklar. 24 28
Die Entlassung aus dem Gefängnis war nicht das Ende
- 7. April 20212515
Pethers Inhaftierung beginnt. Ein späterer Bericht zum vierten Jahrestag nennt den Tag; die UN-Unterlagen verorten die Inhaftierung unabhängig davon im April 2021.
- Bis zum 6. Juni 202524
The National dokumentiert die bedingte Entlassung aus dem Gefängnis nach etwa vier Jahren.
- 24. September 202528
Pether kann den Irak weiterhin nicht verlassen, obwohl er nicht mehr im Gefängnis ist.
- Sonntagabend, 11. Oktober 20264
Er steigt in Bagdad in ein Flugzeug, nachdem die irakischen Behörden das Reiseverbot aufgehoben haben.
Die meisten aktuellen Berichte geben Pethers Alter mit 51 an; The National nennt 50. Ein verifiziertes Geburtsdatum, das diese Abweichung aufklären könnte, liegt nicht vor. Noch wichtiger: Wongs Bestätigung belegt, dass er den Irak verlassen hat, erklärt aber nicht, welche Vereinbarung ihm die Ausreise ermöglichte. Die genaue rechtliche Formulierung des Reiseverbots, die anordnende Stelle, der genaue Zeitpunkt seiner Aufhebung und etwaige Bedingungen für die Ausreise sind nicht verifiziert. 3 4 10 2
Ein Vertragsstreit führte zur Inhaftierung
Pether war leitender Ingenieur bei CME Consulting, einem in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Ingenieurbüro, das für den Bau des neuen Hauptsitzes der irakischen Zentralbank verantwortlich war. Zwischen dem Unternehmen und der Bank kam es zu einem Vertragsstreit wegen angeblicher Mängel bei der Ausführung der Arbeiten. Andere Berichte sprachen von Bauverzögerungen und strittigen Zahlungen. Diese Berichte erklären den geschäftlichen Konflikt, belegen aber nicht unabhängig davon einen kriminellen Betrug. 15 17
Er wurde wegen Betrugs festgenommen. Ein irakischer Richter befand ihn und seinen in Ägypten geborenen Kollegen Khalid Radwan der Täuschung für schuldig, wie aus einem früheren Bericht von ABC hervorgeht. Die Irish Times berichtete am 26. August 2021, beide seien Anfang jener Woche zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der genaue Tag der Urteilsverkündung ist nicht belegt. 26 13
Pether hat stets beteuert, die Vorwürfe seien fingiert und politisch motiviert gewesen. Seine Frau bezeichnete den Fall als „vollständige Erfindung“. Diese Position unterscheidet sich sowohl von der irakischen Verurteilung als auch von den späteren internationalen Menschenrechtseinschätzungen, die die Inhaftierung infrage stellten. 1 13
Die Geldstrafe ist ein weiterer ungeklärter Aspekt des Falls. Der SBS-Bericht vom 12. Oktober 2026 nennt eine Strafe von $16 Millionen. In einem Bericht der Irish Times vom 26. August 2021 ist von $12 Millionen die Rede, während Iraq Business News am 27. August ausdrücklich eine gemeinsame Geldstrafe von $12 Millionen für Pether und Radwan nennt. Keine dieser verfügbaren Formulierungen gibt an, welche Dollarwährung gemeint ist, oder erklärt das Verhältnis zwischen den Beträgen. 1 13 30
Es wäre verlockend, die Zahlen als australische und US-Dollar miteinander in Einklang zu bringen. Die Belege lassen das nicht zu. Ebenso wenig belegen sie zwei getrennte Strafen, die addiert werden könnten. Die Währung des ursprünglichen Urteils und die Haftungsbedingungen, etwaige ausstehende Verpflichtungen und die Frage, ob eine Zahlung Voraussetzung für die Ausreise war, sind weiterhin unbekannt.
Internationale Prüfung klärte nicht alles
Die UN-Arbeitsgruppe gegen willkürliche Inhaftierungen verabschiedete in ihrer Sitzung vom 15. bis 22. November 2021 die Stellungnahme Nr. 70/2021 zu Pether und Radwan. Iraq Business News berichtete, die Arbeitsgruppe habe festgestellt, dass die Männer aus diskriminierenden Gründen willkürlich inhaftiert worden seien, und ihre sofortige Freilassung gefordert. Auch The Guardian und The Irish Times berichteten über Feststellungen zu einem Verschwindenlassen. 12 33 16 34
Die vollständigen inhaltlichen Absätze lagen zur Überprüfung nicht vor. Daher können die genaue Begründung, der Umfang der Feststellung zum Verschwindenlassen und die vollständigen Abhilfemaßnahmen hier nicht wiedergegeben werden. Diese Unterscheidung ist wichtig: Eine UN-Einschätzung, die die Inhaftierung infrage stellt, ist kein irakisches Strafgerichtsurteil, das eine Verurteilung aufhebt.
Eine von The Guardian am 10. Juni 2023 gemeldete Entscheidung eines Tribunals machte die irakische Zentralbank für den zugrunde liegenden Streit verantwortlich und führte zu einem erneuten Appell der Familie für eine Freilassung. Diese Feststellung betrifft unmittelbar den geschäftlichen Konflikt, der der Inhaftierung zugrunde lag. Aus dem verfügbaren Bericht geht jedoch nicht hervor, dass damit die strafrechtliche Verurteilung aufgehoben oder Pether entlastet wurde. 18
Die rechtliche Unsicherheit dauerte bis ins Jahr 2025 an. Berichten vom Januar zufolge wurde Pether erneut festgenommen, obwohl er bereits inhaftiert war, und mit neuen Vorwürfen konfrontiert; Berichte vom April sprachen von erneuten Anklagen. Wie diese letztlich ausgingen, ist nicht belegt. Die bedingte Freilassung war kein Beweis für einen Freispruch, und die Ausreise belegt weder eine Begnadigung noch die Aufhebung aller finanziellen Verpflichtungen. 20 26 25
Die gesundheitliche Warnung, die hinter der Reise stand
In den letzten Monaten der Haft wurde Pethers Gesundheitszustand zu einem dringenden Anliegen. In einer UN-Mitteilung vom 22. Mai 2025 mit dem Aktenzeichen UA IRQ 2/2025 wurde der Vorwurf erhoben, die Haftbedingungen entsprächen nicht den internationalen Standards einer humanen und würdevollen Behandlung. Darin hieß es, Berichten zufolge verschlechtere sich sein Gesundheitszustand rapide; außerdem wurden Maßnahmen gefordert, um sein Leben zu schützen und irreparablen Schaden, auch möglicherweise tödliche Folgen, abzuwenden. 15
Dieselbe Mitteilung warnte den Irak davor, eine Person festzunehmen, strafrechtlich zu verfolgen oder in Haft zu halten, um Druck auf eine andere Einrichtung auszuüben. Ein solches Vorgehen „may constitute not only wrongful detention but also hostage-taking“ („könnte nicht nur eine rechtswidrige Inhaftierung, sondern auch eine Geiselnahme darstellen“). Die Worte „könnte darstellen“ sind entscheidend: Der Satz war eine rechtliche Warnung und keine abschließende Feststellung, dass eine Geiselnahme stattgefunden hatte. 15
Am 6. Juni, nach der bedingten Freilassung, bezeichnete seine Familie seinen Gesundheitszustand als ernst. Diese Berichte beziehen sich auf seinen damaligen Zustand. Es gibt keine verifizierte aktuelle medizinische Einschätzung, die seinen Gesundheitszustand heute belegt; die früheren Warnungen dürfen nicht als gegenwärtige Diagnose dargestellt werden. 24
Quellen zu diesem Bericht
Berichte zur Abreise: SBS-News-Beitrag vom 12. Oktober 2026 1; ABC News, „Australischer Ingenieur Robert Pether darf fünf Jahre nach seiner Festnahme den Irak verlassen“ 2; BBC, „Jahrelang im Irak festgehaltener Australier auf dem Weg nach Hause“ 3; Irish Independent, „Ingenieur Robert Pether kehrt fünf Jahre nach seiner Festnahme im Irak nach Irland zurück“ 4; RTÉ, „Robert Pether kehrt nach irakischer Haft nach Irland zurück“ 5.
Weitere Berichte zur Abreise: Sydney Morning Herald 6; SBS-Interview mit der Familie 7; The Irish Times 8; 7NEWS 9; The National 10; The Canberra Times 11; SBS-Video zur Abreise 22; TheJournal 23.
Primärdokumente der UN: Stellungnahme Nr. 70/2021 der Arbeitsgruppe gegen willkürliche Inhaftierungen 12; Mitteilung vom 22. Mai 2025, UA IRQ 2/2025 15; Verzeichnis der verabschiedeten Stellungnahmen des OHCHR 35.
Berichte zu Urteil und Fall: The Irish Times, 26. August 2021 13; The Guardian, 26. August 2021 14; Extra.ie, 28. August 2021 17; The National zu den Einwänden der australischen Regierung gegen den Prozess 19; The National zum Urteil von 2021 29; Iraq Business News zu den Urteilen und der gemeinsamen Geldstrafe 30.
Internationale Prüfung und der geschäftliche Streit: The Guardian zur UN-Einschätzung 16; The Guardian zur Feststellung des Tribunals von 2023 18; The National zur Forderung der UN nach Freilassung 21; The National, „Neue Hoffnung für die Familien von in Dubai lebenden Menschen, die im Irak inhaftiert sind“ 27; Iraq Business News zu willkürlicher Inhaftierung 33; The Irish Times zur UN-Forderung nach Freilassung 34; Iraq Business News, „Neue Zweifel an der Verurteilung ausländischer Geschäftsleute im Irak“ 36.
Anhaltende Haft, Gesundheit und Freilassung: Crikeys Bericht vom Januar 2025 20; The Nationals Bericht vom 6. Juni 2025 zur bedingten Freilassung 24; dessen Bericht zum Jahrestag vom 7. April 25; ABC-Bericht vom Januar 2025 zu neuen Anklagen 26; The Nationals Bericht vom 24. September zum Reiseverbot 28; SBS-Bericht über einen Brief aus dem Gefängnis 31; The Nationals Bericht von 2022 zum Justizministerium 32; Iraq Business News zum Dreijahresmeilenstein 37; Pether-Folge von Pod Hostage Diplomacy 38.
Wie ausgestrahlt 19 Zeilen
- Robert Pether has boarded a flight out of Iraq after years unable to leave.
- The Australian engineer spent about four years in prison, then remained trapped by a travel ban. Lifting that restriction lets him begin the journey back to his wife and children.
- What does his departure resolve, and what still hangs over his return to his family?
- Pether left Baghdad on Sunday night after Iraqi authorities lifted the ban. His flight was due at Dublin Airport on Monday morning, October 12. His family lives in Elphin, County Roscommon. His landing and their reunion haven't yet been confirmed.
- His family described him as “exhausted” but “slightly happier” while they awaited his return. His wife, Desree Pether, and their children have lived through years of separation, including a period when leaving prison still didn't let him come home.
- Foreign Minister Penny Wong confirmed that Pether had left Iraq. The change ends the restriction keeping him in Baghdad after his prison release. His family expected to see him in Ireland that day, more than five years after his detention began.
- Pether spent about four years behind bars. By June 2025, he had been conditionally released, but a travel ban kept him in Iraq. Counting the whole period as five years in prison erases the long wait that followed his release from custody.
- Pether was detained on April 7, 2021. He was conditionally out of prison by June 6, 2025. On September 24 that year, he still couldn't leave Iraq. His departure on October 11, 2026, finally ended that barrier to returning home.
- The case grew out of a construction contract involving Iraq's central bank. Pether was the lead engineer for CME Consulting, a company based in the United Arab Emirates. The company was responsible for building the bank's new headquarters.
- The Central Bank of Iraq and CME Consulting fell into a contractual dispute over alleged failures to carry out the work. Construction delays and payments were also disputed. That commercial conflict became the backdrop to Pether's arrest on fraud charges.
- An Iraqi judge found Pether and his Egyptian-born colleague, Khalid Radwan, guilty of deception. Both received five-year prison sentences in August 2021, earlier in the week of August 26. Pether has consistently said the charges were bogus and politically motivated. Desree called the case a “complete fabrication.”
- Pether's fine is reportedly sixteen million dollars. But the penalty was earlier put at twelve million dollars jointly for him and Radwan. The dollar currency hasn't been identified, and the difference remains unexplained. Those figures can't safely be combined or converted.
- The dispute also reached a tribunal. A finding made public in June 2023 placed responsibility for the underlying commercial conflict on Iraq's central bank. That prompted another family appeal for Pether's release. The family was still seeking his freedom long after international scrutiny had challenged his detention.
- A United Nations working group assessed the men's detention as arbitrary on discriminatory grounds. Its findings also described enforced disappearance and called for their immediate release. The group adopted its opinion in November 2021, years before Pether could cross the border.
- Pether faced fresh accusations even while he was already imprisoned. In January 2025, he was described as having been rearrested in custody. Renewed charges were again raised in April. Meanwhile, his health became an urgent concern during the final months of his imprisonment.
- United Nations human-rights experts warned Iraq against detaining someone to pressure another entity. They said that conduct could amount to wrongful detention and might constitute hostage-taking. Their warning raised the possible legal consequence of using a person as leverage in a wider dispute.
- In that May 22, 2025 communication, the experts said Pether's health was rapidly deteriorating. They raised allegations of detention conditions below humane-treatment standards and urged Iraq to protect his life. They warned that delay could cause irreparable harm, including potentially fatal consequences.
- By June 6, following his conditional release, his family described him as seriously unwell. Those warnings concern his condition then. His current medical condition hasn't been made clear.
- Pether can now leave Iraq and travel toward his family. The government hasn't explained the arrangement that enabled his departure. Nobody has clarified where his conviction and the renewed accusations now stand. It's also unclear whether any fine remains due, or whether payment was required before he could leave.
Quellen
38 Quellen17 Medien1 Video
Quellenkarte
Verfolgen Sie die Belege zu diesem Bericht. Die Karte zeigt die Zusammenhänge; die Links darunter öffnen die im Artikel zitierten Quellen.
Die Quellenkarte lädt, während Sie lesen.
Übersetzung aktualisiert:
Änderungsprotokoll
- r1Erstmals veröffentlicht.
