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Wissenschaft · Banteng-Schutz

Können Australiens verwilderte Banteng helfen, ihre Art zu retten?

Indonesiens Botschafter möchte Gespräche über Forschung führen, bei der die Herde im Northern Territory zur Erholung der Bestände in Indonesien beitragen könnte. Ihr möglicher Wert hebt die Schäden, die sie australischen Lebensräumen zufügt, nicht auf.

Verfasst 6 Min. Lesezeit

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Aus dem englischen Original übersetzt.

Etwa 10,000 verwilderte Banteng leben auf Australiens Cobourg-Halbinsel – ungefähr zehnmal so viele, wie Schätzungen zufolge in Indonesien noch wild leben. Für ein eingeführtes Tier, das australische Lebensräume schädigt, eröffnet diese große Zahl eine ungewöhnliche Möglichkeit: Die Herde könnte zu einer Ressource für die Rettung ihrer im Ausland vom Aussterben bedrohten Art werden. Indonesiens Botschafter in Australien möchte, dass beide Länder dies untersuchen.⁠1

Siswo Pramono hat eine Forschungskooperation zwischen indonesischen Nationalparks und der Regierung des Northern Territory vorgeschlagen, die möglicherweise zur Rückführung genetisch geeigneter Tiere führen könnte. Doch es ist ein Aufruf, ein Gespräch zu beginnen, keine vereinbarte Rückführung. Er sagte ABC News, dass keine formellen Gespräche stattgefunden hätten; der Bericht vom 5. November enthielt keine Stellungnahme der Regierung des Northern Territory.⁠1

Dieser Unterschied ist wichtig. Eine große Population außerhalb des ursprünglichen Verbreitungsgebiets einer Art kann Naturschutzmöglichkeiten eröffnen, ohne automatisch die richtigen Tiere, ein sicheres Ziel oder einen Grund dafür zu liefern, die örtlichen Umweltschäden unbeachtet zu lassen. Es geht nicht einfach darum, ob Australien Banteng schützen sollte. Die Frage ist, was ein solcher Schutz bewirken würde, für welche Populationen und auf Kosten welcher Ökosysteme.

Die Cobourg-Halbinsel liegt etwa 200 Kilometer nordöstlich von Darwin und umfasst den Garig-Gunak-Barlu-Nationalpark. Die dortigen Banteng stammen von Tieren ab, die während einer gescheiterten kolonialen Siedlung in den 1840er-Jahren aus Südostasien eingeführt wurden. Fast zwei Jahrhunderte später bezeichnet die Regierung des Northern Territory die Halbinsel als Heimat der größten Banteng-Population der Welt.⁠1⁠11

Auch die Populationszahlen müssen mit Vorsicht betrachtet werden. Die Schätzungen von etwa 10,000 Tieren auf der Cobourg-Halbinsel und etwa 1,000 in freier Wildbahn in Indonesien stammen aus dem ABC-Bericht, der weder Erhebungszeitpunkte noch Zählmethoden angibt. Es handelt sich nicht um unabhängig verifizierte Zählungen, und die indonesische Zahl ist eine landesweite Schätzung – keine weltweite Gesamtzahl.⁠1

Ein Zufluchtsort, aber keine fertige Rettung

Die weiter reichende Notlage der Art ist gravierend. Die IUCN SSC Asian Wild Cattle Specialist Group teilt mit, dass Banteng am 28. Oktober 2024 von «stark gefährdet» zu «vom Aussterben bedroht» hochgestuft wurden. Vorausgegangen war ein geschätzter weltweiter Rückgang um mehr als 80 Prozent innerhalb von zwei Jahrzehnten, verursacht durch Wilderei und Lebensraumverlust. Dieser Rückgang beschreibt keinen vergleichbaren Einbruch bei der eingeführten Herde in Australien.⁠19

Auf der Informationsseite des Northern Territory zu Banteng wird die Art weiterhin als gefährdet bezeichnet. Diese Formulierung wurde durch die spätere Naturschutzbewertung überholt; sie sollte nicht als Beleg dafür verstanden werden, dass die weltweite Lage der Art weniger dringlich ist.⁠11⁠19

Pramonos Argument lautet, dass das Überleben in Australien eine Chance bewahrt hat. «Australien ist erstaunlich, es ist wie Noahs Arche aus der Bibel», sagte er ABC. Der Vergleich ist ein Argument dafür, den Wert der Herde zu untersuchen, nicht die Behauptung, Banteng seien in Indonesien bereits verschwunden.⁠1

Er stellt sich eine Zusammenarbeit in beide Richtungen vor. Einige Tiere aus dem Northern Territory könnten nach Indonesien zurückkehren, wenn sie für dessen Nationalparks als «genetisch passend» eingestuft würden. Außerdem schlug er vor, weitere Banteng ins Territory zu bringen, um die «genetische Vielfalt» der australischen Herde zu verbessern. Er möchte, dass Gespräche zwischen der Regierung des Territory und den indonesischen Nationalparks beginnen, bevor Australiens Department of Foreign Affairs and Trade einbezogen wird. Keiner der beiden Vorschläge ist eine angekündigte Tierverlegung.⁠1

Eine Rückführung oder Wiederansiedlung ist eine Möglichkeit, aber wir müssen sehr vorsichtig sein.

Siswo Pramono 1

Es gibt einen wissenschaftlichen Grund, die Idee ernst zu nehmen. Eine Studie aus dem Jahr 2006 identifizierte mithilfe mitochondrialer DNA, Y-Chromosom-Sequenzierung und eines nuklearen Gens, das für Lactoferrin kodiert, reinrassige Banteng in Nordaustralien. ABC zufolge untersuchte die Studie mehr als 50 Tiere in Garig Gunak Barlu und fand genetische Merkmale, die in Südostasien typischerweise nicht vorkommen.⁠7⁠1

Die Abstammung festzustellen ist jedoch nicht dasselbe, wie Tiere für eine Freilassung auszuwählen. Der historische Befund belegt nicht, dass bestimmte Banteng heute mit einer bestimmten indonesischen Herde kompatibel, gesund genug für einen Transport oder für die künftige genetische Vielfalt dieser Herde von Vorteil wären. Das sind getrennte Fragen, die eine neue Bewertung erfordern.

Eine separate Arbeit aus dem Jahr 2007 befasste sich mit der geringen genetischen Vielfalt in der durch einen Populationsengpass geprägten australischen Population. Sie sollte weder mit der Identifizierungsstudie von 2006 verwechselt noch als aktuelle Bewertung einzelner Tiere betrachtet werden. Ihr Thema belegt auch nicht, dass Pramonos Vorschlag, Tiere zur australischen Herde hinzuzufügen, zwangsläufig helfen würde. Genetische Identität und genetische Vielfalt sind unterschiedliche Aspekte; ein Schutzplan müsste beide untersuchen.⁠2⁠7

Hier müssen zwei Landschaften geschützt werden

Die Kosten in Australien sind nicht hypothetisch. Die Regierung des Northern Territory erklärt, dass die Beweidung durch Banteng die Vegetation beeinträchtigt und ihr Trampeln Dünenökosysteme und Feuchtgebiete schädigt. Ihre Angaben beziffern diese Verluste nicht und belegen keine bestimmten Folgen für die Bestände einheimischer Arten. Die Belege sprechen dafür, die Schäden ernst zu nehmen, ohne sie zu Behauptungen aufzubauschen, die durch die verfügbare Überwachung nicht nachgewiesen sind.⁠11

Garig Gunak Barlu ist ein gemeinsam verwalteter Nationalpark. Das internationale Interesse an den Rindern begründet für sich genommen weder eine neue Managemententscheidung noch ein Populationsziel oder eine Änderung der Maßnahmen zur Tierkontrolle. Ein Vorschlag, den Naturschutzwert zu bewahren, muss weiterhin mit den Verantwortlichkeiten für den Lebensraum der Tiere vereinbar sein.⁠12

Daniel Ramp, Direktor des Centre for Compassionate Conservation, argumentiert, Australien sollte neben seinen eigenen Naturschutzbedürfnissen auch den globalen Status eingeführter Tiere berücksichtigen. Seine Einschränkung ist wichtig: Die Auswirkungen auf bedrohte einheimische Arten sollten gemindert werden. «Ab wann gehen wir diesen Kompromiss ein, bei dem wir unsere Naturschutzbedürfnisse in Australien mit denen weltweit in Einklang bringen?», fragte er ABC.⁠1

Das ist eine bessere Frage, als «verwildert» und «vom Aussterben bedroht» als sich gegenseitig ausschließende Kategorien zu behandeln. Banteng können sowohl eine Belastung für australische Ökosysteme als eingeführte Tiere sein als auch eine potenziell wertvolle Population einer weltweit bedrohten Art darstellen. Die eine Einordnung hebt die andere nicht auf.

Auch die Lebensräume in Indonesien, die Tiere aufnehmen könnten, müssten geschützt werden. Wilderei, Lebensraumverlust und Konkurrenz durch Nutztiere bedrohen die Banteng dort, während Isolation Populationen Risiken durch genetische Drift aussetzt – zufällige Veränderungen der genetischen Variation über Generationen hinweg. Eine Rückführung würde diese Belastungen nicht von selbst beseitigen und auch nicht belegen, dass ein geeigneter Standort über genügend sicheren Lebensraum verfügt, um die Tiere zu erhalten.⁠21

Bekannt

  • Der Botschafter hat Forschungskooperation und Rückführungen unter bestimmten Bedingungen vorgeschlagen. Er sagt, dass keine formellen Gespräche stattgefunden haben. 1

Unbekannt

  • Den verfügbaren Berichten zufolge gibt es keine vereinbarte Verlegung, keinen aufnehmenden Park, keine festgelegte Zahl von Tieren, keinen Zeitplan und keinen genehmigten Freilassungsplan.

Als Nächstes

  • Achten Sie auf eine offizielle Stellungnahme und eine Entscheidung, genetische Untersuchungen sowie Bewertungen der Tiergesundheit und des Aufnahmeorts in Auftrag zu geben.

Die allgemeinen Richtlinien des Northern Territory für die Umsiedlung von Wildtieren legen die Anforderungen an Vorschläge und Genehmigungen dar. Sie sind jedoch kein Beleg dafür, dass ein Banteng-spezifischer Antrag gestellt oder genehmigt wurde. Die behördliche Genehmigung, die Eignung der Tiere und der ökologische Nutzen müssten jeweils nachgewiesen werden – sie dürfen nicht aus der Größe der Herde abgeleitet werden.⁠14

Pramono hat eine potenziell wertvolle Ressource ausgemacht, keinen fertigen Rettungsplan. Die überzeugendste Version seines Vorschlags würde weder die eine Herde noch den einen Lebensraum auf Kosten des anderen schützen: Sie würde prüfen, ob australische Banteng die Erholung der Bestände in Indonesien stärken und zugleich die Schäden verringern können, die sie dort verursachen, wo sie heute leben. Die Möglichkeit ist real genug, um sie zu untersuchen. Ob daraus wirksamer Naturschutz werden kann, ist noch offen.

Wie ausgestrahlt
  1. Cobourg Peninsula holds the world's largest population of banteng, a critically endangered wild cattle species. Indonesia's ambassador wants the introduced Australian herd protected as a possible resource for recovery back home. But these animals also damage Australian habitats. Can that herd help Indonesia's wild banteng recover while protecting the landscapes it damages?
  2. The herd lives about 200 kilometres north-east of Darwin, on Cobourg Peninsula. Garig Gunak Barlu National Park is there, far from the Indonesian populations that might eventually receive some of these animals.
  3. About 10,000 banteng are estimated to live on the peninsula, compared with about 1,000 remaining in the wild in Indonesia. Those estimates describe an Australian feral population and Indonesia's wild animals. The Indonesian figure covers that country alone.
  4. The Australian animals descend from banteng brought from South-East Asia during a failed colonial settlement in the 1840s. Their descendants have survived here for almost two centuries. That survival gives Indonesia's ambassador to Australia, Siswo Pramono, a reason to pursue conservation cooperation.
  5. Pramono says some animals could return to Indonesia if they're genetically suitable for its national parks. He also says no formal talks have taken place. He wants research cooperation to begin between Indonesian national parks and the Northern Territory government.
  6. He would bring Australia's Department of Foreign Affairs and Trade into the conversation afterward. His proposal also runs in the other direction. He suggests bringing more banteng into the Northern Territory to improve the Australian herd's genetic variety. Both ideas would need assessment.
  7. Banteng numbers globally are estimated to have fallen by more than 80 percent over two decades, driven by poaching and habitat loss. That decline underpinned the species' move from endangered to critically endangered on October 28, 2024.
  8. A Northern Territory government information page still describes banteng as vulnerable, conflicting with that later conservation assessment. The global decline describes the species' wider crisis. Australia's large introduced herd has followed a different path, making its possible conservation value worth investigating.
  9. Researchers identified pure-strain banteng genetics in more than 50 animals sampled in Garig Gunak Barlu in 2006. Those genetics weren't typically seen in South-East Asia. A separate 2007 study addressed low genetic diversity in the Australian population after its narrow founding bottleneck.
  10. The 2006 researchers examined mitochondrial DNA, the Y chromosome and a nuclear gene linked to the protein lactoferrin. Their finding identified the animals' ancestry. Choosing animals for a return would require fresh checks of their health and compatibility with a receiving herd.
  11. Banteng grazing changes vegetation, and their trampling damages sand-dune ecosystems and wetlands. Those are local costs that protection would have to address. Garig Gunak Barlu is jointly managed, so international interest in the herd also meets existing responsibilities for the park.
  12. Pramono likens Australia to Noah's ark because animals threatened in their original homes can survive here. He sees that survival as an opportunity to help preserve the species. Conservation expert Daniel Ramp places habitat protection alongside that international responsibility.
  13. Ramp says impacts on native threatened species should be reduced wherever they occur. He also argues that Australia should consider the global conservation status of introduced animals. His challenge is how to meet both responsibilities when they pull management in different directions.
  14. Indonesia's wild banteng still face poaching and habitat loss. Livestock competition adds pressure, while isolated populations risk losing genetic variety through chance changes over generations. Returning animals would have to fit a wider recovery effort that tackles those threats.
  15. A large herd overseas can offer potential breeding animals, but recovery also requires suitable receiving habitat and protection. Researchers would need to assess how many animals a receiving site could support, and whether mixing populations would help their long-term survival.
  16. Pramono's immediate request is to start the conversation. Turning it into a workable plan would require genetic, animal-health and receiving-site assessments, alongside the necessary permissions. The Northern Territory government's response to his proposal hasn't been announced.
  17. The Australian herd offers a potentially valuable resource for Indonesian recovery. Using it successfully would mean protecting native Australian habitats while choosing animals suited to a receiving herd. Those animals would also need a protected home where enough habitat remains to sustain them.

Quellen15

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