Justiz · Todesurteil aufgehoben

Saudisches Gericht hebt Todesurteil gegen Arbeiter wegen eines Facebook-Kommentars auf – Freiheit bleibt unbestätigt

Sri-lankische Amtsträger bestätigen, dass das Todesurteil gegen Anojan Sivarasa aufgehoben wurde. Seine Freilassung, die endgültige Strafe und die Möglichkeit, nach Hause zurückzukehren, bleiben ungeklärt.

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Ein einziger Facebook-Kommentar brachte Anojan Sivarasa in Saudi-Arabien von einer fünfjährigen Haftstrafe zu einem Todesurteil. Nun wurde das Todesurteil aufgehoben – doch die Freiheit des sri-lankischen Arbeitsmigranten ist weiterhin nicht bestätigt. Mit der Aufhebung entfällt die berichtete Todesstrafe; sie belegt nicht, dass er freigesprochen oder freigelassen wurde oder nach Hause zurückkehren darf. 1

Sri Lankas stellvertretender Außenminister Arun Hemachandra gab die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs am 14. Oktober 2026 bekannt. Das Außen-, Auslandsbeschäftigungs- und Tourismusministerium des Landes bestätigte die Entwicklung am selben Tag und bezeichnete sie als „bedeutenden Durchbruch“. Für Sivarasa ist dies eine äußerst folgenreiche Veränderung. Eine endgültige Antwort auf die Frage nach seiner Strafe oder seinem Aufenthaltsort in den kommenden Tagen ist es jedoch noch nicht. 4 29

Die öffentliche Darstellung stützt sich auf Bekanntmachungen sri-lankischer Amtsträger und übereinstimmende Medienberichte. Der tatsächliche Beschluss des Obersten Gerichtshofs Saudi-Arabiens, das Aktenzeichen, die Begründung und die Anweisungen zu Haft oder weiteren Verfahren liegen nicht vor. Dieses fehlende Dokument ist wichtig: Die Aufhebung eines Urteils, mit dem die Todesstrafe verhängt wurde, ist rechtlich nicht zwangsläufig dasselbe wie die Aufhebung der zugrunde liegenden Verurteilung.

Auch beim Zeitpunkt des Gerichtsentscheids gibt es eine Abweichung von einem Tag. Berichte von Newswire und TimesOnline vom 14. Oktober zitieren Hemachandra mit der Angabe, die Entscheidung sei am 13. Oktober gefallen. BBC und The Hindu beschreiben ein Urteil vom Mittwoch, dem 14. Oktober. Die berichtete offizielle Erklärung spricht dafür, dass die Entscheidung am 13. Oktober und ihre Bekanntgabe am 14. Oktober erfolgte; ohne den Beschluss lässt sich die Abweichung in den veröffentlichten Berichten jedoch nicht abschließend klären. 4 6 1 2

Wie aus einer Haftstrafe ein Todesurteil wurde

Sivarasa ist ein tamilischer Hindu aus Narpittimunai nahe Kalmunai in der Ostprovinz Sri Lankas. Er reiste zum Arbeiten nach Saudi-Arabien. Berichte beschreiben seine Tätigkeit unterschiedlich als technisch, im Ingenieurwesen oder im Baugewerbe angesiedelt, ohne eine einzige verifizierte Berufsbezeichnung oder einen Arbeitgeber zu belegen. Auch sein Alter wird uneinheitlich angegeben: Die BBC nennt 27 Jahre, während The Independent und mehrere andere Berichte 24 Jahre nennen. Keines der beiden Altersangaben ist bestätigt. 11 1 5

Die Grundlage des Strafverfahrens entstand Ende Juni im Zusammenhang mit einem verbreiteten Video, das einen Mann zeigte, der einen Hund trat, der hinduistischen Pilgern gefolgt war. Nachdem ein anderer Beteiligter eine abfällige Bemerkung über eine hinduistische Gottheit gemacht hatte, antwortete Sivarasa auf Tamil mit Äußerungen über den Propheten Mohammed. Die saudischen Gerichte werteten diese Äußerungen als beleidigend und blasphemisch. In dem Fall ging es um religiöse Meinungsäußerung, nicht um den Vorwurf, Sivarasa habe körperliche Gewalt ausgeübt. 11 23

Sivarasa sagte, er habe den Kommentar innerhalb von etwa zehn Minuten gelöscht. Außerdem veröffentlichte er ein Entschuldigungsvideo. Doch das Löschen verhinderte nicht, dass Screenshots seinen Arbeitgeber und die saudischen Behörden erreichten. Der genaue Wortlaut des Kommentars und die vollständige Entschuldigung liegen nicht vor; Beschreibungen davon sollten nicht mit einer wortgetreuen Aufzeichnung verwechselt werden. 11 23

Er wurde Anfang Juli im Raum Dammam festgenommen. Die Fallmitteilung von Amnesty International UK vom 7. Oktober nennt den 1. Juli; andere Berichte geben den 2. Juli an. Das Strafgericht Al-Ahsa verhängte später fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von drei Millionen Saudi-Riyal. Auch zum genauen Datum der Verurteilung im Juli unterscheiden sich die Berichte; das ursprüngliche Urteil liegt nicht vor, um die Abweichung zu klären. 74 11 1

Im ursprünglichen Strafverfahren ging es um Artikel 6 des saudischen Gesetzes zur Bekämpfung von Cyberkriminalität und um Inhalte, die als Untergrabung religiöser Werte oder der öffentlichen Moral gewertet wurden. Sivarasas Verteidigung focht die fünfjährige Haftstrafe erfolglos an. Die Staatsanwaltschaft beantragte separat, das Verhalten nach der Scharia, dem islamischen Recht, als Blasphemie zu behandeln. Daraufhin verhängte das Berufungsgericht der Ostprovinz die Todesstrafe. 20 23

Diese Unterscheidung ist wichtig. Es handelte sich nicht einfach um einen Fall, in dem die Einlegung eines Rechtsmittels automatisch zu einem Todesurteil führte. Die gesonderte Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer härteren rechtlichen Behandlung trug zur Eskalation bei. Detaillierte Berichte über den Fall datieren das Todesurteil auf den 17. September 2026; der Bericht der BBC nennt den September, ohne den Tag anzugeben. 11 20 1

Das Rechtsmittel und die Aufhebung

  1. 17. September 2026

    Das Berufungsgericht der Ostprovinz verhängt ein Todesurteil.

    11
  2. 11. Oktober 2026

    Beim Obersten Gerichtshof Saudi-Arabiens wird ein Rechtsmittel eingelegt.

    381
  3. 14. Oktober 2026

    Sri-lankische Amtsträger geben bekannt, dass das Todesurteil aufgehoben wurde; Hemachandra datiert die Entscheidung auf den 13. Oktober.

    429

Ein Durchbruch mit noch offenen Folgen

Sri Lanka entsandte Anfang Oktober ein Juristenteam nach Riad. Dazu gehörten der Abgeordnete und Präsidentenanwalt Faiszer Musthapha, Präsidentenanwalt Upul Kumarapperuma, Hafeel Farisz und ein zusätzlicher Solicitor General. Botschafter Ameer Ajward koordinierte das Rechtsmittel über die Botschaft in Riad. Das Rechtsmittel beim Obersten Gerichtshof wurde am 11. Oktober eingelegt, wie der Daily Mirror und ein separater, am folgenden Tag veröffentlichter Bericht von LankaLeader meldeten. 13 65 3 81

Hemachandra würdigte die anhaltenden diplomatischen und juristischen Bemühungen und dankte der saudischen Regierung, sri-lankischen Amtsträgern, dem Sri Lanka Bureau of Foreign Employment sowie den Juristenteams beider Länder. Damit ist die offizielle Darstellung der Arbeit im Zusammenhang mit dem Rechtsmittel belegt. Nicht belegt ist damit der rechtliche Grund, aus dem der Oberste Gerichtshof das Urteil aufhob – ob er die Grundlage für die Todesstrafe verwarf, einen Verfahrensfehler feststellte oder eine erneute Prüfung anordnete. 4 29

Vor der Aufhebung soll Sivarasa im Zentralgefängnis Dammam festgehalten worden sein. Anfang Oktober, etwa am 8. Oktober, wurde von einem Besuch des Botschafters berichtet; ein späterer offizieller Bericht beschrieb seinen Gesundheitszustand als gut. Diese Berichte stammen aus der Zeit vor der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs und belegen nicht, wo er danach festgehalten wurde. 56 32

Frühere Angaben seiner Familie erhoben den Vorwurf, er sei im Gefängnis angegriffen oder verletzt worden, und schilderten, dass der Kontakt seit etwa dem 28. September eingeschränkt gewesen sei. Berichten zufolge bezeichneten die saudischen Behörden die Verletzungen als leichte Kratzer, die von einer Auseinandersetzung herrührten. Die Umstände und die unterschiedlichen Darstellungen sind nicht unabhängig bestätigt worden. Ein späterer Bericht über seinen guten Gesundheitszustand klärt für sich genommen nicht, was zuvor geschehen ist. 11 77 32

Musthapha sagte gegenüber BBC Sinhala, die Amtsträger prüften das Urteil. Kumarapperuma sagte gegenüber The Hindu, eine neue Strafe werde erwartet. Das ist die Erwartung eines beteiligten Anwalts – kein Beleg dafür, dass eine Ersatzstrafe verhängt, eine Anhörung angesetzt oder der Fall formell an ein untergeordnetes Gericht verwiesen wurde. 1 2

Bekannt

  • Sri-lankische Amtsträger bestätigen, dass der Oberste Gerichtshof das Urteil, mit dem die Todesstrafe verhängt worden war, aufgehoben hat. 429

Unbekannt

  • Sivarasas Haftstatus nach dem Urteil, eine mögliche Ersatzstrafe und der endgültige Status der zugrunde liegenden Verurteilung sind weiterhin unbestätigt.
  • Kein vorliegender Beschluss belegt, ob die ursprüngliche fünfjährige Haftstrafe und die Geldstrafe von drei Millionen Riyal weiterhin vollstreckbar sind.

Als Nächstes

  • Um festzustellen, ob er das Gefängnis verlassen und nach Sri Lanka zurückkehren kann, sind der wirksame Gerichtsbeschluss und jede spätere Entscheidung über Haft oder Strafmaß erforderlich.

Nichts in den verfügbaren Formulierungen bestätigt, dass die ursprüngliche Haftstrafe und Geldstrafe automatisch wieder in Kraft gesetzt oder aufgehoben wurden. Die verantwortungsvolle Schlussfolgerung ist enger als die Erklärung, der Fall sei abgeschlossen: Das Todesurteil wurde aufgehoben, während Sivarasas Freiheit und endgültige Strafe ungeklärt bleiben. 1 2 14

Wie ausgestrahlt 18 Zeilen
  1. Saudi Arabia's Supreme Court has overturned Anojan Sivarasa's death sentence over a Facebook comment.
  2. The Sri Lankan migrant worker had faced execution after an online religious argument. His family is still waiting to learn whether he can return home. What does the reversal mean for his freedom and any punishment he may still face?
  3. Sri Lanka's Deputy Foreign Minister Arun Hemachandra announced the reversal on October 14. The Foreign Ministry confirmed it that day, calling it a significant breakthrough. Officials haven't confirmed whether Sivarasa has been released or where he is now.
  4. Sivarasa comes from Narpittimunai, near Kalmunai in Sri Lanka's Eastern Province. He's a Tamil Hindu who travelled abroad for work. His prosecution took place in Al-Ahsa, and before the reversal he was reported held at Dammam Central Prison.
  5. Hemachandra says the court ruled on October 13, one day before his announcement. He credited sustained diplomatic and legal work by Sri Lanka's government. His statement specifically identifies the judgment that imposed the death penalty.
  6. The decision has also been dated October 14, leaving a one-day discrepancy. Sri Lanka's government confirms the death sentence was set aside. The court's reasons and its instructions for what happens next still aren't clear.
  7. Screenshots of Sivarasa's comment reached his employer and Saudi authorities. The argument developed in late June around a circulating video of a man kicking a dog that had followed Hindu pilgrims. Another participant insulted a Hindu deity, and Sivarasa replied in Tamil with remarks about the Prophet Muhammad.
  8. Sivarasa says he deleted the comment within about ten minutes. He also posted an apology video, but screenshots continued circulating. The Saudi courts treated his remarks as blasphemy, an offence involving expression considered insulting to religion.
  9. Saudi authorities arrested him in the Dammam area in early July. A contemporaneous human-rights chronology gives July 1; July 2 also appears in the case history. Authorities seized his devices, and his accounts were removed. The prosecution centred on his words during that religious argument.
  10. The Al-Ahsa Criminal Court initially imposed five years in prison and a fine of three million Saudi riyals. It used Saudi Arabia's cybercrime law, which covers material treated as undermining religious values or public morals.
  11. Sivarasa's defence challenged the five-year sentence, and the court rejected that challenge. Prosecutors separately sought to treat his conduct as blasphemy under Sharia, Islamic law. The appellate court then imposed death. The prosecution's demand for harsher legal treatment was part of that escalation.
  12. The Eastern Region Court of Appeal imposed death on September 17. A Supreme Court appeal followed on October 11. Hemachandra dates the reversal to October 13, and announced it on October 14. No execution date had been publicly announced.
  13. Sri Lanka sent a legal team to Riyadh in early October. It included lawmaker and senior lawyer Faiszer Musthapha, Upul Kumarapperuma, Hafeel Farisz and an additional solicitor general. Lawyers from both countries worked on the appeal.
  14. Ambassador Ameer Ajward coordinated the appeal through Sri Lanka's embassy in Riyadh. Hemachandra thanked the Saudi government, Sri Lankan officials and both legal teams. He also credited the Sri Lanka Bureau of Foreign Employment for its work.
  15. The ambassador visited Sivarasa before the reversal, around October 8. A later official account described him as in good health. Earlier, his family alleged he'd been attacked or injured in prison and described limited contact after about September 28.
  16. Saudi authorities described his injuries as minor scratches from a fight. The circumstances of that episode remain unclear. The later statement about his health doesn't settle what happened earlier, and the visit preceded the Supreme Court's decision.
  17. Musthapha says Sri Lankan officials are reviewing the ruling. Kumarapperuma expects a fresh sentence, but no new punishment has been confirmed. The final status of the conviction and the earlier prison term and fine remains unclear.
  18. The death-penalty judgment has been removed. Sivarasa's ability to leave prison and return to Sri Lanka still depends on the custody and sentencing decisions that follow.

Quellen

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