Unternehmen · Vorbereitungen auf den BörsengangFortlaufendes Thema · Bericht 2 von 3
Anthropics Quartal mit 16,8 Milliarden US-Dollar wirft eine Rechnungslegungsfrage auf
Der gemeldete Quartalsumsatz stieg um rund 45 % und stärkt damit Anthropics mögliche Argumentation für einen Börsengang. Anlegern fehlt weiterhin die Rechnungslegungsüberleitung hinter der bereinigten Profitabilität.
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Damals
Wall Street bewertet Anthropic anhand von Umsätzen für 2028 mit 2 Billionen DollarDamals noch offen
- Kein öffentliches S-1, keine bestätigte Bewertung, kein Datum, keine Börse, kein Tickersymbol, keine Konsortialbanken und keine geprüfte Prognosemethodik.
- Keine verifizierte Aufschlüsselung dazu, wie sich 200 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2028 nach Kosten für GPUs, Rechenleistung, Neueinstellungen und Modelle in Margen niederschlagen.
Worauf wir achten wollten
- Ob die öffentliche Einreichung im August geprüfte Zahlen und Risikohinweise enthält, die eine Bewertung auf Grundlage von Zahlen für zwei Jahre später stützen.
- Ob institutionelle Anleger nach dem unveränderten Kursverlauf von SpaceX am Sekundärmarkt eine Kapitalaufnahme von mehr als 100 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 2 Billionen Dollar finanzieren werden.
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Der gemeldete Quartalsumsatz stieg um rund 45 % und stärkt damit Anthropics mögliche Argumentation für einen Börsengang. Anlegern fehlt weiterhin die Rechnungslegungsüberleitung hinter der bereinigten Profitabilität.
16,8 Milliarden US-Dollar in drei Monaten. So hoch waren die Einnahmen, die Anthropic potenziellen Investoren zufolge im dritten Quartal 2026 erzielte – keine annualisierte Umsatzrate, sondern der Umsatz allein in diesem Quartal. Das war mehr als das Dreifache des für das erste Quartal gemeldeten Umsatzes des Unternehmens. 17
Anthropic verbindet diese Expansion mit einem zweiten Quartal in Folge mit bereinigter Profitabilität, während sich das Unternehmen auf einen möglichen Börsengang vorbereitet. Die stärkere Umsatzbasis verändert die Argumentation. Was weiterhin fehlt, ist die Überleitung, die zeigt, wie diese bereinigte Profitabilität im Vergleich zu Ergebnissen nach den üblichen Rechnungslegungsstandards ausfällt. 69 13
Bloomberg berichtet, dass die formelle Vermarktung des Börsengangs bereits in der Woche ab dem 9. November beginnen könnte. Damit würde der Verkauf des Angebots an Anleger starten – es wäre jedoch weder ein bestätigter erster Handelstag noch eine Garantie dafür, dass Anthropic an die Börse geht. 4
Die wichtigsten Fakten
Die Zahlen stammen aus einer geschlossenen Investorenpräsentation am Hauptsitz von Anthropic in San Francisco am 14. Oktober, bei der Vorstandschef Dario Amodei und Finanzchef Krishna Rao potenzielle Investoren trafen. Der 15. Oktober war das Datum der vorliegenden Fernsehberichte, nicht das Datum des Treffens. Die Quartalsergebnisse beruhen auf Berichten von Teilnehmern und Personen, die mit der Präsentation vertraut sind; Anthropic hat die genauen Zahlen nicht öffentlich bestätigt und keine vollständige Rechnungslegungsüberleitung veröffentlicht. 17 13
Am 22. August 2026 berichteten wir, dass Banker die mögliche Bewertung von Anthropic an prognostizierten Umsätzen von 190 bis 200 Milliarden US-Dollar im Jahr 2028 ausrichteten. Dabei handelte es sich um Prognosen. Die neue Entwicklung ist eine deutlich höhere gemeldete Umsatzbasis, die bereits erzielt wurde, statt einer weiteren Projektion. Sie belegt weder, dass die Prognose für 2028 erreicht wird, noch dass die zuvor diskutierte Bewertung gesichert ist.
Der Umsatz ist rasant gestiegen; beim Gewinn sind Einschränkungen nötig
Der Bericht von Reuters über das Investorentreffen beziffert den Umsatz auf rund 4,7 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal, 11,6 Milliarden im zweiten und 16,8 Milliarden im dritten. Demnach betrug der jüngste sequenzielle Anstieg 5,2 Milliarden US-Dollar oder etwa 45 %. Zum Vergleich: Laut Berichten über den vertraulichen Prospekt lag der Umsatz für das gesamte Jahr 2025 bei rund 4,6 Milliarden US-Dollar. 17 53
Bei den genauen Zahlen der früheren Quartale bestehen noch Unklarheiten. In früheren oder sekundären Berichten werden für das erste Quartal rund 4,8 Milliarden US-Dollar und für das zweite rund 11,5 Milliarden genannt. Keine ungerundete öffentliche Finanzaufstellung klärt diese Abweichungen. Der AFP-Bericht des Hindu beschreibt das Wachstum im dritten Quartal mit rund 50 %; Reuters berichtet 45 %, was der genaueren Berechnung anhand von 11,6 Milliarden und 16,8 Milliarden US-Dollar entspricht. Es handelt sich nicht um unterschiedliche Umsatzergebnisse. 69 16 9 17
Bei den Profitabilitätskennzahlen ist mehr Vorsicht geboten als beim Umsatzvergleich. Der ausführliche Bericht von Bloomberg Television nennt eine bereinigte Bruttomarge von 85 %, eine bereinigte operative Marge von über 11 % und einen positiven bereinigten Free Cashflow. Im AFP-Bericht des Hindu wird die operative Marge schlicht mit 11 % angegeben. Keine öffentliche, ungerundete Überleitung klärt diesen Unterschied; zudem enthalten die verfügbaren Berichte keinen Dollarbetrag für den bereinigten Free Cashflow. 2 9
Die Bruttomarge und die operative Marge messen unterschiedliche Stufen der Gewinn- und Verlustrechnung. Keine von beiden ist mit dem Umsatz gleichzusetzen, und keine der bereinigten Kennzahlen belegt Profitabilität nach den allgemein anerkannten Rechnungslegungsgrundsätzen. Ausführlichere Berichte bezeichnen das dritte Quartal als das zweite Quartal in Folge mit bereinigter Profitabilität – nach dem zweiten und nicht dem ersten Quartal, in dem Anthropic bereinigte Profitabilität erzielte. 69 72
Auch die Einschränkung beim Cashflow ist wichtig. Ein Bericht von Bloomberg Television verwendete die Kurzform «positiver Free Cashflow»; der ausführliche Bericht spricht präziser von positivem bereinigtem Free Cashflow. An dieser ausführlicheren Beschreibung sollten sich Anleger orientieren. Sie ist kein Beleg dafür, dass der unbereinigte Free Cashflow positiv war. 1 2
In Kommentaren zu Anthropics bereinigten Kennzahlen wurden aktienbasierte Vergütungen, Kosten für das Modelltraining und bei Kennzahlen zur hohen Bruttomarge auch Umsatzbeteiligungen von Vertriebspartnern thematisiert. Daraus ergibt sich jedoch keine vom Unternehmen bestätigte Liste der Ausschlüsse, ihrer genauen Zuordnung oder ihrer Dollarbeträge für genau diese Ergebnisse des dritten Quartals. Diese Erörterungen als vollständige Überleitung für Q3 darzustellen, würde über das hinausgehen, was die Belege hergeben. 11 28 81
Die entsprechende unbereinigte Bruttomarge, das operative Ergebnis und der Cashflow-Gesamtbetrag sind weiterhin nicht belegt. Vergleichbare Margen und Cashflow-Beträge aus früheren Quartalen liegen ebenfalls nicht vor. Anleger können die gemeldete Umsatzbeschleunigung erkennen; sie können jedoch noch nicht berechnen, wie stark sich diese Margen verbessert haben, oder allein anhand der bereinigten Prozentwerte den Gewinn nach den üblichen Rechnungslegungsstandards rekonstruieren. 8 9
Die Verpflichtungen reichen über ein Quartal hinaus
Gerade weil Anthropics Expansion mit erheblichen künftigen Verpflichtungen einhergeht, sind die fehlenden Rechnungslegungsdetails wichtig. Reuters berichtet über mindestens 518 Milliarden US-Dollar an Zusagen für Rechenkapazität und Infrastruktur gegenüber sechs Partnern über einen Zeitraum von ungefähr zehn Jahren, die in einem vertraulichen Prospektentwurf beschrieben werden. Rund 80 % davon gelten als nicht kündbar oder unabhängig von der Nutzung zahlbar. 83
Dabei handelt es sich nicht um 518 Milliarden US-Dollar an Ausgaben im dritten Quartal. Die gesamte Verpflichtung vom Umsatz eines Quartals abzuziehen, würde einen bedeutungslosen Verlust konstruieren. Doch die Verträge wegen positiver bereinigter Ergebnisse abzutun, wäre der entgegengesetzte Fehler: Künftige Zahlungsverpflichtungen und die aktuelle bereinigte Profitabilität sind unterschiedliche Prüfmaßstäbe.
Zu den gemeldeten Verpflichtungen gehören mindestens 111,1 Milliarden US-Dollar gegenüber Google von April 2026 bis Juli 2033 sowie rund 110 Milliarden US-Dollar gegenüber Amazon von Mai 2026 bis April 2036. Beide Vereinbarungen enthalten Mindestabnahme- oder Ausgleichszahlungsklauseln. Die Verpflichtungen gegenüber Microsoft belaufen sich auf insgesamt 31,4 Milliarden US-Dollar und gelten von November 2026 bis Mai 2033. 83 120
Die Verpflichtungen aus Geräteleasing im Zusammenhang mit Broadcom belaufen sich auf rund 161,2 Milliarden US-Dollar und sind größtenteils nicht kündbar. Eine Vereinbarung mit xAI umfasst bis zu rund 84,5 Milliarden US-Dollar, ist jedoch größtenteils kündbar. Dies sind Bestandteile der Gesamtverpflichtungen und keine zusätzlichen Beträge, die zu den 518 Milliarden US-Dollar addiert werden müssen; außerdem bilden die genannten Vereinbarungen keine vollständige Aufschlüsselung der sechs Partner. Ein kündbarer Höchstbetrag ist nicht mit einer unausweichlichen Zahlung gleichzusetzen. 83 120
Die praktische Frage ist, ob künftige Umsätze und die Cashflow-Generierung ausreichen werden, um die fälligen Zahlungen zu decken – auch für Kapazitäten, die Anthropic möglicherweise nicht nutzt. Ein starkes Quartal stärkt die Argumentation des Unternehmens. Die längerfristige Frage beantwortet es nicht.
Eine mögliche Roadshow, kein Börsendebüt
Anthropic hat einen formellen Vorbereitungsschritt unternommen. Am 1. Juni 2026 gab das Unternehmen bekannt, vertraulich einen Entwurf der Registrierungserklärung Form S-1 für ein geplantes Angebot von Stammaktien bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht zu haben. Die Einreichung gibt Anthropic die Möglichkeit, nach der Prüfung durch die SEC fortzufahren; sie schließt kein Angebot ab. 91
Der geplante Börsengang wird von den Marktbedingungen und weiteren Faktoren abhängen. Die Zahl der anzubietenden Aktien und der Preis stehen noch nicht fest.
Zum Stand der Berichterstattung vom 15. Oktober gab es keinen öffentlichen S-1, der diese exakten Quartalsergebnisse, die endgültige Aktienzahl, eine Preisspanne für das Angebot, einen bestätigten Vermarktungsbeginn oder den ersten Handelstag enthielt. Die gemeldete Bewertungsambition liegt weiterhin bei über 2 Billionen US-Dollar – es handelt sich weder um eine vereinbarte Bewertung für das Angebot noch um den Betrag, den ein Aktienverkauf einbringen würde. 49 14
Das von Bloomberg genannte mögliche Vermarktungsfenster in der Woche ab dem 9. November passt zu einem erhofften Börsendebüt vor Thanksgiving am 26. November. Beschreibungen eines möglichen Angebots im November oder zum Jahresende sind bedingte Planungszeiträume und keine voneinander unabhängigen bestätigten Fristen. 32 4 2
Anthropic kann nun eine stärkere Umsatzgeschichte erzählen als die auf Prognosen gestützte Argumentation, über die wir im August berichtet haben. Die nächste Prüfung betrifft die Offenlegung: Werden die Angebotsunterlagen die bereinigten Ergebnisse belegen, die Ausgabenverpflichtungen erläutern und die Bedingungen festlegen, bevor Anleger zum Kauf aufgefordert werden? Ein Quartal mit 16,8 Milliarden US-Dollar Umsatz verdient Aufmerksamkeit. Dadurch werden die fehlenden Abrechnungen nicht zur Nebensache.
Wie ausgestrahlt 20 Zeilen
- On August 22, we reported Anthropic's forecast-based valuation pitch. Now Anthropic has told investors it generated $16.8 billion in one quarter.
- The company is also pitching a second consecutive quarter of adjusted profitability as it prepares for a possible public offering. Prospective shareholders face substantial long-term computing bills. The test is whether investors can see the full costs behind that adjusted profit before they're asked to buy.
- Anthropic met prospective investors at its San Francisco headquarters on October 14. The company hasn't publicly confirmed these exact quarterly results or published financial statements containing them.
- Chief executive Dario Amodei and chief financial officer Krishna Rao met the investors. Their pitch combines rapidly expanding sales with adjusted financial measures that suggest the business is covering more of its costs.
- Revenue rose from about $4.7 billion in the first quarter to about $11.6 billion in the second. It reached $16.8 billion in the third, a gain of $5.2 billion, or about 45%, in three months.
- The third quarter covers the three months ending in September. Its revenue was more than three times the first quarter's. For comparison, Anthropic generated about $4.6 billion during all of 2025. Bankers' earlier valuation pitch leaned on projected 2028 revenue of $190 billion to $200 billion. Those sales are still forecasts.
- Earlier figures put the first quarter at about $4.8 billion and the second at about $11.5 billion. Anthropic hasn't published unrounded numbers to settle those differences. Using $11.6 billion and $16.8 billion gives about 45% growth.
- The financial pitch also includes an 85% adjusted gross margin and an adjusted operating margin above 11%. Some figures put that operating margin simply at 11%. Gross margin measures what's left after the costs assigned to delivering the service. Operating margin also reflects operating expenses.
- Anthropic also presented positive adjusted free cash flow, without giving a dollar amount. The adjusted qualifier applies to that cash-flow result too. And the third quarter continued adjusted profitability achieved in the second quarter.
- Stock-based pay, model training and payments to distribution partners are costs investors need to understand. Anthropic hasn't shown precisely how those items were treated in these third-quarter adjustments, or the dollar amounts involved.
- Without that accounting bridge, investors can't work backward from the adjusted margins to a standard-accounting profit. Comparable earlier margins and cash-flow amounts also haven't been disclosed, so there's no numerical measure of how much those results improved.
- Anthropic has reportedly committed at least $518 billion to computing and infrastructure with six partners over roughly a decade. About 80% is noncancelable or payable regardless of usage. That creates payment obligations extending far beyond the latest quarter.
- Those contracts spread spending across years. Future shareholders have to judge whether revenue will keep growing fast enough to cover the payments as they come due. A single adjusted-profitable quarter can't settle that longer-term cash requirement.
- Google's commitment is at least $111.1 billion, running from April 2026 through July 2033. Amazon's is about $110 billion, from May 2026 through April 2036. Both include minimum-spending or shortfall-payment provisions.
- Microsoft commitments total $31.4 billion, covering November 2026 through May 2033. Broadcom-related equipment leases add about $161.2 billion within the overall commitment total. Those leases are largely noncancelable.
- The xAI arrangement reaches up to about $84.5 billion and is largely cancelable, giving Anthropic more flexibility there. All these amounts sit inside the overall commitment account. The named contracts cover only part of the six-partner breakdown, and their different cancellation terms affect how much spending Anthropic can avoid.
- Anthropic submitted a confidential draft registration statement to the Securities and Exchange Commission on June 1. That gives it the option to proceed after regulatory review. The company said the offering would depend on market conditions and other factors.
- Anthropic is reportedly seeking a valuation above $2 trillion. That remains an aspiration. Investors still need the public offering terms to know how the company would be priced and how much money a share sale would raise.
- Formal marketing could begin as soon as the week of November 9. That could allow a debut before Thanksgiving on November 26. A November offering or one by year-end remains possible, but Anthropic hasn't confirmed a launch or trading date.
- As of October 15, Anthropic hadn't published a prospectus containing these quarterly results. Investors therefore still lack the public accounting detail needed to judge the adjusted profit against the full costs. Future shareholders would face contracts whose payments can come due even when computing capacity goes unused.
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