Konflikte · Offensive im Jemen

Mehr als 70 Tote an einem Tag um Taiz, während Jemens Regierung ihre Offensive eröffnet

Jemens von Saudi-Arabien unterstützte Regierung sagt, sie werde jedes von den Huthi gehaltene Gebiet zurückerobern. Die Huthi behaupten Angriffe auf Aramco, die Riads Koalition als irreführend bezeichnet. Fast jede Behauptung ist unverifiziert, und Brent liegt bei etwa 102 $.

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  1. Update 1Mehr als 70 Tote an einem Tag um Taiz, während Jemens Regierung ihre Offensive eröffnetSie sind hier

Nach Angaben von Quellen, auf die sich AFP beruft, wurden in und um Taiz binnen eines einzigen Tages mehr als 70 Menschen getötet. Wenn die Zahl stimmt, entspricht das im Durchschnitt etwa drei Toten pro Stunde. Tatsächlich dürfte sich das Geschehen ungleichmäßiger verteilt haben. Eine Aufschlüsselung nach Zivilisten und Kämpfern gibt es nicht, ebenso wenig eine unabhängige Überprüfung der Zahl. 2

Diese Zahl liegt unter den Schlagzeilen, die am 4. und 5. Oktober die Märkte bewegten. Jemens international anerkannte, von Saudi-Arabien unterstützte Regierung kündigte eine Offensive an, um sämtliche von den Iran-treuen Huthi gehaltenen Gebiete zurückzuerobern. Die Huthi erklärten, sie hätten Anlagen von Saudi Aramco mit Raketen und Drohnen getroffen. Brent-Rohöl pendelte um 102 $. Beide Seiten behaupten etwas, das sie bislang nicht belegen können. Überprüfbar sind nur zwei Dinge: der Ölpreis und die Tatsache, dass Menschen sterben.

Die wichtigsten Fakten

  1. 70+Berichten zufolge an einem Tag um Taiz getötet 2
  2. ~102 $Brent pro Barrel, 5. Oktober, leicht fallend 1522
  3. 100 Mio.Barrel in der angekündigten G7-Freigabe 1

Was die Regierung nach eigenen Angaben tut

Die Ankündigung erfolgte am Sonntag, dem 4. Oktober. Reuters berichtete darüber über Al-Monitor, und The National schreibt sie Raschad al-Alimi zu, dem Vorsitzenden des Präsidialen Führungsrats. Demnach hätten Regierungstruppen Huthi-Ziele in Sanaa und Saada getroffen. 6 5 Die ersten Berichte enthielten keine Angaben zu Opfern oder Geländegewinnen.

Am Montag beanspruchten jemenitische Beamte Geländegewinne. AP zitierte sie mit den Worten, verbündete Kräfte hätten mehrere wichtige Gebiete um die Meerenge Bab al-Mandab zurückerobert, darunter die Stadt Dhubab unmittelbar nördlich davon. 13 Reuters ergänzte unter Berufung auf Militär- und Regierungsquellen, die Kräfte hätten wichtige Stellungen an der Meerenge eingenommen und große Teile des Distrikts Dhubab erobert. 31 Die BBC berichtete, regierungstreue Kräfte sagten, sie hätten die Meerenge „gesichert“. 24 Eine sekundäre Darstellung, die von NDTV, beschreibt mehr als 1.000 Angriffe, saudische Luftunterstützung sowie Aufklärungs- und Planungshilfe der USA. Sie sagt nicht, wer die Angriffe flog, und kein anderes von uns geprüftes Medium wiederholt sie. 27

Dies sind offizielle Behauptungen, aufgestellt in den ersten Stunden einer Offensive. Die von uns geprüften Quellen zeigen weder eine unabhängige Bestätigung gehaltenen Gebiets noch Opferzahlen der Offensive selbst. Die Gewinne sind zudem der Versuch, etwas Jüngstes rückgängig zu machen. DW berichtet, die Huthi hätten im vergangenen Monat Jemens Küste am Roten Meer und die Meerenge selbst eingenommen, was DW als ihren größten Gebietsgewinn bezeichnet. 3

Die Aramco-Behauptung und das Dementi

Der Militärsprecher der Huthi, Jahja Sarea, sagte, die Gruppe habe ballistische Raketen und Drohnen auf Aramco-Anlagen in Riad und im Gebiet Khurais im Osten Saudi-Arabiens abgefeuert. Er sagte, die Angriffe hätten große Brände verursacht und „ihre Ziele erfolgreich erreicht“. 2 35 Die Huthi stellten dies als Vergeltung für saudisch geführte Luftangriffe dar. Sie beziffern die Angriffe auf 50 in den vorangegangenen 12 Stunden. RT zählt mindestens 110 auf Sanaa und andere Gebiete. 2 40 Die beiden Zahlen weichen voneinander ab, und keine ist verifiziert. Der von den Huthi betriebene Sender Al-Masirah berichtete von Angriffen in al-Dschauf und Saada und sagte, mindestens zwei Menschen seien verletzt worden. 2

Die saudisch geführte Koalition nannte die Behauptungen über Angriffe auf Riad „irreführend“. 33 37 Ihr Sprecher, Generalmajor Turki al-Maliki, ging weiter.

Scheinsieg

Generalmajor Turki al-Maliki 36

Er sagte, die Huthi nutzten Behauptungen über Angriffe auf Saudi-Arabien, um von Verlusten auf dem Schlachtfeld abzulenken, besonders rund um Taiz. 36 In den von uns geprüften Auszügen findet sich keine Stellungnahme der saudischen Regierung oder von Aramco zu Schäden.

Die einzige physische Tatsache ist ein Brand. Ein AFP-Journalist sah am 3. Oktober, einen Tag vor der Huthi-Erklärung, Flammen an einer Aramco-Anlage südlich von Riad. 33 37 Nichts, was wir gefunden haben, belegt die Ursache. Khurais taucht nur als Behauptung der Huthi auf. Ein Huthi-nahes iranisches Medium, Kayhan, meldet, die Ost-West-Pipeline zum Roten Meer sei stillgelegt worden; nichts anderes bestätigt das. 11 Klar gesagt: Es gab einen Brand, es gibt eine Bekennung und es gibt das Dementi eines Teils davon. Eine Schadensbewertung liegt nicht vor.

Drei Tage, wie die Quellen sie angeben

  1. September

    Huthi erobern Jemens Küste am Roten Meer und die Meerenge Bab al-Mandab, beschrieben als ihr größter Gebietsgewinn.

    3
  2. Sa., 3. Okt.

    Ein AFP-Journalist sieht Flammen an einer Aramco-Anlage südlich von Riad; Ursache ungeklärt.

    33
  3. So., 4. Okt.

    Die Regierung kündigt ihre Offensive zur Rückeroberung aller von den Huthi gehaltenen Gebiete an; die Huthi behaupten Angriffe auf Aramco-Anlagen in Riad und Khurais.

    635
  4. Mo., 5. Okt.

    Jemenitische Beamte beanspruchen Dhubab und Stellungen an der Meerenge für sich, vor einem saudisch-pakistanisch-türkischen Treffen in Riad.

    1331

Wer um Taiz die Oberhand hat

Die Opferzahl in Taiz kommt, während die Huthi Berichten zufolge eine wichtige Route zwischen der Stadt und Aden eingenommen und die Stadt umzingelt haben. 2 Die Darstellungen widersprechen sich darin, wer im Vorteil ist. Die Koalition sagt, die Huthi verlören dort an Boden. 36 Kayhan sagt, der Belagerungsring ziehe sich enger, und die Stadt sei „praktisch befreit“. 11 Die Formulierung des Mediums ist mehrdeutig, doch es steht der Huthi-Seite nahe. Beides kann nicht stimmen. Solange niemand Unabhängiges die Stadt erreichen kann, ist die Zahl von mehr als 70 der einzige Teil davon, der keine Prahlerei ist.

Eine Prognose des Patts und ein Test

Die Jemen-Forscherin Hannah Porter nennt im Gespräch mit DW das Ziel der Regierung äußerst ehrgeizig. Sie sieht keine jüngste Verbesserung der Fähigkeiten der regierungstreuen Kräfte und erwartet kurzfristig kaum Fortschritte und ein blutiges Patt. Zudem sagt sie, die Huthi-Kontrolle über Bab al-Mandab verschaffe Einfluss auf Jemens Westküste und auf eine enge Passage für Ölexporte. Ihrer Ansicht nach ist der Konflikt bereits regionalisiert, und irgendwann werde eine Verhandlungslösung nötig sein, auch wenn Gespräche fern erscheinen. 3

Ihre Prognose stammt aus der Zeit vor den am Montag behaupteten Geländegewinnen, und diese Gewinne werden sie, falls sie Bestand haben, auf die Probe stellen. Dennoch ist die Rückeroberung einer Küstenstadt und einiger Stellungen an der Meerenge am ersten Tag nicht dasselbe wie der Beweis, dass diese Kräfte leisten können, was die Ankündigung verspricht. Eine Offensive zur Rückeroberung aller von den Huthi gehaltenen Gebiete, einschließlich Sanaas, ist eine weit größere Behauptung als ein Vorstoß an der Küste. Der erste Tag sagt wenig über den dritten Monat.

Was der Ölpreis einpreist

Brent wurde am Montag je nach Kontrakt und Zeitstempel zwischen rund 101,6 und 102,5 $ gehandelt und gab leicht nach. US-Rohöl lag bei etwa 90 $. 15 22 Die Angriffsbehauptungen der Huthi und die verschärften Kämpfe wurden als preisstützend genannt. 16 In die Gegenrichtung wirkten steigende Rohölexporte aus dem Nahen Osten, eine überraschende Senkung der Rohölpreise von Aramco für Asien im November und der G7-Plan zur Freigabe von Reserven. 14 16

Bloomberg berichtete, Macron habe gesagt, die G7-Partner planten, unter Koordination der IEA über vier Monate bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl freizugeben. 1 Die von uns geprüften Berichte zum Ölmarkt beschreiben die Freigabe, erwähnen aber die IEA nicht und unterscheiden sich darin, ob sie bereits begonnen hat. 15 21 Sie wurde zusammen mit den Jemen-Nachrichten angekündigt, und nichts, was wir gefunden haben, zeigt, dass sie eine Reaktion darauf war. Der Markt trägt demnach einen Jemen-Risikoaufschlag, den die Freigabe von Reserven dämpft. Eine Meerenge unter umstrittener Kontrolle ist ein Risiko für die Schifffahrt, doch eine tatsächliche Störung ist nicht belegt.

Bekannt

  • Am 3. Oktober wurde ein Feuer an einer Aramco-Anlage südlich von Riad gesehen; die Huthi behaupteten Angriffe, und die Koalition nannte ihre Behauptungen zu Riad irreführend. 3337
  • Die Regierung kündigte ihre Offensive am 4. Oktober an, und jemenitische Beamte beanspruchten am 5. Oktober Gewinne um Dhubab und die Meerenge Bab al-Mandab. 613
  • Brent wurde am 5. Oktober bei etwa 101,6 bis 102,5 $ gehandelt und gab leicht nach. 1522

Unbekannt

  • Die Ursache des Feuers in Riad, mögliche Schäden in Khurais und ob die saudische Regierung oder Aramco sich zu Schäden äußern wird.
  • Ob die behaupteten Gewinne um Dhubab und die Meerenge real sind oder Bestand haben und was die Offensive an Menschenleben gekostet hat.
  • Ob die Opferzahl von mehr als 70 in Taiz und die Einkesselung über die von AFP zitierten Quellen hinaus bestätigt werden.

Als Nächstes

  • Jede Stellungnahme Saudi-Arabiens oder von Aramco zu Schäden sowie eine unabhängige Bestätigung der Kontrolle um Dhubab und die Meerenge.
  • Ob das Treffen saudischer, pakistanischer und türkischer Vertreter in Riad irgendeinen Schritt zur Deeskalation bringt.
Wie ausgestrahlt 14 Zeilen
  1. Yemen's government has launched an offensive to retake all Houthi-held territory.
  2. At the same time, the Houthis claim missile and drone strikes on Saudi Aramco oil sites, and Brent crude sits near $102 a barrel. Every key claim, from every side, is still unverified.
  3. Which of these claims hold up, and how much risk do they put on oil?
  4. The stated aim is to take back every area the Iran-backed Houthis hold. Rashad al-Alimi, who chairs the Presidential Leadership Council, is named as announcing it on Sunday. Government forces said they struck Houthi targets in Sanaa and Saada. The first reports carried no casualty or territorial detail.
  5. Pro-government forces say they have secured the Bab al-Mandab strait. Yemeni officials say allied forces retook the town of Dhubab, just north of it, seized key positions on the waterway and took large parts of Dhubab district. Giants Brigades and National Shield forces are described as besieging Houthi fighters in a Red Sea coastal town. It is an attempt to reverse the Houthis' largest land grab, made last month, when they took Yemen's Red Sea coast and the strait itself. These are official claims. No independent confirmation of territory held, and no casualty figures for the offensive, have surfaced.
  6. More than 1,000 strikes, Saudi air cover and US planning help: that is one description of the offensive, and it is unconfirmed beyond a single source that never says who carried out the strikes. The army claims came ahead of a meeting of Saudi, Pakistani and Turkish officials in Riyadh.
  7. Flames were seen at an Aramco facility south of Riyadh a day before the Houthis announced an attack, and what caused that fire is not established. Houthi military spokesperson Yahya Saree says the group fired ballistic missiles and drones at Aramco sites in Riyadh and the Khurais area of eastern Saudi Arabia, causing large fires, and that both operations achieved their objectives.
  8. The Houthis frame their attacks as retaliation for Saudi-led strikes, and put those at 50 in twelve hours. Another account counts at least 110 on Sanaa and other parts of Yemen. The figures differ, and neither is verified. Strikes in al-Jawf and Saada reportedly wounded at least two people.
  9. The Saudi-led coalition calls the Houthi claims about attacking Riyadh misleading. Spokesman Maj. Gen. Turki Al-Maliki called it an illusory victory, and said the Houthis are using claims of attacks on Saudi Arabia to divert attention from battlefield losses, particularly around Taiz. Saudi Arabia did not immediately confirm the claim, and neither the government nor Aramco has made a statement on damage. Nothing confirms damage at Khurais. A Houthi-aligned claim that the East-West pipeline to the Red Sea was halted has no corroboration.
  10. More than 70 people were killed in and around Taiz over the preceding day, with no split between civilians and combatants, and that toll is not independently verified. The Houthis have reportedly seized a key route linking Taiz to Aden and surrounded the city. The accounts conflict on who is gaining: the coalition says the Houthis are losing ground, while a Houthi-aligned account says the encirclement is tightening and the city is practically liberated.
  11. A Yemen researcher expects this to end in a bloody stalemate. She calls the government's objective highly ambitious and sees no recent improvement in pro-government forces' capabilities, so she expects little near-term progress. Houthi control of Bab al-Mandab, she says, gives leverage over Yemen's west coast and a narrow passage for oil exports, and Iran and its allies, including the Houthis, control the two main straits for oil exports. She calls the conflict already regionalised. A negotiated settlement will ultimately be needed, she says, though talks look distant. Her forecast predates Monday's claimed gains, which, if they hold, would test the first part of her view.
  12. Brent crude traded between about $101.6 and $102.5 a barrel, edging lower by roughly 0.3 to 0.65 percent, with US crude near $90. The Houthi attacks and the intensified fighting supported prices. Pulling them down were rising Middle East crude exports, a surprise Aramco cut to November crude prices for Asia, and a G7 plan, announced by Macron, to release up to 100 million barrels of diesel and crude over four months. The IEA's coordinating role is not confirmed, and some accounts say the release has already begun. It was announced alongside the Yemen news, but nothing establishes that it responds to it.
  13. So oil carries a Yemen risk premium that stockpile releases are blunting. A Bab al-Mandab route under contested control is a risk to shipping, but nothing yet shows an actual disruption.
  14. What holds up: a fire at an Aramco site, a Houthi claim of responsibility, a coalition denial of the Riyadh claims, and a Brent price near $102. What does not yet: any verified damage assessment, independent confirmation of the claimed gains around Dhubab and the strait, and the Taiz toll. Still unknown is what caused the Riyadh fire and whether the talks in Riyadh bring any de-escalation.

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