Wissenschaft · Waldfledermäuse
98 Millionen Fledermausrufe könnten zeigen, welche Wälder Englands stärker geschützt werden müssen
Eine Erhebung an 310 Waldstandorten in England erfasst Fledermausaktivität in gewaltigem Umfang. Ihr Nutzen für den Naturschutz hängt von verifizierten Artnachweisen ab – nicht davon, Rufe als Bestandszählung zu behandeln.
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Für jemanden, der darüber entscheidet, wie ein Wald bewirtschaftet werden soll, könnte die Kenntnis, dass eine gefährdete Fledermausart ihn nutzt, verändern, was geschützt werden muss. Ein Tier, das bei früheren Erhebungen übersehen wurde, könnte dennoch auf diesen Lebensraum angewiesen sein. Das ist das praktische Versprechen einer gewaltigen Horchaktion in den Wäldern Englands: Orte sichtbar zu machen, deren Bedeutung übersehen wurde, statt einfach nur mehr Tierlaute zu sammeln.
Bei der National Woodland Bat Survey wurden mehr als 98 Millionen Fledermausrufe von 310 Waldstandorten gesammelt. Künstliche Intelligenz hilft Forschenden dabei, Arten in 217 Terabyte Aufnahmen zu erkennen und zu bestimmen. Forest Research und das University College London gaben diese Zahlen am 30. Oktober 2026 bekannt. Der Umfang ist beeindruckend; für den Naturschutz kommt es darauf an, was Forschende anhand dieser Daten zuverlässig feststellen können. 10 9
Die wichtigsten Fakten
Laut BBC News wurden Mopsfledermäuse in Gebieten nachgewiesen, in denen sie zuvor nicht erfasst worden waren, insbesondere im Südwesten Englands. Der Bat Conservation Trust stuft die Mopsfledermaus, Barbastella barbastellus, sowohl in Großbritannien als auch in England als gefährdet ein. Ein bestätigter Nachweis dieser seltenen Art könnte Naturschützern Anlass geben, einen Wald genauer zu untersuchen. 1 18
Die einzelnen Wälder, auf die sich diese gemeldeten Entdeckungen beziehen, wurden in den verfügbaren Belegen jedoch nicht genannt. Die primären Projektinformationen belegen den Gesamtumfang der Erhebung, bestätigen aber nicht unabhängig, dass sich die neu erfassten Mopsfledermäuse im Südwesten konzentrieren. Diese geografische Feststellung sollte daher weiterhin der BBC zugeschrieben und nicht als detaillierte, veröffentlichte Karte der Verbreitung der Art dargestellt werden. 1 10
Ein neuer Nachweis ist keine Erholung
Es ist wichtig, zwischen der Entdeckung einer Fledermaus und dem Nachweis einer Veränderung ihrer Lage zu unterscheiden. Ein erster Nachweis sagt Forschenden, dass das Tier dort erfasst wurde. Er sagt nicht, dass es erst vor Kurzem dort angekommen ist. Durch genauere Erfassung können Tiere entdeckt werden, die bei früheren Erhebungen übersehen wurden.
Auch belegt ein neuer Nachweis allein weder eine Fortpflanzung noch eine Ausbreitung des Verbreitungsgebiets oder eine wachsende Population. Das sind unterschiedliche Fragen, für die zusätzliche Belege erforderlich sind. Die gemeldeten Entdeckungen der Erhebung sind vielversprechende Hinweise auf die Nutzung von Lebensräumen, aber kein Beleg dafür, dass sich die Bestände der Mopsfledermaus erholen.
Auch die Schlagzeilenzahl der Rufe ist mit Vorsicht zu betrachten. Eine einzelne Fledermaus kann wiederholt rufen; aus mehr als 98 Millionen Rufen lassen sich deshalb nicht mehr als 98 Millionen Tiere ableiten. Akustische Aufzeichnungen helfen Forschenden, die Aktivität zu untersuchen und Arten zu bestimmen; für sich genommen sind sie keine Bestandszählung.
Die genauen Projektzahlen passen auch zur anfänglichen Beschreibung der BBC von mehr als 90 Millionen Rufen aus mehr als 300 Wäldern. Das waren Mindestangaben, keine widersprüchlichen Zählungen. Obwohl der Projektname und einige Mitteilungen einen nationalen oder britischen Rahmen verwenden, handelt es sich bei den 310 Standorten um eine Stichprobe englischer Wälder – nicht um eine gleichmäßige Abdeckung des Vereinigten Königreichs und auch nicht um alle Wälder Englands. 1 10 14
Die BBC berichtet, dass die Geräte über einen Zeitraum von drei Jahren Aufnahmen gemacht haben. Der genaue Beginn und das Ende dieses Zeitraums sind nicht bekannt. Unabhängig davon besagt der Datenkatalog des Projekts, dass die Partnerschaft seit 2021 besteht; dieses Datum sollte nicht mit einem bestätigten Beginn des dreijährigen Aufnahmezeitraums verwechselt werden. 12 14
Vom automatisierten Label zum Beleg
Forest Research und der Bat Conservation Trust leiten das Projekt, das über das Programm Natural Capital and Ecosystem Assessment des Ministeriums für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten finanziert wird. Auch das University College London, bekannt als UCL, ist beteiligt. Bei diesem Umfang wäre eine vollständige manuelle Analyse der Audiodaten äußerst mühsam. Die automatisierte Verarbeitung macht das Archiv praktikabler nutzbar. 3 9 12
Die Aufnahmen werden mit dem Sound Classification System des Bat Conservation Trust verarbeitet. KI erkennt Fledermauslaute und hilft dabei, sie anhand von Mustern in Spektrogrammen den Arten zuzuordnen – Darstellungen von Schall über Frequenz und Zeit. Aus der verfügbaren Dokumentation geht weder der genaue zugrunde liegende Klassifikator noch die Softwareversion hervor. Daher gibt es hier keine Grundlage, den Ergebnissen einen bestimmten Modellnamen oder einen Genauigkeitsprozentsatz zuzuschreiben. 8 1
Entscheidend ist die Überprüfung: Ein maschinell erzeugtes Label muss von einem bestätigten biologischen Nachweis unterschieden werden. Bei einer seltenen Art ist das keine technische Randbemerkung. Ob ein Wald als Lebensraum einer gefährdeten Fledermausart gilt, könnte davon abhängen, ob Forschende bestätigen können, dass der aufgezeichnete Ruf tatsächlich von dieser Art stammt.
Der Beispieldatensatz des Projekts aus dem Jahr 2024 enthält ausdrücklich unvalidierte, automatisierte Klassifizierungen von Fledermaus-Echoortungsrufen. Diese Beschreibung gilt für den Beispieldatensatz; sie belegt nicht, dass alle Ergebnisse der umfassenderen Erhebung unvalidiert sind. Ein anderer Datensatz ist als Verified Bat Activity katalogisiert. Ebenso bedeutet das Vorhandensein dieser geprüften Aufzeichnungen nicht, dass alle 98 Millionen Rufe einzeln verifiziert wurden. Welcher Anteil der gesamten Erhebung verifiziert wurde, ist unklar. 3 14
Hier wird deutlich, dass die Qualität einzelner Aufzeichnungen wichtiger ist als die gewaltige Gesamtzahl. Ein klar dokumentierter Nachweis, der einem bestimmten Wald zugeordnet ist, kann in eine Bewertung des Lebensraums einfließen. Eine riesige Menge unsicherer Labels erfüllt nicht dieselbe Aufgabe, nur weil sie riesig ist.
Forest Research zufolge sind alle Fledermäuse im Vereinigten Königreich zum Fressen, Ruhen oder für den Wechsel zwischen Orten auf Wälder angewiesen. Der potenzielle Nutzen der Erhebung reicht daher über Entdeckungen seltener Arten hinaus: Ein genaueres Bild davon, welche Fledermäuse welche Wälder nutzen, könnte dabei helfen, wichtige Lebensräume zu bestimmen und die künftige Bewirtschaftung anzuleiten. 16
Bislang wurde jedoch weder eine konkrete Änderung der Bewirtschaftung noch die Ausweisung eines neuen Schutzgebiets oder eine messbare Verbesserung der Fledermausbestände infolge dieser Erhebung nachgewiesen. Ihr unmittelbarer Erfolg besteht darin, die Kapazität zum Erfassen von Fledermauslauten erheblich ausgebaut zu haben. Daraus muss ein Naturschutzbeitrag werden, indem verifizierte Artnachweise klar mit den von den Tieren genutzten Wäldern und den Entscheidungen über diese Wälder verknüpft werden.
Als Nächstes sind daher konkrete Angaben wichtig: In welchen Wäldern wurden die neu erfassten Mopsfledermäuse nachgewiesen, wie wurden diese Nachweise überprüft und was werden die Verantwortlichen anders machen? Diese Antworten sind für die Fledermäuse wichtiger als eine weitere beeindruckende Gesamtzahl.
Wie ausgestrahlt 14 Zeilen
- Recorders captured more than 98 million bat calls in England's woodlands. AI is helping researchers identify species and potentially overlooked habitat for vulnerable bats. How much can those recordings tell us about which woodlands need protection?
- The National Woodland Bat Survey collected 217 terabytes of recordings from 310 woodland sites. Those totals sharpen the earlier description of more than 90 million calls from more than 300 woodlands. The earlier figures were lower bounds, so the more precise numbers fit within them.
- An individual bat can call repeatedly. Researchers can use those sounds to investigate activity and identify species, but turning call totals into animal numbers would give a misleading picture of how many bats live in these woods.
- The survey covers English woodlands, with devices recording over three years. Barbastelles have reportedly been detected in previously unrecorded areas, especially south-west England. The 310 sites represent a sample of English woodland, rather than equivalent coverage across the whole United Kingdom.
- Forest Research and the Bat Conservation Trust lead the project. Defra funds it through its Natural Capital and Ecosystem Assessment programme. The partnership has operated since 2021. That partnership date is separate from the three-year recording period, whose exact beginning and end haven't been specified.
- The barbastelle is classified as Vulnerable in both Great Britain and England. Finding this rare bat in a woodland where its presence had gone unrecorded could change how that habitat's importance is understood, giving conservationists a reason to examine it more closely.
- A first record tells us that a bat was detected there. Better listening can reveal animals that earlier surveys missed. Researchers would need other evidence to show that barbastelles are moving into new territory, breeding there, or increasing in number. The new detections alone can't demonstrate population recovery.
- AI detects bat sounds and helps classify calls by species using patterns in spectrograms. These are pictures of sound across frequency and time. The Bat Conservation Trust's Sound Classification System processes the recordings, while verification separates an automated label from a checked biological record.
- University College London, known as UCL, is involved in the project. At this scale, analysing the audio by hand would be extremely laborious. Automated processing makes the collection more practical to use, but the conservation value depends on how reliably researchers identify the species behind the calls.
- The project's 2024 example dataset explicitly contains unvalidated automated call classifications. For a rare species, checking a label has practical consequences. A woodland's apparent importance could depend on whether researchers can confirm that the call really belongs to that bat.
- A separate dataset contains Verified Bat Activity records. The example's unvalidated status applies to that example, while the verified dataset provides checked activity evidence. Its existence doesn't mean all 98 million calls were individually checked. The survey-wide share verified isn't clear.
- All UK bats depend on woodland for feeding, roosting or travelling between places. That makes the survey useful beyond the rare-species discoveries. A clearer picture of which species use different woods can help researchers identify important habitat and guide future woodland management.
- The recordings can reveal where bats are active and help identify habitat that deserves closer attention. Turning that information into conservation decisions requires clearly documented species records. The survey's practical promise rests on connecting verified detections with the woods those animals use.
- The next details needed are which woodlands contain the newly recorded barbastelles, how those detections were checked, and what management decisions will follow. No specific management change or measured improvement in bat populations has yet been demonstrated by this survey.
Quellen
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