Sport · Todesfälle von Rennpferden
Bei der Auseinandersetzung um Todesfälle von Rennpferden in Victoria braucht es Namen, nicht nur Zahlen
Tierschützer zählen 48 mit dem Rennsport verbundene Todesfälle in Victoria; die Aufsichtsbehörde spricht von 22 Todesfällen im Rennbetrieb. Ohne ein gemeinsames Register mit Angaben zu jedem Pferd kann die Öffentlichkeit den Unterschied nicht vollständig überprüfen.
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Ohope Wins wurde eingeschläfert, nachdem sie im Caulfield Cup gestürzt war. Anschließend starben zwei weitere Pferde im viktorianischen Rennsport: Eine zweijährige Stute brach auf der Rennbahn in Ballarat zusammen, und ein sechsjähriger Wallach wurde nach einer Verletzung in Alexandra eingeschläfert. Für eine Öffentlichkeit, die zur Finanzierung der Branche beiträgt, werfen diese Todesfälle eine grundlegende Frage auf: Kann der Rennsport Rechenschaft über seine Verluste ablegen, die die Menschen tatsächlich überprüfen können? 1
Eine neue jährliche Bilanz hat diese Frage zugespitzt, aber nicht beantwortet. Die Coalition for the Protection of Racehorses (CPR) schreibt der Rennsportbranche zwischen August 2025 und Juli 2026 den Tod von 48 Pferden in Victoria zu. Racing Victoria, die staatliche Aufsichtsbehörde für den Vollblutrennsport, spricht von 22 Todesfällen im Rennbetrieb und bezeichnet die Zahl der Koalition als «irreführend, wenn nicht gar böswillig». Beide Angaben wurden am 27. Oktober von ABC berichtet. 1
Es geht nicht einfach um 26 Pferde, die auf eine rechnerische Korrektur warten. Die Organisationen zählen Todesfälle nach unterschiedlichen Kriterien, und es gibt keinen Abgleich von Pferd zu Pferd, der genau zeigt, an welcher Stelle sich ihre Angaben unterscheiden. Die CPR übermittelte ABC ihre Liste für Victoria. Racing Victoria teilte ABC mit, dass die Behörde keine Namensliste der Pferde bereitstellen könne. 1
Die wichtigsten Fakten
Wo sollte das Register enden?
Die Einwände von Racing Victoria verdienen mehr als eine bloße Zurückweisung. In ihrer schriftlichen Stellungnahme heißt es, die CPR-Liste enthalte Pferde, die an Koliken und Unfällen auf der Koppel starben, drei Pferde, die bei einem Verkehrsunfall getötet wurden, sowie Pferde, deren letzte Rennen 10, 12 beziehungsweise 17 Jahre zurücklagen. Zudem nennt sie ein Pferd, das an Komplikationen nach einem mutmaßlichen Stachelrochenangriff starb. Das sind gewichtige Gründe, die Frage zu stellen, was eine Zahl der Todesfälle in der Rennsportbranche überhaupt erfassen soll. 1
Beispiele sind jedoch kein Abgleich. Sie zeigen weder, welche Pferde die 22 der Aufsichtsbehörde ausmachen, noch, wie jedes andere Pferd eingestuft wurde oder ob allen ausgeschlossenen Todesfällen ein Bezug zum Rennsport fehlte. Ein Pferd kann auch abseits einer Rennbahn an einer dort erlittenen Verletzung sterben. Der Ort allein beantwortet nicht die Tierschutzfrage.
Helle Erhardson, Geschäftsführerin der CPR, weist ausdrücklich eine Auslegung des Berichts ihrer Organisation zurück, die nur Todesfälle auf der Rennbahn berücksichtigt. «Wir behaupten nicht, dass dies alles Todesfälle auf der Rennbahn sind; es sind die Fälle, von denen wir wissen, dass sie mit dem Rennsport zusammenhängen», sagte sie ABC. Zu ihrer Erläuterung gehören 15 Pferde, die in den Tagen nach Rennverletzungen starben, und neun, die an Verhungern starben. 1
Diese Teilzahlen lösen die Abweichung für Victoria nicht auf. Aus dem Bericht von ABC geht nicht eindeutig hervor, dass es sich ausschließlich um Zahlen für Victoria handelt; außerdem müsste geprüft werden, ob es Überschneidungen mit der Gesamtzahl der Aufsichtsbehörde gibt. Sie zu den 22 hinzuzurechnen, würde einen Abgleich vortäuschen, statt ihn herzustellen. Der Originalbericht von 2026 und ein abgeglichenes Register wurden für diesen Bericht nicht unabhängig geprüft.
Es gilt, berechtigte Unterscheidungen zu wahren: ein unmittelbarer Todesfall im Rennbetrieb, eine spätere Einschläferung nach einer Rennverletzung und der Tod eines seit Langem ausgemusterten Pferdes sind keine austauschbaren Ereignisse. Ein aussagekräftiges Register könnte diese Unterschiede beibehalten und zugleich den gesamten Bestand sichtbar machen. Die Wahl muss nicht zwischen einer unterschiedslosen Zählung aller Fälle und dem Unsichtbarmachen mancher Todesfälle liegen.
Eine Zahl der Todesfälle ist keine Risikobewertung
Der DeathWatch Report 2026 weist Victoria erstmals vor allen anderen Bundesstaaten aus, was die von der CPR erfasste Zahl der Todesfälle angeht. In den vorangegangenen 12 Berichten verzeichnete New South Wales die meisten Todesfälle; dort werden pro Jahr etwa 1,000 Rennen mehr ausgetragen als in Victoria. Aus dieser Historie lässt sich nicht ableiten, in welchem Bundesstaat das Risiko für ein einzelnes Pferd am höchsten ist. 1
Für einen solchen Vergleich müssten die Definitionen übereinstimmen, ebenso die Maße für die Belastung, etwa die Zahl der Pferde oder der Starts. Ein umfangreicheres Rennprogramm kann mehr Todesfälle zur Folge haben, ohne dass die Todesrate zwangsläufig höher ist; ein umfassenderes Meldesystem kann mehr Todesfälle erfassen, ohne eine schlechtere Sicherheit im Grundsatz zu belegen. Victoria als «tödlichsten» Bundesstaat zu bezeichnen, geht über das hinaus, was diese Rohzahlen stützen können.
Landesweit schreibt die CPR der Rennsportbranche in der Saison 2025–26 mindestens 160 Todesfälle zu, darunter mehr als 50 infolge von Verletzungen an den Vordergliedmaßen. Für diese Verletzungen wurde keine Zwischensumme für Victoria ermittelt. Erhardson sagt, die Mindestzahl umfasse Todesfälle, die die Gruppe bestätigen konnte; Rennen und Training auf Privatgrundstücken seien für die Öffentlichkeit schwer zu überprüfen. Es handelt sich nicht um eine statistische Schätzung einer darüber hinausgehenden, unbekannten Zahl von Todesfällen. 1
Die CPR sagt außerdem, dass fast 70 Prozent der Pferde in ihrer Bilanz im Alter von zwei Jahren mit Rennen oder Probeläufen begannen, bevor sie ihrer Einschätzung nach wahrscheinlich die volle Skelettreife erreicht hatten. Das beschreibt ihre Vorgeschichte; es belegt nicht, dass der Beginn im Alter von zwei Jahren ihren Tod verursacht hat. 1
Racing Victoria verweist auf ein anderes Sicherheitsmaß: eine nach eigenen Angaben 99.95-prozentige Sicherheitsbilanz im vergangenen Jahrzehnt sowie einen Jahresdurchschnitt von mehr als 40,000 Vollblutpferden, die an Rennen starteten. Die Berechnung hinter diesem Prozentsatz wird im Bericht von ABC nicht genannt, ebenso wenig, ob er auf die umfassenderen Todesfallkategorien der CPR anwendbar ist. Starter bedeuten zudem nicht zwangsläufig unterschiedliche Pferde. Der Prozentsatz kann den Streit darüber, welche Todesfälle ins Register gehören, nicht beilegen. 1
Die Todesfälle im Frühjahr sind separat zu betrachten
Die Todesfälle, die in diesem Frühjahr Aufmerksamkeit erregten, ereigneten sich nach dem Stichtag des Jahresberichts im Juli. Erhardson zählt die Pferde aus Ballarat und Alexandra zu den 12 viktorianischen Rennpferden, die in den vorangegangenen neun Wochen gestorben seien. In ihrer Erklärung vom 20. Oktober hatte die CPR über 10 Todesfälle infolge rennsportbedingter Verletzungen innerhalb von acht Wochen berichtet. Die spätere Angabe bezieht sich auf einen späteren und längeren Zeitraum – nicht auf denselben Zeitraum mit einer widersprüchlichen Gesamtzahl. Keine der beiden Zahlen sollte zur Bilanz von August 2025 bis Juli 2026 addiert oder als Teil davon behandelt werden. 1 15
Die vollständigen Identitäten, Daten und Umstände aller 12 jüngsten Todesfälle sind anhand der verfügbaren Angaben nicht festzustellen. Der Tod von Ohope Wins erregte ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit, weil der Caulfield Cup so prominent ist, nicht weil sie das einzige im viktorianischen Rennsport gestorbene Pferd war. Darin liegt die Aussage von Erhardson, auch wenn die umfassenderen Gesamtzahlen weiterhin umstritten sind.
Die Rennkommissare entlasteten die am Sturz im Caulfield Cup beteiligten Jockeys und bezeichneten den Grund für die Einschläferung von Ohope Wins als «schwere Rennverletzung». Die Online-Wiederholung wurde bearbeitet, um den Sturz von Ohope Wins und Half Yours zu entfernen. Erhardson sagt, dieselbe nicht näher bezeichnete Verletzungsbeschreibung werde für fast alle Todesfälle in Victoria verwendet; außerdem kritisiert sie die Entfernung von Aufnahmen von Vorfällen generell. Diese weitergehende Behauptung ist von der dokumentierten Bearbeitung dieser konkreten Wiederholung zu unterscheiden. 1
Öffentliche Finanzierung erhöht den Einsatz
Steuerzahler in Victoria haben über den Racing Industry Fund in vier Jahren A$72 Millionen bereitgestellt. Die Labor-Partei hat versprochen, den Betrag bei einer Wiederwahl im November auf A$80 Millionen zu erhöhen – ein bedingtes Versprechen, kein bereits ausgegebenes Geld. Ein Regierungssprecher sagte ABC, die Regierung arbeite mit Racing Victoria zusammen, um sicherzustellen, dass die Branche «weiterhin die höchsten Tierschutzstandards erfüllt». 1
Racing Victoria sagt, die Branche erzeuge jährlich A$5.5 Milliarden an Wirtschaftsleistung und sichere fast 34,000 Vollzeitäquivalent-Arbeitsplätze. Dabei handelt es sich um Schätzungen der Aufsichtsbehörde, nicht um unabhängig geprüfte Ergebnisse dieser Berichterstattung; Vollzeitäquivalente messen Arbeitsvolumen, nicht die Zahl einzelner Beschäftigter. Die Aufsichtsbehörde wirft Organisationen wie der CPR außerdem vor, den Rennsport abschaffen und den Menschen in Victoria Arbeitsplätze sowie eine legale Freizeitbeschäftigung nehmen zu wollen. 1
Beschäftigung und Vergnügen sind legitime Aspekte der Debatte über die Zukunft des Rennsports. Sie entscheiden nicht darüber, ob der Tod eines bestimmten Pferdes der Branche zugerechnet werden sollte. Ebenso macht die Ablehnung des Rennsports nicht jeden Todesfall auf einer Aktivistenliste nachweislich rennsportbedingt. Beide Positionen brauchen Unterlagen, die einer Prüfung standhalten.
Die Kampagne Nup to the Cup der CPR läuft während des Spring Racing Carnival weiter, einschließlich des Melbourne Cup in der folgenden Woche. Erhardson fordert die Rennsportverbände auf, Todesfallregister selbst zu veröffentlichen. Die unmittelbare Prüfung ist enger gefasst als die Debatte darüber, ob der Rennsport fortbestehen sollte: Wird Racing Victoria die Namen und Einstufungen veröffentlichen, die erforderlich sind, um ihre Angaben mit denen der Koalition abzugleichen? Bis dahin stehen der Öffentlichkeit zwei Zahlen, aber kein gemeinsames Register zur Verfügung, das den Unterschied erklärt. 1
Wie ausgestrahlt 21 Zeilen
- Ohope Wins was euthanised after falling in the Caulfield Cup. Her death brings fresh scrutiny to how racing counts its losses, while Victorian taxpayers spend millions supporting the industry.
- Which horses belong in the death toll, and will the regulator release the names needed to check it?
- The Coalition for the Protection of Racehorses counts 48 Victorian deaths linked to racing between August 2025 and July 2026. Racing Victoria, which regulates thoroughbred racing in the state, says there were 22 racing fatalities. It calls the larger tally “misleading, if not mischievous”.
- The coalition's DeathWatch Report 2026 puts Victoria above every other state for the first time. But calling a state the deadliest can suggest more than these figures show. A death count alone doesn't tell an owner how likely an individual horse is to die.
- New South Wales recorded the most deaths in the previous 12 DeathWatch reports. It runs about 1,000 more races each year than Victoria. Comparing the states' fatality rates would require matching what each count includes and how many horses or starts it covers.
- The national figures describe a broader welfare problem. The coalition includes deaths it links to the industry even when a horse dies away from a racecourse.
- The coalition attributes at least 160 deaths nationally to the racing industry in the 2025–26 season. It attributes more than 50 to front-limb injuries. General manager Helle Erhardson says the minimum reflects deaths the group could confirm, with others difficult to track.
- Erhardson says the public can't see what happens during trials and training on private properties. The coalition also says nearly 70 per cent of the horses began racing or trialling at two. It argues they were probably still growing. That history alone doesn't show that starting young caused their deaths.
- Racing Victoria points to horses that died from colic and paddock accidents. It also identifies three killed in a road accident, horses whose last races were 10, 12 and 17 years earlier, and one that died after a suspected stingray attack.
- Those examples explain its objection to the coalition's wider definition. Racing Victoria hasn't shown how every horse was classified against its own total. A death away from the track can still follow a racing injury, which is why the coalition argues for a wider register.
- Erhardson says the coalition includes 15 horses that died in the days after racing injuries, and nine that died from starvation. She says those horses deserve recognition too. Those subtotals weren't clearly identified as Victorian-only, so they can't explain the difference between 48 and 22.
- Any overlap would also need checking before those figures could be combined. The coalition supplied its Victorian horse list and asked Racing Victoria for equivalent transparency. Racing Victoria said it couldn't supply a list of horse names.
- Two more Victorian horses died after Ohope Wins. A two-year-old filly collapsed and died on track at Ballarat. A six-year-old gelding was euthanised after an injury in Alexandra. Erhardson places them among 12 Victorian racehorse deaths over the preceding nine weeks.
- An October 20 coalition statement had counted 10 deaths from racing injuries over eight weeks. The later figure covers a later, longer window. These spring deaths also come after the annual tally closed in July, so they must be kept separate from that season's figures.
- Stewards cleared the jockeys involved in the Caulfield Cup fall. They described Ohope Wins's reason for euthanasia as a “serious racing injury”. The online race replay has been edited to remove the fall involving Ohope Wins and Half Yours.
- Erhardson says a high-profile race brought attention to deaths that happen throughout racing. She also says nearly all Victorian deaths receive that same unspecified injury description in stewards' reports, and criticises the removal of incident footage. Her wider criticism goes beyond the confirmed edit to this replay.
- Racing Victoria says it has maintained a 99.95 per cent safety record over the past decade. It says Victoria averages more than 40,000 thoroughbred starters annually. It hasn't explained the calculation or how that percentage fits the coalition's broader death categories.
- Starters also don't necessarily represent distinct horses. Racing Victoria says the industry generates 5.5 billion Australian dollars a year in economic activity and supports nearly 34,000 full-time-equivalent jobs. Those are the regulator's estimates. Full-time equivalents measure the amount of work, rather than the number of individual workers.
- The Victorian government has spent 72 million Australian dollars through its Racing Industry Fund over four years. Labor promises to increase that figure to 80 million if re-elected in November. A government spokesperson says it's working with Racing Victoria to maintain the highest animal-welfare standards.
- Racing Victoria accuses groups such as the coalition of trying to shut racing down, threatening jobs and a lawful social activity. The coalition's Nup to the Cup campaign continues through the Spring Racing Carnival, including the following week's Melbourne Cup.
- Erhardson wants racing bodies to publish death records themselves. The public still has two competing totals without a shared horse-by-horse register explaining where they agree or differ. Racing Victoria says it can't supply the names needed to make that comparison.
Quellen
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